Gangneung: Romantik vor Traumstränden

Wieso liegt die Hauptstadt eines Landes, dessen Grenzen zu 80 % aus Küste bestehen, zwei Zug- oder Busstunden vom nächsten Strand entfernt? Wer weiß das schon, aber die nordöstliche Küstenstadt Gangneung kann es freuen, denn sie ist Seouls Sommerfrischeort.

Die Romantik-Metropole

Gangneung hat ein (vielleicht weltweites?) Alleinstellungsmerkmal: Die Stadt besitzt ein Meer UND einen See (Gyeongpo). Es gibt sogar einen Punkt von dem aus man beide überblicken kann: den Hügelpavillon Gyeongpodae. Einer schönen Legende nach ist dieser Ort der einzige, an dem man bei klarer Nacht den Mond fünfmal sehen kann – einmal in echt und viermal reflektiert: im Meer, im See, im Trinkglas und in den Augen der großen Liebe.

Und noch ein kleines (leider verregnetes) Video aus dem Pavillon Gyeongpodae. Gyeongpo Beach mit seinem unübersehbaren Skybay Luxushotel (siehe TripAdvisor) im Hintergrund.

 

Durch die Lage an der Ostküste ist Gangneung der perfekte Ort, um Sonnenaufgänge zu genießen. Das ist in Korea auch sehr populär, besonders am Neujahrstag. Wer Massenaufläufe vermeiden will, sollte große Feiertage am besten an der Westküste verbringen.

Die Strand-Metropole

Gangneung hat sicherlich mit die schönsten Strände Koreas. Ein Badeparadies ist es allerdings nicht. Das liegt einerseits an vielen Felsen im Wasser und häufig hohem Wellengang (keine gute Kombination), andererseits an einer Auf-Nummer-sicher-Mentalität, die ein Hinausschwimmen ins offene Meer als lebensgefährlich betrachtet. Der Schwimmbereich ist mit Bojen abgesteckt und wenn man sich weiter hinausbewegt folgt eine unvermeidbare Pfeiforgie der Rettungsschwimmer. Die meisten Badenden sind mit ein paar Runden Wellentanz auf einem großen Schwimmreifen (natürlich fast ganzkörperbekleidet) schön höchst entzückt.

Der – meiner Meinung nach – badetauglichste Strand befindet sich etwas außerhalb der Stadt und heißt Jumunjin Beach (nach der gleichnamigen Ortschaft). In Jumunjin gibt es auch einen interessanten Fischmarkt, also lohnt sich durchaus ein längerer Ausflug dorthin.

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Jumunjin Beach im Sommer

In Gangneung selbst gibt es den actiongeladenen Gyeongpo Beach (samt Bühne und monströsem Luxushotel) und den etwas beschaulicheren Anmok Beach mit seiner „Coffee Street“, einer netten Strandpromenade mit unendlich vielen Cafés.

Ein kurzes Video von Gyeongpo:

Auch zwischen diesen Hauptabschnitten gibt es durchgehend Sandstrand, der aber oft nicht mit Rettungsschwimmern besetzt ist. Weitere belebte Abschnitte sind Kongmun Beach und Songcheong Beach. Letzterer ist wegen seines ausgedehnten Pinienwaldes sehr sehenswert und von Anmok bzw. Kongmun mit einem netten dreißigminütigen Fußmarsch zu erreichen.

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Songcheong Beach

Erreichbarkeiten

Anmok Beach ist am einfachsten mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Mehrere Busse verbinden diesen zentralen Küstenabschnitt mit dem Stadtzentrum und teilweise dem Umland. Auch bei Gyeongpo Beach ist die Verkehrsanbindung noch akzeptabel. Kurzzeit-Besucher halten sich am besten an die „Touristenlinie“ 202, die ein bis zweimal pro Stunde fährt und rundläufig Bahnhof, Busbahnhof, Stadtzentrum, Gyeonpo-See, Gyeongpo Beach, das Olympic Village und andere touristisch relevante Punkte miteinander verbindet. Kongmun Beach wird von der Linie 230 angefahren, die auch durch das Seidentofu-Dorf fährt (siehe unten).

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Anmok Beach im Frühling

Für die weiteren Top-Badestrände – Jumunjin im Norden (#9 Aktivität auf TripAdvisor) und Jeongdongjin im Süden (#2 Aktivität auf TripAdvisor hinter Gyeongpo Beach) – ist leider etwas Planung vonnöten. Juminjin wird nur vom „Strandbus“ 333 bedient. Dieser verkehrt zwischen den Stränden Jumumjin und Anmok, allerdings nur ein paar Mal täglich. Jeongdongjin ist – ebenso nur ein paar Mal täglich – mit einem Bummelzug vom Bahnhof Gangneung aus zu erreichen. Es gibt manchmal einen Zug, der in aller Herrgottsfrüh losfährt, um Interessierte rechtzeitig zum Sonnenaufgang ans Ziel zu bringen. Natürlich kann man auch mit dem Taxi fahren – die sind in Gangneung ebenso häufig anzutreffen wie anderswo in Südkorea. Ich kann aber keine Angaben zu den Preisen machen.

Die beste Nachricht zu Gangneungs Busnetz ist, dass Seouls T-Money-Card auch dort gilt. Wenn man aus der Hauptstadt kommt, muss man also keine Tickets organisieren. Nähere Informationen zur T-Money-Card gibt es in meinem älteren Artikel „Bezahlsysteme„. Parallel dazu gibt es das CashBee-System.

