Kleidung für Große Männer

Sechs Monate bin ich mittlerweile in Korea. Ich begehe dieses Jubiläum mit einem kleinen Zwischenresümee zum Thema Shoppen: Wo findet man Kleidung für große Männer mit großen Füßen?

Ich habe dieses Thema schon vor Abflug sehr intensiv recherchiert und war nicht extrem beunruhigt. Immerhin habe ich einst sogar in Thailand alles Notwendige gefunden und dort sind die Menschen tendenziell noch kleiner als in Südkorea. Thailand ist allerdings auch ein Touristenmekka und Südkorea ist das nicht. Konsequenter Weise sind Übergrößen in Korea wesentlich seltener erhältlich, als in „touristischeren“ Ländern Asiens. Und doch kann man sie finden; wenn man bereit ist, etwas tiefer ins Börserl zu greifen und nicht allzu große Ansprüche hat.

Schuhe

Schuhgrößen werden in Korea in Millimetern Fußgröße angegeben (endlich ein Land mit logischem System). Leider ist es relativ schwer, europäische Schuhmaße auf Koreanische umzurechnen, weil die Unterschiede zwischen den Größen nicht gleich sind. 290 und 280 entsprechen beispielsweise nur ungefähr 46 und 45. Immerhin gibt es aber manchmal Zwischengrößen (also 275 und 285), wodurch man immer noch einen gut sitzenden Schuh bekommt.

Apropos gut Sitzend: Männer mit Schuhgröße 44 oder drunter werden relativ wenige Probleme in Korea haben. Bis zu dieser Größe (ca. 270 in Korea) sind in größeren Einkaufszentren immer recht viele Modelle zu bekommen. Alles Größere ist äußerst selten. Sogar die beiden Crocs-Stores im Lotte Outlet/Lotte Mart am (touristenüberfluteten) Hauptbahnhof Seoul Station führen nur Modelle bis US-Größe 11 (eine europäische 44).

Korea 7.7. 002 - Copy

Schuhregal bei Lotte Mart – ein Modell sogar bis Größe 275, das meiste aber deutlich kleiner

Ich habe in Europa Schuhgröße 46 und in Korea 290. Wenn ich das einem Koreaner erzähle, reagiert dieser normaler Weise mit schallendem Gelächter. Das ist einfach eine Zahl, die für die meisten Hiesigen nicht mehr zu begreifen ist. Tatsächlich gibt es bei der Schuhgröße zwischen Europäern und Koreanern noch einen deutlicheren Unterschied, als bei der Körpergröße. So wie westliche Männer in Korea kaum Schuhe finden, finden koreanische Frauen in Europa keine Schuhe … in der Erwachsenenabteilung. Koreanerinnen müssen in Deutschland ihre Schuhe schon mal in der Kinderabteilung kaufen.

Big Size Shopping in Itaewon

Ohne viel Planung bin ich eines Sonntags zur Schuhpirsch ins Seouler Ausländerviertel Itaewon gepilgert. Bereits nach wenigen Bummelminuten stand ich vor einem „Big Size“-Schuhgeschäft. Ich war etwas skeptisch, denn es sah nach nicht viel aus, habe mich dennoch reingetraut und siehe da: ich bin mit passenden Alltagsschuhen wieder rausgekommen. Kostenpunkt: 110.000 Won (etwa 90 Euro). Laut Verkäufer wurden sie in Korea produziert, aber das sagt natürlich nichts über die Qualität aus. Nach zwei Monaten fast permanenten Tragens sind sie zwar etwas ausgelatschter als erwartet, aber noch intakt, ansehnlich und sehr bequem. Somit sind sie wohl nicht besser, aber auch nicht schlechter, als so manche Markenware aus Bangladesch. Dass man in Übergrößen-Geschäften ein paar Won extra zahlen muss, ist auch nicht extrem überraschend.

Meine Schuhmission konnte ich also überraschend schnell erfolgreich abschließen. Noch dazu mit kleinem Österreich-Beitrag: Rot-Weiß-Rot bis zu den Schuhsohlen :-).

20180707_230534.jpg

Big Size Shopping Online

Korea hat ein Online-Versandhaus namens GMarket mit einer „globalen“ Sektion, die größtenteils auf Englisch funktioniert. Bei Produktbeschreibungen und auch bei der Bezahlung sind allerdings Koreanischkenntnisse nützlich. Unter diesem Link kommt ihr direkt zur Sektion „Men’s Plus Size Shoes„. Wie bei allen Versandhäusern ist das mit den Schuhen etwas unzuverlässig. Ich habe ein paar spottbillige Plastikschuhe für die Regenzeit gekauft (ca. 8 Euro). Laut Beschreibung waren sie EU-Größe 46 bzw. Korea-Größe 280. Das war schon etwas seltsam, weil 280 maximal einer EU 45 entspricht. Im Endeffekt habe ich einen Schuh erhalten der nochmal kleiner war, vielleicht eine 44. Nachdem es elastische Plastikschuhe waren, haben sie sich dann vielleicht noch auf eine 45 ausgedehnt, aber insgesamt waren sie doch zu klein und nur für kurze Spaziergänge erträglich. Umtauschen war leider keine Option, weil 280 die größte verfügbare Größe war und zum Retournieren war ich aufgrund des niedrigen Preises dann doch zu faul.

