Umzug nach Korea: Ein lohnender Teufelskreis (Achtung Satire!)

Grüße aus Seoul! Unglaublich aber wahr: ich lebe mit heute bereits einhundert Tage in Seoul. Zeit für einen leicht satirischen Rückblick. Meine Top5-Paradoxe:

1. Ohne Wohnung (bzw. Mietvertrag) geht gar nichts.

Es stellt sich die Frage, ob beispielsweise eine Langzeitbuchung im Hotel oder bei AirBNB schon als „Mietvertrag“ ausreicht. Vor allem wenn diese nur auf Englisch verfasst ist. Das konnte ich bisher nicht in Erfahrung bringen.

In jedem Fall muss die Behörde von jeder Adressänderung sofort in Kenntnis gesetzt, die Alien Registration Card (auf der die Adresse vermerkt ist) neu ausgestellt und somit der ganze bürokratische Weg mit Wartezeiten und Bearbeitungsgebühren wiederholt werden. Ich wollte so rasch wie möglich eine passable fixe Wohnung haben und diese Vorgehensweise würde ich auch nach meinen bisherigen Erfahrungen empfehlen.

Wohnung finden ist kompliziert

Wie ich bereits in einem anderen Artikel beschrieben habe, tut man sich ohne Koreanischkenntnisse etwas schwer mit dem Wohnung suchen. Es sei denn, man kann reichlich Geld in die Hand nehmen und sich ein schönes Apartment um über 1 Mio. Won Mietkosten pro Monat (oder mehr) leisten. In diesem Fall wird es tendenziell einfacher auf Englisch. Aber nur in diesem Fall und nur tendenziell.

Vorgefertigte „Wohnpakete“ in Guesthouses, Young Professionals‘ Apartments, Goshiwons etc. sind relativ einfach zu bekommen, aber entweder verhältnismäßig teuer und/oder nicht komfortabel. Und für WGs muss man auch gemacht sein – das kann nicht jeder.

Nun zu einem kleinen Detail beim Thema Wohnen, das noch komplizierter ist:

2. Die Wohnung bezahlen

Die Wohnung ist gefunden! Mein schmuckes Studio habe ich bereits vor ein paar Wochen hier vorgestellt. Juhu! Vernünftiger Preis noch dazu! Leider saftige Kaution (für einen Oneroom normalerweise 10 Mio. Won, ca. 8.000 Euro), aber geht schon irgendwie. Man bekommt’s ja zurück … hoffentlich.

Es gibt nur ein Problem: Das Geld ist in Österreich (oder sonstwo außerhalb Koreas) und zumindest meine Bank braucht für eine Überweisung Österreich-Korea bis zu zwei Wochen. Was macht man nun? Auf die Wohnung und die Alien Registration Card (ARC) noch länger warten? Das Geld bei Kolleginnen und Kollegen zusammenkratzen?

Das koreanische Konto gibt es leider erst mit ARC. Handyvertrag gibt es leider erst mit ARC. Ausreise mit Wiederkehr gibt es erst mit ARC – das Visum ist nur für „Entry“. Internet gibt es (theoretisch) erst mit ARC. ARC gibt es aber erst mit Mietvertrag.

Man muss festhalten, dass jeder Neuankömmling gut daran tut, diese Karte so rasch wie möglich zu erhalten. Konsequenz daraus ist, dass entweder der Arbeitgeber die Wohnangelegenheiten schon vor Dienstantritt klären oder – wenn derselbe nicht dazu bereit ist – in irgendeiner Form entsprechendes Geld verfügbar sein sollte.

Akuter Stress ist bei diesem Prozess allerdings nicht angebracht. Man hat per Gesetz bis zu 90 Tage Zeit, um diese Angelegenheit zu erledigen und das ist mehr als genug. Ich bewundere aber jeden, der die Engelsgeduld für ein entspanntes Vorgehen mitbringt.  Meine Geduld ist nicht die beste, weshalb ich alles so schnell wie möglich erledigt haben wollte.

