Paläste in Seoul

Viele Städte haben Schlösser und Paläste. Seoul hat gleich fünf davon. Ein Überblick:

Erste Informationen

Es fällt mir schwer zu sagen, ob die Paläste für Touristen einen Besuch wert sind. Bei meinem ersten Besuch des größten Palastes Gyeonbokgung war ich eher enttäuscht. Hier dürfte aber auch der Winter eine Rolle gespielt haben, denn so ein Palast sieht mit seinen Grünflächen in den warmen Jahreszeiten einfach besser aus. Ein wirklicher Makel ist allerdings der fehlende Zugang zu den Räumlichkeiten – man kann alles nur von außen ansehen.

Architektonisch wird man enttäuscht, wenn man Schönbrunn oder Neuschwanstein erwartet. Die koreanischen Paläste sind zwar auf ihre Art schön, aber auch relativ klein und pragmatisch angelegt. Im Mittelpunkt steht immer der Thronsaal, der sich in einem zentralen, alles überragenden Gebäude befindet. Die beste Analogie zu einer europäischen Kultur sind Wikingersiedlungen: viel Holz, viele flache Gebäude, alles gut eingebunkert und recht eng aneinander gebaut. Die schönsten Ecken erinnerten mich auch an Passagen über die Elbenstädte in „Der Herr der Ringe“. Es lohnt sich auch, sich mit den kleinen künstlerischen Details zu beschäftigen: Die wichtigsten Infos liefert Koreas offizielle Tourismusseite.

Gyeongbokgung Palast – Erste und größte Königsresidenz

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Lage

U-Bahn-Station „Gyeongbokgung“ (Linie 3), Exit 5 oder „Gwanghwamun“ (Linie 5), Exit 2 und 9 (10 Minuten zu Fuß)

Überblick

Mit Baujahr 1395 ist Gyeongbokgung der älteste und jüngste Palast zugleich. Wie das geht? Nachdem Ende des 16. Jahrhunderts alle fünf Paläste Seouls durch eine japanische Invasion großteils zerstört wurden, war Gyeongbokgung der einzige, der nicht sofort wiederaufgebaut wurde. Während in Changdeokgung (siehe unten) bereits 1610 wieder Könige flanierten, erlebte Gyeongbokgung erst im 19. Jahrhundert seine Renaissance. 1868 wiedereröffnet, erlebte der neue Palast nicht einmal ein ganzes Jahrhundert, da er während der japanischen Besatzungszeit (1905-1945) großteils abgetragen und das Areal neu bebaut wurde. Seit 1990 wird es langsam wieder rekonstruiert, jedoch sind diese Arbeiten bis heute nur zur Hälfte abgeschlossen.

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Obwohl es sich aus den genannten Gründen eher um Kunstprojekt, als um Geschichte handelt, lohnt sich ein Besuch. Der alte Brauch der Wachablöse wird hier stündlich zwischen 10 und 15 Uhr nachgestellt und ist absolut erlebenswert. Bitte nur nicht zu nah an die Darsteller gehen, sonst stechen die aufgeklebten Bärte ein bisschen zu sehr ins Auge. Es ist alles nur Show.

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Unter den Gebäuden sind zweifelsohne das beeindruckende Haupttor (Gwanghwamun Gate) und der wunderschön an einen Teich gebaute Gyeonghoeru Pavillon hervorzuheben. Auch das auf dem Palastgelände befindliche „National Folk Museum“ ist einen Abstecher wert.

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Weitere Infos (Englisch) bei Visitkorea


Changdeokgung Palast – Die längstdienende Königsresidenz

Lage

U-Bahn-Station „Anguk“ (Linie 3), Exit 3 – auch von Station „Jongno 3“ (Linien 3 und 5) kann man angenehm zu Fuß gehen

Überblick

Erbaut im Jahr 1405 unter König Taejong als „Zweitwohnsitz“. Während der japanischen Invasion 1592 brannte der Palast komplett nieder, wurde aber rasch neu errichtet und bereits 1610 wieder bezogen. Nach dem Neuaufbau war Changdeokgung für 270 Jahre die Hauptresidenz des Königshauses. Der Palast ist auch heute noch in großteils gutem baulichen Zustand. 1997 wurde das Areal inklusive „Secret Garden“ und benachbartem Changgyeonggung Palast von der UNESCO auf die Weltkulturerbe-Liste gesetzt.

