Winterurlaub in Korea: Packempfehlungen

Hallo aus Seoul!

Heute dreht sich alles ums Thema Gepäck: Was sind die wertvollsten und wichtigsten Gepäckstücke für einen Winter-Aufenthalt in Korea?

Ein paar meteorologische Fakten vorab: Ungefähr die Hälfte meiner bisherigen Zeit in Korea (d.h. in Seoul) lag die TagesHÖCHSTtemperatur unter Null. Aktuell zeigt sich erstmals der Frühling und es hat bis zu 16 Grad plus untertags, aber selbst jetzt rutscht das Thermometer des Nächtens teils ins Minus. Und von den winterlichen Kältewellen, in denen sich die Temperaturen während des ganzen Tages zwischen zehn und zwanzig Grad MINUS bewegen, fange ich erst gar nicht an zu erzählen. Da käme ja dann überhaupt niemand mehr.

Kurz zusammengefasst: Der Winter hier ist kalt. Und zwar so richtig! Mit viel Wind und schmerzhaftem Temperaturabfall während der Nacht.

 

Was machen die Koreaner?

Wie rüsten sich die Koreaner für solch ein Klima? Mit dünnen ADIDAS-Turnschuhen, knöchelfreien Socken, kurz geschnittenen Hosen (die besonders furchtlosen Damen auch gern im Minirock) und reichlich Iced Coffee. Vermutlich ist der Iced Coffee immer noch wärmer als die eisige Brise, welche reihenweise die Finger kraft- und gefühllos werden lässt. Besonders wichtig ist auch, dass die Designerfrisur nicht durch eine schnöde Mütze kaputtgemacht und die frisch lackierten Fingernägel nicht durch Handschuhe unsichtbar gemacht werden.

Zugegeben, das soeben beschriebene trifft nur auf die modebewussten Jungschönreichen zu, aber ich habe mir manchmal ungläubig die Augen gerieben, wenn zwischen Eissturm und gelegentlichen Schneeflocken solche Modeltypen herumstolzieren.

Die pragmatische Mehrheit der Koreaner geht aber nur mit Moonboots und Daunenjacke aus dem Haus. Der „Normalo-Winterchic“ ist eine ultradicke Daunenjacke, die von Hals bis Knöchel reicht. Das sieht bei besonders kleinen und dünnen Menschen zwar ein bisschen lustig aus, weil die Jacke allein mehr Volumen hat, als der hineingesteckte Mensch, aber lieber lustige Optik, als drei Tage Bettruhe wegen Fieber.

 

Was war meine Strategie vor Abflug?

Groß eingekauft habe ich vor meinem Aufbruch nicht. Zwei lange Unterhosen und ein neuer Outdoor-Winterpulli waren alles an Neuerwerbungen. Während der ersten paar Tage war das eigentlich auch genug, doch da war es noch vergleichsweise mild. Dann kam die erste Kältewelle. Und die erste Fieberblase. Und eine richtig heftige Erkältung mit Fieber. Und noch eine Fieberblase. Und ein paar Einsichten.

 

Was sind meine Empfehlungen?

  • Pullover, die den Rumpfbereich nicht vakuumverpacken sind in Korea sinnlos. Westen oder Pullover mit Knöpfen, ohne Kragen oder mit losem Kragen oder mit flatternden Ärmeln sind – und man kann es nicht genug betonen – SINNLOS.
  • Die in Deutschland und Österreich aktuell üblichen hauchzarten Hipster-Hoodies sind SINNLOS. Es braucht eine richtig dicke Haube.
  • Die momentan angesagten Outdoor-Winterjacken von Jackgonia Northskin und Konsorten sind … nicht völlig sinnlos, aber beinahe.
  • Ein paar lange Unterhosen sind essentiell. Funktionsmaterial (Merino!) ermöglicht dabei mehrmaliges Anziehen.
  • Ein paar Paar dicke Socken sind essentiell, sogar für Menschen mit kaltblütigen Füßen.
  • Nimm Pullover mit, die man übereinandertragen kann, ohne dass es dann beim Ausziehen eine Qual wird. In Spitzenzeiten bin ich hier mit einem dicken Fleecepulli über einem dünnen eng anliegenden Strickpulli herumgeflitzt.
  • Nimm dicke Winterschuhe und dicke Handschuhe mit.
  • Falls du es gut aushältst, besorge dir nach der Ankunft einen Mundschutz gegen die Kälte (oder auch einen gegen Yellow-Dust, wenn die Luft gerade schlecht sein sollte). Diese Dinger sind leider für Brillenträger nicht ideal, weil die warme Atemluft beim Ausatmen auf die Brillengläser abgeleitet wird. Aber manche schwören drauf.

