Stadtwandern: Inwangsan (September-Update)

Hallo aus Seoul! Heute wieder mit einer Grätzeltour mit Museum und Bergpanorama. Edit 24.09.2018 – Überarbeiteter Text und neue Fotos!

Die Vorgeschichte

Im Frühjahr stand ich einmal an der Busstation „Namsan Library“ und wartete auf meinen 402er. Es zog sich etwas. Offenbar stand der Bus irgendwo im Stau. Unverhofft sprach mich ein Mann an, stellte mir die üblichen Kennenlernfragen und macht mir ein etwas seltsames Kompliment (mehr dazu im Artikel „Komplimente über Komplimente„). Nach ein paar Minuten folgte dann das unausweichliche „Wie gefällt Ihnen Seoul?“ Ich sprach meine ehrliche Wertschätzung aus, drehte aber dann den Spieß um: „Und was gefällt Ihnen am besten in Seoul?“. Nach etwas Überlegen kam seine Antwort: „Inwangsan!“. Als ich zustimmte und ihm erzählte schon dreimal auf diesem Berg gewesen zu sein, wurde ich für diesen Koreaner zum Held des Tages.

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Blick auf den Inwangsan

Welches Stadtviertel bringt zwei Menschen völlig verschiedener Hintergründe so auf einen Nenner? Sehen wir es uns an:

Grätzeltour: Seodaemun

Seodaemun und Ingwangsan sind Teil des Hanyangdoseong-Wanderwegs entlang der historischen Stadtmauer. Dazu habe ich bereits den Artikel In Seoul um Seoul herum geschrieben.

Wer an koreanischer Geschichte interessiert ist, kommt am „Seodaemun Prison History Museum“ nicht vorbei. Es handelt sich um ein aufgelassenes Gefängnis, das während der japanischen Besatzungszeit (1905-1945) berüchtigt war und nun als Museum und Mahnmahl dient. Man bekommt viele Informationen über das Schicksal der Unabhängigkeitskämpfer dieser Zeit und einen intensiven Einblick in den Gefängnisalltag samt detaillierter Nachstellung diverser japanischer Foltermethoden. Leider sind nur rund ein Viertel aller Informationen auf Englisch verfügbar, aber der Besuch lohnt sich meiner Meinung nach trotzdem.

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Blick auf das Museumsgelände (Ziegelbauten in der Mitte)

Da sich auf dem Gefängnis auch ein Frauentrakt befand, ist dem Schicksal der Unabhängigkeitskämpferinnen eine zusätzliche Ausstellung gewidmet.

Weitere Informationen zum Museum gibt es bei Visitkorea (Englisch).

Was mir am umliegenden Stadtviertel Seodaemun gefällt, ist die wilde Mischung aus authentischem Alltag (Yeongcheong-Markt, alte und neue Wohnsilos), geschichtsträchtiger Orte (Independence Park, Gefängnismuseum) und felsigen Berghängen im Hintergrund. Alles zusammen sieht dann so aus:

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Stadtpanorama vom Independence Park

Auf den Inwangsan

Der Aufstieg beginnt in der Hauptstraße entlang des Prison History Museums. Zuerst geht es durch Wohnsilos, dann durch authentischere Straßen und irgendwann dann raus aus dem Beton. Zunächst durch einen Park und dann auf einem Wanderweg. Es ist durchgehend recht steil, am Ende sogar sehr steil. Ich lasse die Bilder sprechen.

Sommer

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Winter

Nach dem Aufstieg aus Richtung Seodaemun (Donnimun Station, Linie 3) kann man auf der anderen Seite des Berges weiter der Stadtmauer entlang gehen und kommt so zum recht charmanten Stadtteil Buam-dong. Wenn man noch Lust und Laune hat, kann man dort gleich mit dem Baegaksan den nächsten Berg in Angriff nehmen (mehr dazu in meinem Artikel Hanyangdoseong). Wer genug vom Wandern hat, kehrt am besten im nahegelegenen Café Stammtisch ein. Eines der wenigen Seouler Kaffeehäusern, die vom Ambiente als Wiener Kaffeehaus durchgehen könnten. Alle Infos auf Instagram.

Für den gesamten Weg (Seodaemun – Inwangsan – Buam-dong) braucht es bei flottem Gehen und ohne Pause rund eine Stunde. Es ist aber recht steil und anstrengend.

Fazit

Der Inwangsan ist mein Lieblingsberg (Lieblingshügel). Es sind vergleichsweise wenig Menschen dort, weil der Anstieg phasenweise anspruchsvoll ist, aber das Herumkraxeln auf blankem Fels und der schöne Ausblick sind genau nach meinem Geschmack. Sogar eine Feinstaubglocke kann das Vergnügen nicht mildern. Der Aufstieg macht einfach Spaß und ist gerade fordernd genug. Man kann zu jeder Tages- und Nachtzeit hinauf – einzig montags ist der Zutritt gesperrt.

Das war’s für heute. Beste Grüße aus Seoul.

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