Jeju – Teil 3: Wanderlust

Endlich geht es in die freie Natur: auf dem Olle-Weitwanderweg.

Tag 1 – Seogwipo: Etappe 6

Da Abschnitt 6 komplett auf dem Stadtgebiet von Seogwipo liegt, gibt es viele Möglichkeiten zu Abbruch und Heimfahrt. Ein Vorteil, wenn man erst am Spätnachmittag loslegt. Abschnitt 6 ist nur 11,6 km lang und einer der wenigen Wege aus der einfachsten Schwierigkeitsstufe. Ein Drittel ist sogar rollstuhltauglich. Trotzdem ist der Weg fantastisch, denn man geht eigentlich die ganze Zeit der Küste entlang und kann auch eines der vielen Oreums besteigen. Oreums sind kleine Hügel/Berge vulkanischen Ursprungs und sehr typisch für die Landschaft auf Jeju. Darüber hinaus liegen entlang des Weges mehrere Imbisstände, Convenience Stores und Restaurants.

Ich breche aus Seogwipo auf und muss nach etwa drei Viertel des Weges (Jejigi-Oreum) wegen Dunkelheit abbrechen. Ich bereite mich mental darauf vor, zu Fuß nach Hause zurück zu marschieren (den kürzeren Weg über die Hauptstraße), finde jedoch unterwegs ein Taxi und lasse mich gemütlich ins Guesthouse zurück kutschieren. Die 10 Minuten Fahrt kosten knapp 4.000 Won (drei Euro).

Die Fotos

In Bruce-Springsteen-Land

Besonders in Erinnerung wird mir die Einkehr bei einem Imbissstand bleiben, den ich nach etwa eineinhalb Stunden Gehen entdeckte. Es war einer dieser für Korea typischen Eomuk/Tokbokki-Stände (Fisch- und Reisküchlein). Als ich gerade so dahinaß fuhr ein 08/15 Kia-Pickup vor. Aus diesem Standardauto schälte sich ein junges Pärchen, das man in den USA wohl als Trailer Trash beschrieben hätte. Auf Deutsch kann man einfach Prolos oder Hackler sagen. Sie machten den Eindruck, als wäre der Besuch eines Billigimbisses direkt am Meer etwas Besonderes und verschlangen mit großem Appetit ein paar Eomuk. Vermutlich hat das Börserl nicht mehr hergegeben. Richtig zufrieden haben sie nicht ausgesehen, aber sie haben ihr Kreuz mit Fassung getragen. Desillusionsiert aber wacker. Sie schienen ein Abziehbild der ewigen Geschichte von den Helden der Schulzeit, die es nach dem Abschluss nie aus dem Heimatkaff hinausschafften. Das Rückrat jedes Landes. Ein wandelnder Bruce-Springsteen-Song. Ich hätte sie gerne etwas kennengelernt, aber meine sprunghafte kosmopolitische Mittelklassigkeit hat mich flugs weitergezogen.

Am Ende fielen wir wohl alle drei zufrieden ins Bett.

Tag 2 – Seogwipo: Etappen 7 und 7-1

Im Gegensatz zu Abschnitt 6 am Vorabend, kann ich diesen Abschnitt beenden. Es geht von Seogwipo 17,6 km Richtung Westen, großteils der Küste entlang, aber auch durch landwirtschaftlich genutztes Hinterland, was für eine große Abwechslung sorgt. Spannend ist eine offensichtlich kurzfristig organisierte (aber gut markierte) Routenänderung. Wozu sie gut ist, weiß ich nicht, jedoch hat sie ganz ganz gaaaaanz sicher nichts mit den zwei mächtigen koreanischen Kriegsschiffen und dem amerikanischen Atom-U-Boot im nahen Marinehafen zu tun. Auch wenn diverse pazifistische und nationalistische Proteststände im Ort etwas anderes meinen. Fake News! Der Fokus des Wanderwegs liegt aber auf wunderbarer Natur. Einen kleinen Moment habe ich auf Video festgehalten:

Weitere Fotos von Etappe 7

Olle, Abschnitt 7-1

Abschnitt 7-1 ist eine dieser Alternativrouten, die nicht der Küste entlang führen. Stattdessen führt der Weg über 15 km vom World Cup Stadium zunächst nach Norden auf den Berg Gogeun und von dort nach Südosten ins Zentrum von Seogwipo. Auf meiner Rückfahrt vom Ende des siebenten Abschnitts (ein Dorf namens Wolpyeong) entschließe ich mich noch zu einer kleinen Zugabe. Im Bus werfe ich einen Blick in den Wanderführer und sehe, dass der 7-1 Weg ungefähr auf halber Strecke die Hauptstraße kreuzt. Ich finde mit Naver Maps die richtige Busstation, schlüpfe irgendwo im Niemandsland aus dem Bus und nehme dann die Hälfte ohne Berg in Angriff. Es geht durch idyllische Reisfelder und eine schöne Parkanlage zurück in die Stadt.

Jeju Mai 077

Reisfelder am Olle 7-1

Wie bei Abschnitt 6 gibt es auch bei Nummer 7 genügend Convenience Stores und Restaurants auf dem Weg (sogar ein gutes Café). Bei 7-1 sieht die Sache etwas anders aus. Obwohl die Strecke eigentlich durch Stadtgebiet läuft, vermeidet sie gekonnt die Zivilisation. Dafür gibt es beim Startpunkt (WM-Stadion) und Endpunkt (Seogwipo Zentrum) viele Möglichkeiten.

Tag 3: Seongsan Ilchulbong

Jeju Mai 095

Der Ilchulbong liegt in der Stadt Seongsan und ist ein sehr markanter Vulkanfelsen, der am Ende einer Halbinsel liegt und scheinbar direkt aus dem Meer herausragt. Der Besuch stellt sich leider als mittelgroße Enttäuschung heraus. Erstens muss man Eintritt zahlen, zweitens bringt der Titel UNESCO-Weltkulturerbe Massen an Touristen, drittens kommt man innerhalb von nur 50 Minuten rauf und runter (sieht von unter größer aus) und viertens kann man oben gar nicht herumgehen, sondern muss mit einer Art Minitribüne vorlieb nehmen. Der Ilchulbong ist wohl der einzige Berg, den man nur von unten genießen sollte. Einige Fotos:

Zurück zum Olle-Rundwanderweg

Aus pragmatischen Gründen bastle ich mir an meinem letzten vollen Tag in Jeju aus Teilen der Olle-Etappen 1 und 2 eine persönliche Route. Ich gehe zunächst durch Seonsan und seinen Hafen, anschließend der Küste entlang zum Hügel Siksan-bong (Abschnitt 1), von dort durch Überschwemmungsgebiet in den Ort Goseong, weiter zum (größeren) Hügel Daesusan-bong und von dort zurück nach Seonsan (Abschnitt 2). Während der Wanderung kommt auch endlich mal die Sonne hervor und verpasst mir innerhalb weniger Stunden einen sichtbaren Sonnenbrand im Gesicht. Da ich grundsätzlich mit Bandana wandere, war immerhin meine Kopfhaut geschützt, aber dafür strahlte meine Stirn nun in rot-weiß Kontrast. Naja. Das passiert.

Einige Fotos

Teil 4 zu den kulinarischen Highlights folgt nächsten Mittwoch.

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