Wie kann es funktionieren?

Ich hatte glücklicherweise Kontakte in Korea, die diese Zahlungen sofort erledigt haben und mir so das Warten auf die Überweisung erspart.

Achtung: Kaution, Maklergebühr und erste Miete ist am Tag der Unterschrift des Mietvertrags fällig. Zu diesem Zeitpunkt hast du definitiv kein Konto in Korea – Bezahlung mit Kreditkarte war in meinem Fall nicht möglich.

Nochmal Achtung: Es könnte sein, dass du auch beim Termin der zweiten Monatsmiete noch kein eigenes Konto oder noch ein leeres Konto in Korea hast. In meinem Fall hat die zweite Monatsmiete eine sehr nette Arbeitskollegin übernommen und ich habe ihr dann das Geld in bar zurückgezahlt.

3. Fingerabdrücke: Scanne zweimal, speichere einmal

Bei der Ankunft am Flughafen Seoul werden die Fingerabdrücke gescannt – wenn ich mich richtig erinnere, nur Daumen und Zeigefinger. Man drückt dafür die jeweiligen Finger beider Hände auf einen Scanner und in drei Sekunden ist alles erledigt.

Für die Alien Registration Card braucht die Behörde neuerlich die Fingerabdrücke. Diesmal alle Finger von allen Händen :-). Man drückt dafür zunächst die Daumen und danach die anderen vier Finger zusammen auf einen Scanner und in drei Sekunden ist alles erledigt.

Warum man das nicht alles gleich beim Flughafen erledigen kann ist mir schleierhaft. Vielleicht will man am Flughafen Speicherplatz sparen, sind die beiden Computersysteme nicht kompatibel, gibt es keinen klaren Informationsaustausch zwischen den beiden Abteilungen des Justizministeriums oder sind die Datenschützer unterwegs.

Dass ich alleine wegen dieser Fingerabdrücke persönlich beim Immigration Office erscheinen musste, nachdem zuvor mein Arbeitgeber problemlos den ARC-Antrag einbringen konnte, war etwas ärgerlich.

4. Die Krux mit den Originaldokumenten

In Österreich bekommt man beim Studienabschluss ein Universitätsdiplom (bzw. jetzt wahrscheinlich BA oder MA-Zeugnis). Dieses eine Original kann nicht dupliziert werden. Ein Duplikat wird nur ausgestellt, wenn das Original verlustig geht und eine Verlustanzeige bei der Polizei erstattet wurde.

Eine Apostille für das Universitätsdiplom kommt dementsprechend auf das Originaldokument und macht dieses für viele Länder der Welt brauchbar (man erspart sich eine notarielle Beglaubigung).

In Südkorea ist man offenbar der Meinung, dass für eine Apostille automatisch ein Duplikat ausgestellt wird und die Apostille dann dem Duplikat beigefügt wird. Mit diesem Irrtum konfrontiert zeigten sich die koreanischen Behörden immer noch völlig unbeeindruckt und wollten meine Originaldokumente partout nicht retournieren.

Sie haben es dann nach etwas gut Zureden doch getan. Falls aber in Zukunft generell Originaldokumente für die Dauer des Aufenthalts einbehalten werden, wäre das meiner Meinung nach ein entscheidender Grund, nicht nach Südkorea zu übersiedeln. Für mich ist das eine rote Linie, die ich nicht zu überschreiten bereit bin. Meine Originaldokumente habe ich schon mit Bauchweh per Post von Österreich nach Korea geschickt, aber sie dauerhaft herzugeben … nein, danke.

5. Wo is‘ mei Konnäktschn?

Man muss mit der Außenwelt in Verbindung sein: durch Handy, durch Internet, durch Bankkonto. Alles offiziell nur mit Alien Registration Card zu bekommen. Offiziell. Internet geht auch so. Zumindest wenn’s der Makler für einen macht. Ich habe genau null verstanden, was er mit dem Techniker diskutiert hat, aber er sagte mir am Ende „One Year, Eight Thousand“. Zu Deutsch: Ein Jahr Laufzeit, achttausend Won pro Monat. Ein paar Wochen später kommt die erste Rechnung. Darauf steht: Laufzeit 2018-2021, Betrag 14.000 Won.

