Mein koreanisches Zahnarztabenteuer

Trotz vorsorglichem Zahnarzt-Kontrollgang vor meinem Abflug, hatte ich sechs Monate später Zahnschmerzen. Und dann wurde noch eine Wurzelbehandlung daraus. Die erste meines Lebens und dann gleich in einem fremden Land. Die Highs und Lows meiner Zahnarzt-Erlebnisse.

Einen Zahnarzt finden

Vorab: die Deutsche Botschaft hat mehrere Vertrauenszahnärzte (Link zu Übersicht), von denen einige Deutsch sprechen. Ich habe sie nicht in Anspruch genommen, weil sie für mich sehr weit weg waren und ich mich auf Englisch fast genauso gut ausdrücken kann, wie auf Deutsch. Somit waren mir die Deutschkenntnisse nicht wichtig genug für einen langen Anfahrtsweg.

Es gibt eine Hand voll Kliniken, die sich auf englischsprachige Ausländer spezialisiert haben. Eine sehr bekannte Klinik ist Manhattan Dental in Itaewon. Dem Hörensagen nach gehen dort die Soldaten der US-Militärbasis gerne hin. Und viele andere Expats. Auch von meinen Kontakten in der deutschsprachigen Community wurde mir öfter mal Manhatten Dental empfohlen, allerdings kenne ich niemanden, der wirklich schon dort war. Die Frage ist, ob diese Klinik einfach nur gutes Marketing betreibt oder wirklich etwas kann.

Von Koreanern habe ich mir weitere Empfehlungen geben lassen (vielen Dank dafür!). Dabei bekam ich freilich Adressen, die über die ganze Stadt verstreut und oft sehr weit weg waren. Letztendlich entschied ich mich – ebenfalls nach Empfehlung – für einen Zahnarzt aus der Nachbarschaft, der nachweislich gut Englisch spricht (er hat in den USA studiert). Ich dachte mir, bevor ich mir 60-90 Minuten Anfahrtszeit antue ohne zu wissen, was mich erwartet, starte ich mein Zahnarztabenteuer lieber in fußläufiger Distanz. Dann fällt zumindest EIN Stressfaktor weg. Letzten Endes habe ich es nicht bereut, auch wenn dieser Arzt ein paar Macken hatte (haben sie nicht alle welche?).

Kontakt: Seoul How Dental Clinic (서울 하우 치과), Tel. 02-6329-2020, Huam-ro 47, Huam-dong, Yongsan-gu, Seoul (Stadtplan)

Korea Juni 009

Achtung: Das Termin vereinbaren kann mehr Probleme bereiten, als der Arztbesuch. Der Grund: Ärzte mögen Englisch sprechen, das restliche Personal in der Praxis eher nicht. Das ist in internationalen Zahnkliniken wie Manhatten Dental sicherlich besser.

Die Behandlung

Bei der ersten Terminvereinbarung musste ich gleich angeben, wo es wehtut. Der erste Termin war dann nur zur Diagnose. Es erfolgten die üblichen Maßnahmen – Röntgen, Fotos schlechter Zähne, Mundhygiene – und zu meinem Schock folgte eine Empfehlung zu einer Wurzelbehandlung beim schmerzenden Zahn. Meine erste Wurzelbehandlung überhaupt und dann gleich in einem fremden Land … meine Begeisterung hielt sich in engen Grenzen. Der Arzt nahm sich dann aber recht viel Zeit mir die Behandlung näher zu erklären. Die größte Seltsamkeit war sein Bestehen auf vier Terminen für die Wurzelbehandlung. Von Erzählungen weiß ich, dass das in Wien in zwei Terminen geht. Aber gut, vielleicht wollte der Mann in Korea ein bisschen extra verdienen bzw. auf Nummer ultrasicher gehen. Beides dürfte Erzählungen aus meinem Bekanntenkreis zufolge eher die Regel als die Ausnahme sein.