Noch ein technischer Tipp: Koreanische Webseiten sind manchmal etwas exzentrisch. Manche brauchen eine ganze Handvoll Security-Apps, manche andere funktionieren nur in Internet Explorer. Auf gmarket.com trifft leider letzteres zu. In anderen Browsern funktioniert die Navigation einfach nicht.

Socken

close up high angle view of camera

Photo by Lum3n.com on Pexels.com

Es war einmal ein Fuß, der litt an Größenwahn. Und so dachte er sich: „Ich mache mir ein ganzes Land mit Füßen, die sich wie ein Ei dem ander’n gleichen!“. Und so entstand ein magisches Land der Standardfüße. Und damit auch ein Land der Standardschuhe und Standardsocken. Dieser eine Fuß erfüllte sich seinen Traum und nannte dieses Land der Standardfüße … SÜDKOREA! Und wenn er nicht gestorben ist, dann one-sizen sie noch heute.

Socken gibt es als One-Size, also Universalgröße. Die gute Nachricht: das Material ist so elastisch, dass ich auch meine Latschen reinzwängen kann und es nach ein, zwei Mal tragen und waschen so weit ausgeleiert ist, dass mir die Socken gut passen. Praktisch ist auch, dass man Socken manchmal vor der Haustür kaufen kann. Manche Verkäufer rumpeln mit einem motorisierten Berg Socken (also ein vollbeladenes Tuk-Tuk) durch die Straßen Seouls und bieten ihre Produkte an Straßenecken feil. Die Qualität ist normalerweise gut und der Preis auf Kellerniveau.

Diese Mission war in Wirklichkeit gar keine. Hier gibt’s null Grund zu Panik.

Hemden

blur box business checkered shirt

Photo by David Bartus on Pexels.com

Hier habe ich die Lage äußerst vorsichtig ausgelotet. Zunächst ein billiges T-Shirt um meine Größe sicherzustellen (wie bei den Schuhen hat Korea auch bei Kleidung ein eigenes System), dann ein Longsleeve um die Ärmellänge abzutesten, dann zwei billige Hemden. Mittlerweile finde ich mich auch bei guten Hemden zurecht. Bei Oberbekleidung gibt es zwei potenzielle Problembereiche für Männer des Westens: Armlänge und Bauchumfang.

Es hat alles ganz gut angefangen: T-Shirt und Longsleeve aus der Sonderangebots-Wühlkiste haben gut gepasst, bei den Hemden hat mich aber kurzfristig das Glück verlassen. Mein erster Versuch war wieder ein Sonderangebot aus der Wühlkiste. Fazit: sehr schön, guter Sitz am Kragen, jedoch viel zu kurze Ärmel. Kein Beinbruch, nachdem ich eh die Angewohnheit habe, im Sommer Langärmeliges mit hochgekrempelten Ärmeln zu tragen. Der zweite Versuch brachte genau das gegenteilige Ergebnis: die Ärmel waren halbwegs okay, aber der Kragen auffallen weit. Krawatten kann ich damit wohl nicht tragen, aber so eine Strangulierhilfe kommt mir sowieso nicht so schnell um den Hals.

Ich lernte durch diese halben Fehlschläge einen kleinen Trick: lieber eine Nummer größer kaufen, dafür in Slim Fit. Das passt dann meistens gut. An sich schon Slim Fitte Männer des Westens werden sich in Korea allerdings eher schlabberiger anziehen müssen.

Für meine Einkaufsgeneralprobe begab mich zur mir mehrfach empfohlenen Bekleidungskette UNIQLO – ein Unternehmen, das in Europa wohl nur dadurch bekannt ist, dass sie gerade einen 10-Jahres-Vertrag mit Roger Federer abgeschlossen haben. Wohlgemerkt, ohne viele Sportsachen im Angebot zu haben. Nichtsdestoweniger dürfte UNIQLO eine der tauglichsten Adressen für Personen des Westens sein. Denn siehe da: das ausgesuchte Hemd passte fast wie angegossen, ist von sehr guter Qualität, lässt sich gut waschen und ist bügelfrei.

Bei Hemden bietet sich auch eine Maßanfertigung an. Freizeithemden bekommt man schon ab 40.000 Won (ca. 30 Euro) auf den Leib geschneidert. Die Preisskala (und Qualitätsskala) ist natürlich nach oben hin offen. Schneider gibt es in der ganzen Stadt zur Genüge, aber in den Touristenvierteln treten sie noch gehäufter auf.

Pullover

Man braucht im koreanischen Winter die ganz dicken Pullover (siehe auch mein Erfahrungsbericht). Solche sind hierzulande allerdings auch überall zu finden. Ich komme hier mit dem größten Standardmaß (120) durch. Diese Größe gibt es fast über all (noch). Leute mit Gössermuskel (Bierbauch) werden aber definitiv Probleme bekommen und sollten im Ausländerviertel Itaewon auf die Suche gehen. Dort einfach den „Big Size“ Schildern folgen.

Noch überhaupt keine Erfahrungen habe ich bisher mit Hosen. Nachdem ich sogar in Wien manchmal Mühe mit meinen langen Beinen hatte, graut mir schon vor diesem nächsten Problem. Vielleicht blüht mir hier endgültig der Gang zum Schneider.

Links

Korea4Expats hat zwei gute Übersichtstabellen zur Größenumrechnung. Sie ist nicht 100 % akkurat, aber ein passabler Anfang.

Men’s Clothing, Size Conversion Chart

Women’s Clothing, Size Conversion Chart

 

 

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s