Jeju – Teil 1: Koreas Inselparadies

Um ganz mathematisch zu bleiben: Jeju = Korea + Thailand + Schottland. Korea, weil, na ja, Korea halt, Thailand wegen Touristenmassen, aber auch schönen Palmen und idyllischen Reisfeldern, Schottland wegen der Wiesen und Felsen. Ich habe mich von der Begeisterung anstecken lassen und vier grandiose Tage dort verbracht. Teil 1 der Fortsetzungsgeschichte.

Tag minus 2: Aller Anfang ist schwer

Mein ursprünglicher Urlaubsplan umfasste einen Städtetrip nach Japan (Osaka & Kyoto). Doch erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Zunächst war es mir zu teuer, dann war ich mir nicht sicher, ob ich nach vier Monaten Seoul eine neue Millionenmetropole aushalte und nicht etwas Beschauliches besser wäre, entschied mich dann doch für Japan, verlor aber meine Kreditkarte, konnte wegen eines langen Wochenendes mehrere Tage lang keine Flugtickets erwerben und als ich wieder konnte, war es mir endgültig zu teuer. So stand ich nun am 05.05.2018, dem koreanischen Kindertag und dem ersten Tag meines einwöchigen Urlaubs da und hatte keinen Plan. Der einstündige Flug nach Osaka hätte sogar bei der Billigfluglinie T´way mittlerweile rund 130 Euro gekosten, was mir etwas zu viel war. Aus akuter Einfallslosigkeit recherchierte ich Preise nach Jeju und war verblüfft. Zwei Tage vor Abflug ergatterte ich bei Jeju Air ein Hin- und Rückflugticket für 55.600 KRW. Das sind 44 Euro. Booked!

Zur Information: Jeju bzw. offiziell Jejudo ist ein Ort der Superlativen: wärmster Ort, höchster Berg, größte Insel, schönster Platz und schwierigster Dialekt Koreas. Es ist eine inaktive Vulkaninsel, die landschaftlich vom höchsten Berg Koreas, dem Hallasan (1.950 m), dominiert wird. Dazu hat die Region ihre eigene indigene Pferderasse und eine indigene Rinderrasse. In Spurenelementen exisitiert auch noch eine indigene Sprache, Jejueo.

Tag 1: Billigflugzeuge, Expressbusse und Meeresbrise

Aufgrund der sehr spontanen Abreise bin ich schlecht auf meinen Aufenthalt auf Jeju vorbereitet. Im Internet habe ich einen Buslinienplan und einige Wanderinformationen gefunden. In die Tiefe kann ich dabei nicht gehen, doch haben sich grobe Rahmenbedingungen herauskristallisiert: Erstens gibt es keine interessanten Aktivitäten in der Hauptstadt Jeju City (an der Nordküste), jedoch sehr schöne Landschaftsbeschreibungen und -aufnahmen von der Südküste. Zweitens fasziniert mich der Ilchulbong, ein imposanter Vulkankegel (und UNESCO-Weltkulturerbe) bei der östlichen Stadt Seongsan.

Jeju Mai 105

Der Ilchulbong

Auch eine Besteigung des Hallasan kommt auf meine Liste, jedoch nur als Ersatzaktivität. Meine Wanderlust zieht mich eindeutig an die Küste, und dort gibt es mit dem Olle-Weitwanderweg, auf dem man Jeju zu Fuß umrunden kann, eine hervorragende Möglichkeit. Dazu in Teil 2 der Fortsetzungsgeschichte noch mehr. Zuerst geht’s zum und ins Flugzeug.

Im Screamliner

Inlandsflüge heben in Seoul üblicher Weise vom Zweitflughafen Gimpo International Aiport ab. Dieser ist äußerst bequem zu erreichen (nähere Informationen im älteren Beitrag Auf zum Flughafen). Über den Flughafen selbst gibt es nichts Interessantes zu berichten. Er sieht wie ein Flughafen aus. Punkt. Die Abflugtafel lässt immerhin vermuten, warum Flüge nach Jeju so billig sind:

Jeju Mai 003

Flughafen Gimpo: Alle Wege führen nach Jeju.

