Jeju – Teil 5: Hotelgeflüster

Geschichten von, über und aus Jejus Hotels.

Tag 1

Mit dem Hotel wollte ich spontan sein. Es gibt in Seogwipo so viele Hotels und Guesthouses, dass die Wahl schwer fällt. Nachdem ich ein gutes Grätzel in Küstennähe gefunden habe, recherchiere ich mit Hilfe der bewährten booking.com App die Preise der umliegenden Hotels. Ich finde ein spottbilliges aber sehr gut bewertetes Guesthouse (Gudeok-Guesthouse bzw. Hiking Inn) und ein von außen sehr elegant aussehendes aber überraschend günstiges Boutique-Hotel (Nine Boutique Hotel). Ich entscheide mich für ersteres und bekomme für rund 25 Euro ein sehr charmantes Doppelzimmer für die Nacht. Die Bettdecke ist leider sehr eklig und die 24h-Rezeption nur ein Mythos. Matratze und Zimmerausstattung (Kosmetika, Fön, Kamm, Trinkwasser) ist andererseits schwer in Ordnung. Handtücher sind auch reichlich vorhanden, aber eben nur HANDtücher. Große Badetücher sind in Korea einfach nicht üblich.

Nach einer Wanderung muss ich leider zähneknirschend zurück zum Hotel kriechen, denn mir ist meine Türkarte abhanden gekommen. Ich habe noch zwei Orte besucht, an denen ich mich am Nachmittag aufgehalten habe, aber ohne Erfolg. Ich habe die Karte verloren. Ich rechne mit heftigem Bußgeld aber … erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Der Rezeptionist gibt mir statt einer neuen Karte einfach einen Türcode, den ich nun manuell eintippen muss. Bußgeld ist keines notwendig. Schwein gehabt! Dass der Türcode für Zimmer 305 einfach die Zimmernummer ist, lässt mich aber an der Sicherheit zweifeln. Wie bereits erwähnt, fehlte des Nächtens auch der kontrollierende Blick eines Rezeptionisten. Und die Eingangstür stand kurz vor Mitternacht noch sperrangelweit offen. Aufgrund meines minimalistischen Packstils hätte mir ein potenzieller Dieb aber nur etwas bringen können.

Tag 2

Manchmal überrascht mich mein Schlaf. Da denke ich, dass die Zeit des Langschlafens für mich vorbei ist und dann büsele ich ausgerechnet in einem Hotelzimmer elf Stunden lang dahin. Hotelfrühstück gekonnt verpasst! Dieses kann bei 25 Euro pro Nacht aber auch nicht der Rede wert gewesen sein. Am Abend davor habe ich beschlossen, noch eine Nacht dranzuhängen, jedoch erklärt mir der Rezeptionist, dass nur noch Betten im Mehrbettzimmer verfügbar seien. Trotz vieler guter Erfahrungen mit Hostels und Mehrbettzimmern lehne ich dankend ab. Diesmal steht mir der Sinn nach Einzelgängertum und es dafür gibt genug Hotelalternativen. So lauten meine zwei Unterfangen an diesem Spätvormittag: neue Unterkunft suchen und ordentlich Frühstücken. Für letzteres mache ich einen hoffnungsvollen Einkehrschwung beim Dorfstarbucks (wohlgemerkt: es gibt nur einen), muss jedoch enttäuscht von dannen ziehen. Nach cremigen Törtchen steht mein Früstückssinn absolut nicht und feste Nahrung ist nicht im Sortiment. So wird eben das Hotelsuchen vorgezogen. Das sehr große M-Stay Hotel ist mein erster Stopp. Dort wird mir allerdings recht barsch mitgeteilt, dass ich erst zur vorgeschriebenen Check-in Zeit ab vier Uhr nachmittags zu erscheinen habe. Ich ziehe weiter zur offiziellen Herberge des Olle-Wanderwegs. Diese hat ebenso wie das Godeok-Guesthouse nur noch Mehrbettzimmer zur Verfügung. Ich lehne wiederum ab. Bei meinem dritten Versuch werde ich schließlich fündig: Meine neue Heimat ist das sehr empfehlenswerte Lady Choi Hostel. Ich bekomme ein schönes, wenngleich hellhöriges, Einzelzimmer. Da ich ohnehin immer mit Ohrstöpsel reise, bringt mich das abends deutlich vernehmbare Stapfen vom Drübernachbarn nicht aus der Fassung.

