Südkoreas Rekordsommer 2018: Eine Schwitzographie

Sommer ist nicht die Lieblingsjahreszeit der Koreaner. Erzählungen zufolge ist es jedes Jahr eine Qual. Heuer ist es sogar die größte Qual der Messgeschichte.

Temperaturen

2018 sind gleich mehrfach historische Hitzerekorde gepurzelt. Der erste Rekord wurde am 24.07. mit 40,3°C gemessen. Damit ist 2018 erst der zweite Sommer seit Beginn offizieller Messungen 1907, in dem die 40°C Marke geknackt wurde. Der neue Rekord hielt gerade einmal eine Woche und wurde am 01.08. mit 40,7°C bereits wieder übertroffen.

Auch in Seoul gibt es einen neuen Temperaturrekord zu beschwitzen. Der alte Rekord wurde gleich um 1,2 Grad überboten, als das Thermometer am 01.08. stolze 39,6°C anzeigte. Die Stadt feierte/erlitt auch das höchste Tagesmininum seit 111 Jahren: in der Nacht von zweiten auf dritten August fiel die Temperatur nur auf 30,4°C. Den landesweiten Rekord hält seit 23.07.2018 die Ostküstenstadt Gangneung mit beachtlichen 31°C frühmorgendlicher Tiefsttemperatur.

Update 15.08.2018: Der nächste Rekord ist gefallen. Seoul erlitt vom vierzehnten auf fünfzehnten August die fünfundzwanzigste Tropennacht in Folge. In Tropennächten sinkt die Temperatur nie unter 25°C.

Die Luftfeuchtigkeit steigt nachts unangnehm an, aber insgesamt wirkt dieser Sommer recht kontinentaleuropäisch (bis auf die vielen Tropennächte). Durch den diesmal geringen Niederschlag gab es nur eine kurze Phase Mitte Juli mit dauerhaft hoher Luftfeuchtigkeit (mehr als 80 %). Durch die Trockenheit ist in Korea sogar Föhn aufgekommen, was hierzulande ein sehr seltenes Phänomen sein dürfte. Im Schnitt ist es immer noch feuchter als im österreichischen Sommer.

Die dazugehörigen Zeitungsartikel des Korea Herald finden sich hier, hier und hier.

Niederschlag

Normalerweise gibt es in Korea zwischen Ende Juni und Ende Juli vier bis fünf Wochen Regenzeit und dabei zwei Wochen mit fast durchgehendem Regen. 2018 dauerte die Regenzeit offiziell nur halb so lang und brachte auch nur halb so viel Regen wie sonst. Ich kann deshalb nichts von Regeninfernos berichten, nur von normalem (teils hartnäckigem) Niederschlag. Seht selbst:

Korea 7.7. 007

Kleidung & Sonnenschutz

Ich brauche aktuell zwei bis drei Shirts pro Tag. Das bringt die Hitze so mit sich, aber wohl auch die ständige Kneippkur von Außentemperatur in klimatisierte Räume (oder Verkehrsmittel). Das kann auf Dauer schon sehr anstrengend werden.

Korea 02.08. 067

Mein Sommeroutfit

Die einzige Kleidung, die mehr als ein paar Stunden durchhält, sind Funktionsshirts der einschlägigen Sportartikel- bzw. Outdoor-Manufakturen (North Face und Co). In meinem Bekanntenkreis (und mittlerweile auch bei mir) hat die koreanische Kette Black Yak den besten Ruf. Sie ist etwas teurer, als North Face, vermeidet bei den T-Shirts allerdings den latenten Knackwurst-Look. (Knackwurst ist übrigens in Österreich etwas anderes, als in Deutschland. Meine Deutschen Leser können sich hier informieren: Wikipedia.)

Zum Sonnen- und Hitzeschutz dienen in Korea vier Dinge: Sonnenschirme, Hüte, Handventilatoren und Fächer. Die Herren ertragen die Hitze meistens stoisch ohne Hilfsmittel, greifen allenfalls zum Ventilator. Bei den Damen sind Hüte und Sonnenschirme Standard, manche sind gleich mit allen vier Dingen ausgestattet. Besonders interessant sind die vereinzelten Männer, die mit Sonnenschirm herumspazieren. Ja, das darf in Korea auch sein. Natürlich ist auch langärmelige Kleidung eine Option gegen die Sonne, vor allem bei älteren Menschen. Auch das normale Badeoutfit der Koreaner ist langärmelig:

Korea 02.08. 062

Badestrand in Gangneung. Fast alle ganzkörperbekleidet.

Cool bleiben

Der nächste Convenience Store ist in Seoul immer nur Zentimeter entfernt. Dort gibt es arktische Kälte (Klimaanlage!) und jede Menge kalter Getränke und Eis. Stichwort Eis: Zwar gibt es jede Menge Eis am Stiel im Supermarkt, jedoch keine Eissalons/Eisdielen im europäischen Sinne. Am nähesten dran ist die amerkanische Kette Baskin & Robbins, aber dort ist die Qualität eher schwankend. Es gibt gute Sorten, es gibt schlechte Sorten. In Korea ist allerdings ein lokales Eisdessert weit verbreitet.

Das Phänomen Bingsu

Korea April 778

Wer sich schon einmal in Italien aufgehalten hat, kennt vielleicht Granità. Bingsu ist in derselben Liga – gefrorenes gesüßtes Wasser (manchmal auch Milch) wird zu Schnee zermalen. Speziell sind allerdings die Toppings: bei der beliebtesten Variante Patbingsu sind dies – festhalten! – gesüßte Rote Bohnen und Reiskuchenstücke (schmeckt fantastisch!). Alternativ werden die Bohnen gemahlen und das Pulver auf das Bingsu gestreut (leichter Würgereiz!). Ebenfalls populär sind Varianten auf Fruchtbasis, bespielsweise Mangobingsu. Es kann allerdings sein, dass die Fruchtstücke auch gefroren daherkommen. Latente Brain-Freeze-Gefahr!

Und in diesem Sinne begebe ich mich auf eine mehrwöchige Pingsu-Kur, ähem, einen mehrwöchigen Urlaub. Der nächste planmäßige Beitrag erscheint Anfang September. Schönen Sommer!

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