Kriegsimmersion im War Memorial of Korea

Hallo aus Seoul! Es ist wieder Zeit für einen touristischen Blick auf meine neue Heimat. In Teil 1 ging es um die Hanok Villages, heute flüchten wir vor der sibirischen Kälte ins War Memorial of Korea. Aufgrund der unglaublichen Dimensionen dieses Mahnmals und Museums war ich bereits dreimal dort zu Besuch. Gott sei Dank ging’s nicht aufs Börserl, denn der Eintritt (samt Führungen) ist frei.

Das War Memorial gliedert sich in mehrere Bereiche:

Der weitläufige Vorplatz mit vielen Denkmälern

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Der gespaltene Lebensbaum an dessen Flanken Norden und Süden aufeinander zustürmen.

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Eine Freiluftausstellung von altem Kriegsgerät

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Mehrere Gedenkbereiche im Gebäude und in den Arkadengängen

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Marmorplatten mit den Namen der gefallenen Soldaten.

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Noch mehr Namen …

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Und noch mehr Namen …

4 Hallen zur Kriegsgeschichte Koreas mit Blick in die Zukunft

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3 Hallen zum Koreakrieg

Hier ging es kaum zu fotografieren, denn die Ausstellung besteht aus vielen Film- und Fernsehausschnitten, Licht- und Audioinstallationen und auch die textlastigen Bereiche waren in passend dimmes Licht gehüllt.

Einige Informationstafeln:

Ein paar historische Eckdaten für die Allgemeinbildung:

  • Der Norden startete am 25. Juni 1950 einen Überraschungsangriff
  • Drei Tage später fiel bereits Seoul
  • Bis Anfang September hatte die nordkoreanische Armee fast den ganzen Süden überrollt. Übrig war noch ein kleiner Landabschnitt um Busan.
  • Nach der Landung der US-Streikräfte bei Incheon werden die nordkoreanischen Truppen allmählich zurückgedrängt.
  • Bis Ende Oktober konnte Südkorea mit Hilfe der USA und anderer UNO-Mitglieder seinerseits fast den gesamten Norden erobern.
  • Am 25. Oktober 1950 wird Mao Tsedong aktiv und der Stellvertreterkrieg USA gegen Russland/China pendelt sich allmählich an der heutigen Grenze ein.

Zwei weniger spannende Ausstellungsbereiche drehen sich um die Auslandseinsätze des südkoreanischen Militärs nach dem Koreakrieg (v.a. Vietnam) und die UNO.

Was gibt es zu lernen?

Ich war nach jedem meiner Besuche ziemlich überwältigt. Überwältigt von der Informationsflut. Von den Dimensionen des Museumsgebäudes. Von der etwas zu glorifizierenden Präsentation von Krieg.

Ich habe selten ein größeres, detailreicheres, berührenderes und künstlerisch interessanteres Museum gesehen. Ich habe allerdings auch noch kein Geschichtsmuseum gesehen, in dem es so sehr um Kampf, Ehre und Freiheit ging und kaum um die Gräuel des Krieges.

Was für ein Unterschied zu Österreich und Deutschland: Ein Kriegsmuseum muss dort die Geschichte der Opfer erzählen und Soldaten dürfen kaum als Helden in Erinnerung bleiben. In Südkorea erzählt es die Geschichte der Soldaten und der Verbrechen der „anderen“. Welche Perspektive ist richtig? Ist die nie-wieder-Krieg Ideologie samt Holocaust-Gedenken und antifaschistischen Grundsätzen gut oder ein War Memorial mit martialischen Sprüchen:

If you don’t protect yourself, no one else would protect you.

The noble sacrifice of heroes became the eternal light that protects the Republic of Korea.

Freedom is not free.

Der moralische Zeigefinger ist unangebracht

Wie unterschiedlich sind die koreanischen und österreichischen Kriegserfahrungen? – Österreich oft als letztlich unterlegener imperialistischer Aggressor, Südkorea als immerhin manchmal siegreiches Opfer der regionalen Übermächte China und Japan. Daraus entspringen vielleicht ganz andere Mentalitäten.

Außerdem … was zum Teufel soll gerade ich zum Thema Krieg philosophieren. Ich schließe lieber mit dem allerschönsten Denkmal auf dem Vorplatz des War Memorials. Dieses Bild sagt eigentlich alles, was es zu sagen gibt …

Korea 208

Bis nächste Woche!

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