ÖffiSeoul: Dorfbusse (Maeulbus)

Der Maeulbus und ich – eine Hassliebe …

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Klaustroautistische Hemmungen

Wer meine Erzählungen von klaustrophobischen U-Bahn-Erlebnissen zu Neujahr noch im Kopf hat, stellt sich nun einfach diese Situation in einem winzigen Bus vor, dessen Dach maximal 1,80 Meter über dem Boden ist. Wen jucken nach einer Fahrt mit einem überfüllten Maeulbus (vorzugsweise Yongsan 02) noch Legebatterien? Ich bin jetzt wirklich kein passionierter Hendlfolterer, aber wenn man das aktuelle Wagenmaterial des Yongsan 02 gegen höhere und besser gefederte Modelle auswechselte, unterschrieb ich sogar für eine Wiedereinführung der Legebatterie. Besser die Hendln, als ich, sozusagen. Solange Menschen so transportiert und gehalten werden, warum nicht auch Vögel.

Wenn ich mal wieder den Zweier brauche (2-3 Mal pro Woche) dann gehe ich schon in Gebetshaltung (weiche Knie, gesenktes Haupt) zur Stationen und muss dann im Bus noch mehr in die Knie gehen. Das entschärft dann die vertikalen Gefahren, die horizontalen Gefahren (Fliehkräfte) bleiben bestehen. Winkelige Gassen, steile Passagen, schlechte Federung und Fahrer unter Zeitdruck sind eine außerst schlechte Kombination. Bis jetzt habe ich immer überlebt. Stets verkrampft und ermattet, aber in einem Stück.

Mit Sitzplatz ein Genuss

Ganz anders stellt sich die Sache dar, wenn man einen der kostbaren Sitzplätze ergattert. Im weich gepolsterten Plastiküberzug sitzt es sich sehr angenehm und da der Bus so klein ist, hat man eine schöne Aussicht in alle Richtungen.

Unter diesen Umständen sind die Maeulbusse sogar meine Favoriten. Sie fahren durch winkelige Gässchen und düstere Nachbarschaften, die oft sehr interessant sind und kosten dabei etwas weniger, als die normalen Busse (900 Won mit T-Money Card). Es ist eine schöne, altmodische Busfahrt während derer sich eine Fahrt in einem modernenen, dahinschleichenden Wiener ULF-Bus (ULF = ultra low floor) fast wie ein futuristischer Traum anfühlt. Der Yongsan 02 wirkt aus der Zeit gerissen, wie eine Postkutsche im Wilden Westen. Damals, als Männer noch Männer und Frauen noch Frauen waren. Oder so. Rauchende Colts habe ich noch keine gesehen, aber das kommt vielleicht noch. Bis dahin pfeif ich nochmal die Titelmelodie von „Die rechte und die linke Hand des Teufels“.

… he’s the guy who’s the talk of the town,

with the restless gun ….

Haltestellen

Wenn man kein Auge dafür hat, sind Maeulbus-Haltestellen fast nicht zu erkennen. Manchmal gibt es tatsächlich keinen Hinweis (außer wartende Menschen). In so einem Fall ist wahrscheinlich ein alter Haltestellenanschlag irgendwann heruntergefallen und wurde nie repariert. Grundsätzlich kann man sich an solchen Tafeln orientieren:

Die können etwas versteckt sein, zum Beispiel formlos an eine Hauswand angeschraubt.

Maeulbusse fahren manchmal parallel zu Stadtbuslinien. In diesem Fall fahren sie oft nicht die normalen Bushaltestellen an, sondern eigene Dorfbushaltestellen.

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