Die Tofu-Metropole

Neben den allgegenwärtigen Fischen und Meeresfrüchten (gerne roh gegessen) ist „Sundupu“, zu Deutsch Seidentofu, der regionale Hauptbeitrag zur Koreanischen Küche. Ein teils traditionelles, teils sehr touristisches „Seidentofudorf“ (Chodang Sundupumaeul) in Strandnähe bietet eine Unzahl an Spezialitätenrestaurants. Seidentofu wird üblicherweise als Bestandteil verschiedener Suppen bzw. Eintöpfe verwendet. Die einfachste Variante ist Sundupuchang, wo der Tofu fast alleiniger Bestandteil ist und nur von einem Hauch Gemüse begleitet wird. Das Resultat ist eine sehr neutral schmeckende weiße Suppe, die durch Zugabe einer Würzsauce aufgepeppt werden kann.

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Am besten öffentlich erreichbar ist das Sundupumaeul mit der Buslinie 230, die zwischen Kongmun Beach und Stadtzentrum pendelt.

Die Motel-Metropole

Vermutlich durch die Olympischen Spiele im Februar 2018 gibt es in Gangneung eine unglaubliche Zahl an (leistbaren) Motels. Anders als in den USA sind diese nicht bungalowartig aufgebaut, sondern ein ganz normales Hotelgebäude mit Parkmöglichkeiten. Die Zimmer sind relativ groß, gut ausgestattet und vergleichsweise billig. Der Service ist in Ordnung: es wird täglich gereinigt, fast immer gibt es eine Minibar mit ein paar Geschenken (Wasser, Dosenkaffee und dergleichen) und – wie in Korea üblich – eine ziemlich beeindruckende Auswahl an Hygieneprodukten: Zahnbürste, Zahnpaste, Shampoo, Duschgel, Conditioner, Haarfön, Aftershave. Über Booking.com gibt es oft schon Zimmer um rund 50 Euro pro Nacht. In Gangneung gibt es aber relativ viele Motels, die nicht auf dieser Webseite zu finden sind und dadurch meiner Einschätzung nach noch billiger sein könnten. Besonders viele Motels auf einem Haufen findet man in der Nähe des Hauptbahnhofs auf dem Weg Richtung Stadtzentrum (südlich bis südwestlich des Bahnhofs).

(K)eine Museums-Metropole

Es gibt verblüffend viele Museen in Gangneung. Das überrascht, weil die Stadt sich doch hauptsächlich als Outdoor-Paradies inszeniert. Aber bei meinem zweiten Besuch war es sehr regnerisch und so verschlug es auch mich einmal in Museumshallen – und zwar gleich in drei Museen, die im selben Gebäudekomplex unweit von Gyeongpodae (siehe oben) untergebracht sind: Thomas Edison-Museum, Grammophon-Museum und Filmmuseum. Um es kurz zu machen: Es war das teuerste Museum, das ich bisher in Südkorea besucht habe und … immerhin nur das zweitschlechteste. Einer beeindruckenden Anzahl von Ausstellungsstücken steht dort das ebenso beeindruckende Fehlen jedweder Informationstafeln gegenüber. Zu lernen gibt’s also nichts.

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Weitere Schnappschüsse

Allgemeine Daten

Gangneung liegt im Nordosten Südkoreas. Nur ein paar Kilometer weiter nördlich wird der Reis schon mit Hammer und Sichel gegessen. Mit schlappen 230.000 Einwohnern ist es für koreanische Verhältnisse fast noch ein Dorf. Anfang 2018 war die Region der Nabel der Welt, als im benachbarten Pyeongchang die Olympischen Winterspiele und die Paralympischen Winterspiele stattfanden. In Gangneung gibt es dadurch jetzt ein Olympisches Dorf und eine große Eishalle.

Die Anfahrt von Seoul ist äußerst unkompliziert. Es gibt vormittags und nachmittags stündlich Schnellzugverbindungen mit dem Hochgeschwindigkeitszug KTX ab Seoul Station. Die Fahrzeit beträngt rund zwei Stunden und der KTX ist ein absolut komfortabler Zug (auch in der zweiten Klasse). Es herrscht Reservierungspflicht. Die fixen Preise betragen 27.600 Won (zweite Klasse) bzw. 38.600 Won (erste Klasse) pro Person und Fahrt. Link zum englischsprachigen Ticketportal: Let’s Korail!

Vom Busterminal in Seoul-Gangnam gibt es häufige Busverbindungen nach Gangneung. Bei den Bussen gibt es verschiedene Komfortstufen von Standard/Economy (normaler Reisebus) bis Premium (kleinerer Bus mit nur drei Sitzen pro Reihe und mehr Beinfreiheit). Als Grundregel ist der beste Bus immer noch billiger, als die zweite Klasse im KTX. Allerdings ist letzterer deutlich schneller. Statt zwei Stunden KTX muss man mit dem Bus etwa dreieinhalb Stunden durchhalten. Dafür hat man immer eine kurze Pause (ca. 15 Minuten) bei einer Raststation. Ein Besuch bei einer Raststation ist ein Erlebnis für sich, denn die sind so etwas wie der koreanische Ballermann. Reservierungen für Busse sind hier möglich, aber nicht unbedingt notwendig. Meiner Meinung nach ist die Flexibilität der große Vorteil der Buslinien. Man bekommt fast immer noch Tickets.

Weiter geht’s

Der Ort Sokcho ist einen Ausflug wert. Einerseits ist der Ort die Eingangspforte in den bekannten und sehenswerten Seoraksan Nationalpark, andererseits liegt nur etwas außerhalb das „Nordkoreaner-Dorf“ Abai-Village. Der Ort, wo die allseits beliebte südkoreanische Blutwurst „Sundae“ nicht in Schweinegedärm, sondern in Tintenfische abgefüllt wird. Aber das ist eine andere Geschichte …

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