Ich überlege einen Beschwerdebesuch im Maklerbüro, aber lasse es dann sein. Die drei Jahre Laufzeit werden wohl nicht unkündbar sein und die 14.000 (ca. 11 Euro) sind für das (passable) Internet wirklich nicht der Rede wert.

Vienna Calling?

Sprung zum Handy. Ich war der Auffassung, dass sich meine Prepaid-SIM nach Erhalt der ARC in einen normalen Vertrag mit gleicher Rufnummer umwandeln lässt. Das Link Korea Büro in Hongdae belehrt mich eines besseren und meint, ich kann mit ARC nur die Prepaid-SIM-Karte unlimitiert verlängern – müsste also weiterhin alle 30 Tage ins Büro stapfen und jeweils im Voraus bezahlen. Seltsamer Deal!

Also ging ich ohne Verlängerung in den nächsten Handyshop. Es war einer von KT/Olleh, Mutterkonzern von Link Korea. Dort teilte mir der Mensch mit, er könne meine Daten nicht aufrufen, weil die Datei von Link Korea blockiert sei. Ich solle zuerst bei Link Korea (wohlgemerkt: der eigenen Tochterfirma) kündigen und dann wiederkommen.

Also ging ich ohne Verlängerung wiederum in den nächsten Handyshop. Diesmal SKT. Und dort war alles gut. Die Beraterin und ich haben unser Englisch nicht perfekt verstanden, aber ich habe auf dem koreanischen Prospekt einfach den mittelteuren Tarif mit 6,5 GB Internet genommen. Das kostete etwa genauso viel wie meine Prepaid-SIM. Wiederum mit unlimitierten Gesprächsminuten und SMS.

Und so war diese Angelegenheit innerhalb einiger Stunden geklärt. Tröööt! Falsche Antwort! Statt des vereinbarten Tarifs wurde mir bei der ersten Abrechnung ein viel niedrigerer Betrag abgebucht. Immerhin besser, als zu viel, jedoch scheine ich doch ein Handypaket zu haben, dass ich mir nicht ausgesucht habe. Wir werden sehen, ob daraus noch eine eigene Geschichte wird.

Das Bankkonto war bereits einen eigenen Beitrag wert.

Satirisch zusammengefasst:

  1. Für die Beantragung der Alien Registration Card (ARC) benötigt man feste Adresse und Mietvertrag.
  2. Wenn man eine Wohnung findet, kann man sie nicht bezahlen, weil man ohne Alien Registration kein Bankkonto eröffnen kann.
  3. Auch die zweite Monatsmiete plus diverse Rechnungen kann man nicht ordentlich bezahlen, weil man wegen diverser Wartefristen immer noch keine ARC hat.
  4. Während offizielle Regierungswebsites darauf hindeuten, dass NACH Beantragung der ARC ein Medizinischer Check durchgeführt werden muss, lehnt das Immigration Office die Antragsstellung ab, weil noch kein Medizinischer Check durchgeführt wurde.Die Beantragung der ARC kann dafür durch den Arbeitgeber erfolgen. Bei der Antragsstellung wird der Arbeitgeber informiert, dass der Antragsteller (also ich) dennoch persönlich erscheinen muss, um Fingerabdrücke zu scannen.
  5. Einen Internetzugang kann man sich mit dem Reisepass einrichten lassen, ein Handyvertrag geht allerdings nur mit Alien Registration Card.
  6. Mit ARC darf man einen Handyvertrag nach seinen Wünschen einrichten. Man bekommt aber (zumindest preislich) ein ganz anderes Paket.

Beste Grüße aus Seoul.

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