Der Wohlfühlfaktor im Kurzstreckenklassiker Boeing 737-800NG der Jeju Air erinnert an einen Vielflieger-Kalauer über aktuelle Entwicklungen im Sitzkomfort. Nach diesem Kalauer bekam der einst gehypte Superduperüberdrüberjet Boeing 787 „Dreamliner“ aufgrund seiner äußerst engen Bestuhlung den Spitznamen „Screamliner“ verpasst. Meine 737 hat diesen Fehdehandschuh offenbar angenommen und ist mit ultrakurzen 29 Zoll Beinfreiheit nachgezogen. Das drückt sogar bei einer mageren Stunde Flugzeit auf die Knie. Ich wundere mich, dass man bis auf einen Schluck Wasser, ein Klo und einen Sitzplatz alle Flug-Annehmlichkeiten wegrationalisieren kann, aber der Packen Zeitschriften in der Vordersitztasche immer dicker wird und die Beinfreiheit künstlich noch weiter reduziert (bei mir landet dieser Packen bereits routinemäßig im Kofferfach). Sogar im Linienbus auf Jeju sollte ich mehr Beinfreiheit haben.

Vom Flugzeug zur Touristeninformation

Nachdem die Knieschmerzen großteils abgeklungen sind, stürme ich am Internationalen Flughafen von Jejudo die Touristeninformation. Ich erhalte nützliche Landkarten und Informationsmaterial zu Linienbussen (sofern eine formlose schwarz-weiß Kopie schon als Informationsmaterial durchgeht). Neben dem Informationsschalter steht eine beeindruckend große Prospektwand, wo man für wirklich JEDEN die passende Aktivität finden kann. Einige Beispiele:

  • Labyrinthe (Jeju Maze Land)
  • Kamelreiten (natürlich auch Pferdereiten)
  • ein Steinpark
  • Automobilmuseum
  • Aerospacemuseum
  • Friedensmuseum
  • verschiedene Themen- und Freizeitparks
  • eine Hello Kitty Insel
  • Schießstände
  • Freiluftmuseen (Folk Villages)
  • ein imposantes Fußballstadion von der WM 2002
  • viele Oreums, das sind große und kleine Hügel vulkanischen Ursprungs

Freilich gibt es auch reichlich Möglichkeiten für klassischen Wander- und/oder Strandurlaub. Jeju ist eine Art Natur-Disneyland. Die Positiva: man kann den Touristenmassen sehr einfach aus dem Weg gehen und während des Aufenthalts auf ein sehr gutes Busnetz zurückgreifen (mit englischsprachigen Stationsdurchsagen).

Auf in den Süden

Durch die Businformation der Touristeninformation und einem Abklappern der (vielen) Busstationen am Flughafen, identifiziere ich erfolgreich die beiden Expressbusse 101/102 nach Süden (Seogwipo) und 111/112 nach Osten (Seongsan). Die roten Expressbusse fahren in unregelmäßigen Intervallen (30-120 Minuten) vom Flughafen direkt zu verschiedenen Zentren in anderen Teilen der Insel. Wenn man Dorfhopping machen möchte, eignen sich die billigeren und fast genauso schnellen blauen Regionalbusse viel besser. Die blauen Busse fahren aber wiederum den Flughafen nicht an.

Bus Nummer 101 kommt als erstes und ich mache mich somit auf nach Seogwipo. Die Fahrt kann ich mit meiner Seouler T-Money-Card (die in allen Bussen auf Jeju gilt) bezahlen und eine gute Stunde später stehe ich an einem zentralen Kreisverkehr in Seogwipo. Sofort beim Aussteigen steigt mir der typische Meeresgeruch in die Nase und zaubert mir ein zufriedenes Lächeln ins Gesicht. Mithilfe meines Orientierungsgenies finde ich rasch zum Strand. Merke: Willst du auf einer Insel zum Meer, geh am besten bergab. Irgendwann finde ich dann Sand, Boote, Zitrusfrüchte und junge Hunde. Ich war am Ziel.

Teil 2 folgt nächste Woche. Beste Grüße aus Seoul!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s