Avocado-Frappuccino: Als mit Nahrung nur noch Instagram gefüttert wurde

Irgendwie ist es witzig. Da lebe ich in Seoul dahin, lese unbedarft im Deutschen Lifestyle-Blog Insideberlin und erfahre erst dort, dass Starbucks den Hipster-Traum in Korea noch ein bisschen intensiver lebt, als anderswo. Mit einem Avocado-Frappuccino inklusive Kern. Ein Fotografier- und Geschmacksbericht.

Nicht nur dass ein Deutscher Lifestyle-Blog bereits leicht hyperventiliert (Link zum Artikel), das Netz quillt über mit Berichten über Südkoreas Avocado-Frappuccino. Die einschlägige (amerikanische) Presse von Esquire bis Cosmopolitan überschlägt sich richtig gehend. Allerdings überwiegt häufig die Skepsis. Immerhin wird hier eine an sich sehr gesunde und energiegeladene Frucht zu einem zuckersüßen Instagram-Motiv degradiert.

Fotogen ist die Chose vor allem durch den aufgesetzten „Kern“. Das offizielle Marketing-Bild sieht so aus:

In Realita kann’s dann auch manchmal so aussehen:

„Hoch lebe Photoshop!“, ist man versucht zu sagen. Letztlich kommt die Ästhetik aber auch auf die/den Barista an und in meinem Fall hatte ich sogar Glück:

Korea 7.7. 014

Und schmeckt’s?

Geschmacklich ist es gewöhnungsbedürftig. Durch das gemixte Eis und die feste Avocado bekommt das Getränk eine bröckelige und recht stabile Konsistenz, die das Trinken auch mit dem dicksten Strohhalm relativ schwer macht. Und nachdem die Superfrucht alles kann außer Schmelzen, bleibt das – im Unterschied zu anderen Frappuccinos bzw. Smoothies – auch bei langsamen Trinken so. Dazu befinden sich noch ein paar Avocadostücke im Glas (die Legende, wonach in diesem Getränk keine Spur echter Avocados zu finden sei, ist definitiv nur eine Legende). Erwartungsgemäß wird jedoch mit Sirup geschmacklich nachgeholfen.

Gesund ist die grüne Masse wohl nur sehr bedingt. Der „Kern“ ist das definitiv nicht, denn dieser besteht aus entsprechend eingefärbter weißer Schokolade.

Letzten Endes kann man festhalten, dass Starbucks mit dem Schokokern einen ganz lustigen ästhetischen Einfall hatte, der aber nicht in einem besonders interessanten Produkt gipfelte. Dass trotzdem so ein Hype um den Drink entsteht, lässt mich erschüttert feststellen, wie wichtig Instagramtauglichkeit für Speisen und Getränke bereits geworden ist. In diesem speziellen Fall wohl sogar wichtiger, als der Geschmack. Instagram wird ESStagram und Korea, ein Land in dem beim Essen immer auf Ästhetik wert gelegt wird, bildet fast logischer Weise die Speerspitze dieses Trends. Und als Beweis dafür liefere ich noch einige Beispiele.

ESStagram-Gewinner aus Korea

Vienna Coffee & Eiscremewaffel

Wellen-Toast

Frühstücksplatte

In diesem Sinne: Prost Mahlzeit!

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