Die Behandlungstermine nach der Diagnose folgten dann in einem drei bis vier Tage Intervall. Das Abtöten aller Nerven streckte sich über zwei Termine und war überraschend erträglich. Allerdings hatte es das injizierte Schmerzmittel ziemlich in sich und ich verließ die Praxis zweimal im leichten Schlaganfalls-Look ;-). Etwas seltsam waren die nach der ersten Behandlung verschriebenen Antibiotika. Der Antibiotikafetisch ist leider auch in Südkorea angekommen (und konsequenterweise gibt es deshalb auch hierzulande schon jede Menge resistente Krankheitserreger).

Beim vierten Termin wurde die Füllung fertiggestellt und beim Fünften der Zahn für die Krone zurechtgeschliffen und vermessen. Hätte man das in zwei oder drei Terminen hinbekommen können? Meiner Meinung nach ja, aber nachdem die Praxis für mich fußläufig erreichbar und der Besuch nicht mit einer langen Anfahrt verbunden war, hielt sich mein Frust ob des Terminexzesses in Grenzen.

Das Aufsetzen der Krone war für den insgesamt sechsten Besuch vorgesehen. Die erste Krone passte jedoch so überhaupt nicht und so wurde ich noch auf den nunmehr siebten Termin vertröstet. Der zweite Versuch war dann erfolgreich und nun bin ich stolzer Träger einer Zahnkrone. Leider ist es keine Jack-Sparrow-Goldkrone, sondern eine Weiße :-).

Persönliche Eindrücke

Ich würde sagen, dass drei Dinge bei diesem Zahnarzt besser waren, als bei allen von mir besuchten Österreichischen Zahnärzten:

  1. Bei insgesamt sieben Terminen lag die Wartezeit in der Praxis nie über fünfzehn Minuten.
  2. Die gesamte Belegschaft war jedes Mal äußerst freundlich und zuvorkommend.
  3. Interessant war, dass der Behandlungssessel zu einem Fenster ausgerichtet war und man eine schöne Aussicht auf eine Straßenzeile hat.

Korea Juni 007

Das koreanische Gesundheitssystem hat grundsätzlich einen guten Ruf und allein dass es ein eigenes „Medical Visa“ gibt – man darf sich als allein zur medizinischen Behandlung in Korea aufhalten – spricht Bände. Natürlich hat der Kulturunterschied seine Konsequenzen. Beispielsweise ist die Privatsphäre nicht so wichtig, wie in Österreich. Die Behandlungsplätze sind zwar kojenartig abgetrennt, allerdings kommt man nicht in ein eigenes Behandlungszimmer.

Sehr überrascht hat mich anfangs, dass man eine Art Operationstuch über das Gesicht bekommt. Es gibt natürlich eine Öffnung auf Mundhöhe, aber sehen kann man nichts. Das hat mich anfangs etwas verwirrt, letztlich fand ich es aber recht angenehm. Erstens strahlt kein Scheinwerfer in die Augen und zweitens muss man niemandem ins Gesicht sehen.

Die Kommunikation mit dem Arzt war am Anfang sehr angenehm, ab dem zweiten Termin allerdings kaum vorhanden. Einmal musste ihn die Assistentin sogar aus der nächsten Behandlung herausholen – ich wollte etwas zur Zahnkrone fragen, allerdings war der Arzt nur noch eine Staubwolke, als mir das Gesichtstuch abgenommen wurde. Wenn wir sprechen konnten, war er aber immer äußerst nett und kompetent.

Preise & Krankenversicherung

  • Zahnkrone (weiß): 400.000 Won (ca. 300 Euro)
  • Wurzelbehandlung (vier Termine): 172.260 Won (ca. 130 Euro)
  • Mundhygiene: 43.860 Won (ca. 30 Euro)

Meine koreanische Krankenversicherung übernahm 70 % aller Behandlungskosten (inklusive Mundhygiene), allerdings keinen Anteil der Kosten für die Zahnkrone.

 

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