Reicht nicht einfach ein Schal?

Ich bin grundsätzlich kein Fan von Schals, aber es kann in Korea natürlich ein sehr nützliches Kleidungsstück sein. Doch gibt es ein Problem mit den Schals: Sie nutzen nicht viel, wenn man sich drinnen aufhält und dennoch fröstelt. Hier nutzt nur ein Zwiebelschalen-Aufzug, damit man für schweißtreibende Heizstrahler ebenso gerüstet ist, wie für diejenigen Lokale mit schönen Eisblumen in der Auslage.

 

Die unterschätzte Indoor-Kälte

Ich habe anfangs von Fieberblasen und Erkältungen gesprochen. Der Auslöser dafür war weniger die Kälte draußen, als die Kälte drinnen. Undichte Fenster, ewige Zugluft, schlecht beheizte Räume in Wohnungen, Straßenlokale mit jämmerlichen elektrischen Heizkörpern. Beim Mittagessen die Jacke ausziehen zu können, ist schon ein großes Glück. Irgendwo zu sitzen, wo nicht ein Windhauch ins Gesicht strömt, ist auch ein großes Glück. Mein Makler ist im Winter oft mit Mantel in seinem Geschäftslokal gesessen.

Hier hilft ein Schal nur noch in homöopathischen Dosen, einzig Ganzkörperisolierung hilft wirklich. Ich somit ein mir einst eher verhasstes Kleidungsstück lieben gelernt: den Rollkragenpullover.

Die ultimative Korea-Winter-Kombo ist somit: dicker Rollkragenpulli mit gutem Wintermantel oder Daunenjacke und gute Jeanshose über langer Woll-Unterhose. Wenn vorhanden, darf’s auch eine Skihose sein.

Leider ist so ein dicker Wollpullover wiederum nicht ideal, wenn man ordentlich zu Fuß unterwegs sein will. Mit all den Hügeln in Seoul kommt man dabei eventuell ins Schwitzen. Nobody’s perfect.

 

Weitere Empfehlungen

  • Gute Fieberblasencreme
  • Gute Kosmetikprodukte (Hautcreme! Lippenbalsam!)
  • Fön, wenn nicht im Hotel vorhanden
  • Eventuell Wärmekissen für die Jackentaschen
  • Eventuell batteriegewärmte Kleidungsstücke (Handschuhe, Unterwäsche usw.).
  • Erkältungstee (in Korea ist Kräutertee leider nicht sehr verbreitet, man bekommt maximal Kamille, Pfefferminz oder Ginseng).

Was man eher nicht braucht sind Regenschirm und Kapuze (sehr wenig Niederschlag).

 

Spezialthema Schuhe

Ich hatte für den Winter Wanderschuhe und Stiefeletten dabei. Erstere haben sich sehr gut bewährt, letztere waren für die exremste Kälte ungeeignet. Doch diese Medaille hat eine Kehrseite: wenn man ein bisschen ins authentische koreanische Leben eintauchen möchte, muss man recht oft die Schuhe ausziehen: in manchen Restaurants, in traditionellen Häusern, natürlich in Privatwohnungen. Hier sorgt man mit hohen, sorgfältig zugeschnürten Wanderschuhen eher für mitleidige Blicke, denn die Koreaner haben ihre schicken Stiefel oder ausgelatschten Turnpatschen im Nu ausgezogen. Wenn man sich als Europäer dann daneben in unglücklicher Pose mit komplizierten Schuhbändern herumplagt, hält man einfach sinnlos den Betrieb auf.

Die gute Nachricht ist freilich, dass auch die härtesten Goiserer nur halb zugeschnürt funktionieren und dann kann man ganz gut rein und raus schlüpfen, ohne den Gordischen Knoten lösen zu müssen. Zwar wärmen sie dann nur noch halb so gut, aber man muss eben Prioritäten setzen.

Das war’s für heute. Bis nächste Woche.

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