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Der Palast selbst ist zwar authentischer als der Gyeongbukgung-Nachbau, hinkt aber rein architektonisch hinterher. Ein absolutes Highlight ist allerdings der ehemalige Privatgarten des Königs („Huwon“ bzw. Secret Garden) mit seinen Lotusteichen, Bächen und schön in die umgebende Natur eingebetteten Pavillons. Der Park ist bis heute nicht voll öffentlich zugänglich und kann nur mit einer geführten Gruppe besichtigt werden. Drei bis viermal täglich gibt es Führungen auf Englisch. Sehr empfehlenswert! Die 5.000 Won extra sind es definitiv wert.

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Weitere Infos (Englisch) bei Visitkorea


Changgyeonggung Palast – Altersresidenz für die liebe Verwandtschaft

Lage

Die nächstgelegene U-Bahn-Station ist „Hyewa“ (Linie 4). Von dort geht man durch den Campus der Seoul National University bis zum Palast. Man kommt auch vom benachbarten Changdeokgung Palast (siehe oben) hinein.

Überblick

König Seongjong ließ diesen Palast 1484 für einige Familienangehörige erbauen. Genau wie Changdeokgung wurde der Palast 1592 von der Japanischen Armee zerstört und im frühen 17. Jahrhundert wieder eröffnet. Rund zweihundert Jahre später fiel Changgyeonggung einem Brand zum Opfer und musste ein drittes Mal gebaut werden. Während der japanischen Besatzung (1905-1945) wurden Garten und Palast zum Zoo bzw. Konservatorium umgestaltet. In den 1980er Jahren wurden diese Umbauten wieder rückgängig gemacht und sämtliche Gebäude renoviert.

Der Palast verfügt über eine große Parkanlage samt Fischteichen und „Blumenhaus“. Ein sehr netter Ort zum Spazierengehen und Entspannen.

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Deoksugung Palast – Die modernste Königsresidenz

Lage

U-Bahn-Station „City Hall“ (Linien 1 und 2), Exit 1 oder Exit 12

Überblick

Deoksugung war der EINE Palast, der Ende des 16. Jahrhunderts von der Japanischen Armee mehr oder weniger verschont blieb. Als letztes Refugium wurde es vorübergehende Residenz des Königs, bevor die Amtsgeschäfte 1610 in den Changdeokgung Palast übersiedelten. 1897-1907 war Deoksugung unter König Gojong noch einmal Hauptpalast. Während seiner Regentschaft ließ er das Areal auch umfassend modernisieren, was sich in einigen Bauten in westlicher Architektur niederschlug.

Aufgrund dieser architektonischen Mischung sticht der Palast hervor. Zudem sorgt die umgebende Skyline für einen etwas futuristischen Touch. Obwohl die Palastanlage sehr übersichtlich ist, ist Deoksugung mein Geheimfavorit. In keinem anderen Palast sind Natur und Gebäude so schön ineinander verwoben wie hier. Teilweise kamen mir J.R.R. Tolkiens Beschreibungen der Elbenstädte in „Herr der Ringe“ in den Sinn.

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Auch hier gibt es mehrmals täglich eine Wachablöse zu bewundern, allerdings ist diese weit weniger pompös als im Gyeongbukgung Palast.


Gyeonghuigung Palast – Die königliche Raststation

Lage

Überblick

Ich musste etwas schmunzeln, als ich einmal in einem Reiseführer las, dass dieser Palast dem König als Zweitpalast für Tagesexkursionen diente – das Areal war also eine Edel-Raststation. Auch dieser Palast wird aktuell schrittweise rekonstruiert. Verglichen mit Gyeongbukgung hat der Nachbau allerdings recht wenig mit dem Original zu tun. Ein Besuch muss weder aus historischen, noch aus architektonischen Gründen sein.

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Fazit

Wohl kaum ein Tourist wird sich alle fünf Paläste ansehen. Welchen soll man also auswählen? Eine gute Frage!

Wenn man nur einen Palast ansehen will würde ich zu Gyeonbokgung raten, weil er architektonisch der beeindruckendste ist. Wem der Sinn eher nach Natur und Geschichte steht wird im großen Changdeokgung-Areal fündig. Wer ein möglichst zeitsparendes Best-Of sucht, dem empfehle ich Deoksugung.

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