Früstück gibt’s kurz darauf bei der in Korea allgegenwärtigen Bäckereikette „Paris Baguette„. Dort gibt es eine sehr interessante Kombination aus billigem Kaffee und teurem (aber gutem) Essen. Es ist eine wertvolle Quelle kostbarer Güter wie Brot, Marmelade, Salaten und ordentlichen Sandwiches. Derart gestärkt geht es wieder auf Wanderschaft.

Tag 3

Diesmal schaffe ich es zum Hotelfrühstück und bin dadurch Zeuge einer faszinierenden Interpretation des Wortes „Hotelfrühstück“. Wer dabei an Büffet, Heißgetränke und/oder Bedienung denkt, muss jetzt ganz stark sein. Im Lady Choi Hostel gibt es einen Cornflakesspender (Milch im Tetrapack daneben), eine Familienpackung Toastbrot aus dem Supermarkt (zwei Toaster daneben) und über die Gemeinschaftsküche verteilte Pappkartons mit Eiern. Immerhin sind auch Pfannen, Öl und Küchenutensilien bereitgelegt. Kaffee (auch Instantkaffee) sucht man vergebens. Dasselbe gilt für Gabeln. Habt ihr schon einmal Spiegeleier ohne Gabel gegessen? Nicht unlustig, aber auch nicht ganz einfach. Ein scheinbar sehr routinierter Gast stabelt Toastbrot und Eier gekonnt zu einem Frühstückswrap und kommt dabei ohne Besteck aus. Man muss eben aus der Not eine Tugend machen. Ich ergattere eine der beiden Pfannen und mache mir zwei Spiegeleier. Als ich die Pfanne pflichtbewusst abwaschen möchte, bittet mich eine indische Frau, die mit Kind und Kegel im Hostel nächtigt, ihr doch bitte diese Arbeit zu überlassen. Ich bin von der Rolle und tue wie erbeten. Den restlichen Morgen überlege ich, ob ich mich beim Abwaschen so dumm angestellt habe, dass sie es nicht mitansehen konnte oder ob sie das Abwaschen als reine Frauenaufgabe gesehen hat. Ihr Mann hat während des ganzen Frühstücks jedenfalls nur zum Essen seine Finger gerührt.

Tag 4

Aus irgendeinem Grund hatte ich am Vorabend das Bedürfnis, meine Unterkunft im Voraus zu reservieren. Ich entschied mich über booking.com für die Sea Dragon Pension. Mein Zimmer ist eine interessante Kreuzung aus Hotelzimmer und Ferienwohnung und hat Kochnische und Esstisch – allerdings einen niedrigen koranischen zum Aufdembodensitzen. Es ist sicherlich das beste meiner drei Zimmer auf Jeju. Meerblick, Ilchulbongblick und direkt an der „Hauptstraße“ für 50.000 Won (etwa 40 Euro). Diesmal gibt es kein Frühstück, aber nach meinen bisherigen Erfahrungen ist das wohl besser so.

Zu meinem großen Vergnügen liefert das Hotel auch einen der in meiner Familie sehr bliebten Duschkopf-Schmähs. Der Duschkopf hängt nämlich auf fast zwei Metern Höhe und sprühte durch den großen Wasserdruck dann waagrecht das Wasser auf die gegenüber liegende Fliesenwand – wiederum auf (fast) zwei Metern Höhe. Nun war mir das natürlich sehr recht, denn so konnte ich endlich mal wieder ohne Bückling Haare waschen, aber ich muss beim Gedanken an eine kleine Durchschnittskoreanerin (also auf 1,50 Meter Sehhöhe) und ihre Chancenlosigkeit gegen diese Höhenlagen herzlich lachen. So erwischt man sogar in der koreanischen Provinz ein Badezimmer für skandinavische Bewegungsradien.

Einige Fotos vom Seedrachen

 

Das waren alle Geschichten aus vier Tagen Jeju. Es ist eine Insel auf der man sicherlich mehrere Wochen oder sogar Monate verbringen könnte, aber ich hatte ja nur einen Woche Urlaub. So geht diese Geschichte nun zu Ende. Ich bedanke mich für’s mitlesen und die vielen Likes. Beste Grüße aus Seoul!

Hier geht es zurück zu Teil 1 (Koreas Inselparadies), Teil 2 (Der Olle-Weitwanderweg), Teil 3 (Wanderlust) und Teil 4 (Kulinarische Höhepunkte) der Jeju-Reihe.

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