Lohnt sich ein Urlaub in Südkorea?

Gastbeitrag: Meine Schwester Elisabeth erinnert sich an ihren Besuch in Südkorea (Seoul, Jeju, Gangneung).

Aller Anfang ist schwer

Südkorea war für mich die erste Reise in ein ostasiatisches Land. Und ich gebe ehrlich zu, hätte mein Bruder sich nicht dazu entschlossen, eine Zeit in diesem Land zu leben, wäre es wohl nie auf meiner Liste der bevorzugten Urlaubsdestinationen gelandet. Süd- und Ostasien gehörten nicht zu den Teilen der Welt, die mein Interesse an fremden Ländern und Kulturen geweckt hatten. Besucht hatten wir auf unserem Trip Seoul, Jeju und Gangneung.

Das Warten auf den Wow-Effekt

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Photo by Min An on Pexels.com

Auffallend und überraschend war für mich der Mangel an Exotik und Fremdheit. Bei sieben Stunden Zeitverschiebung hätte ich mir da schon einen gewissen „Wow-Effekt“ erwartet. Die Ähnlichkeiten waren so stark, dass ich mich die ersten Tage sogar gefragt hatte, wozu ich soviel Geld ausgegeben hatte.

Das fängt an bei der Natur und bei der Landschaft, die am ersten und auch am zweiten Blick mitteleuropäisch bis mediterran anmuten, erstreckt sich auf Stadtbild und Ortschaften ebenso wie auf die Kleidung der Leute, die Shoppingmeilen, die Verkehrsmittel. Sogar die Lebensmittel auf den Märkten und in den Geschäften sind weitestgehend die gleichen, die man auch aus Europa kennt – wenn man von ein paar Ausnahmen absieht, die dann wieder so exotisch sind, dass man nicht einmal herausfinden kann, was zum Teufel das ist.

Schmeckt’s?

Definitiv anders ist die Küche, aber auch hier gibt es viel, was man aus Europa kennt und Vertrautes bzw. Harmloses worauf man getrost zurückgreifen kann, wenn man nicht sehr experimentierfreudig ist. Genauso wie es einiges gibt, wo ich für mich entschieden habe, es lieber nicht auszuprobieren, wie gewisse seltsam anmutenden Meeresfrüchte – noch dazu roh dargeboten.

Nach einigen Wochen in Wien vermisse ich das koreanische Gimpab. Erstaunlich, dass es das hier noch nicht gibt, aber vielleicht liest ein koreanischer Koch zufällig mit und entschließt sich einen Gimpabstand in Wien zu eröffne. Ich verspreche – ich werde die beste Kundin sein.

Gimpab ist das perfekte Essen für jede Gelegenheit und am aller perfektesten wenn man einen reichhaltigen Snack für Reisen und für zwischendurch braucht. Es ist definitiv ein potentieller Exportartikel.

Alles easy

Der positive Effekt war, dass Korea nicht nur sehr ähnlich sondern in vielen Dingen sogar viel besser als Europa ist. Südkorea ist ein hochtechnologisiertes, modernes, unglaublich durchorganisiertes Urlaubsland. Trotz der Sprachbarriere und der Unmöglichkeit für kurze Zeit die Schriftzeichen zu lernen war es sehr einfach innerhalb des Landes zu reisen, zu shoppen und zu leben.

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Hotelbuchungen sowie die Buchung von Inlandsflügen und Bahntickets sind über englischsprachige Onlineportale unkompliziert auch kurzfristig möglich. Wer gelegentlich ,so wie ich mit der ÖBB App hadert, den wird schon die Ticketbuchung über Korail glücklich machen.

Die Flughäfen und Bahnhöfe selbst sind modern, übersichtlich und gut organisiert. Die teilweise mangelnden oder schlecht verständlichen Englischkenntnisse der dort Beschäftigten sind kein Problem, da übersichtliche Wegweiser und Angaben auf Englisch oder in international verständlichen Piktogrammen ausreichend vorhanden sind.

Irgendwie wussten wir letztendlich immer wo wir hingehörten, selbst ein Gatewechsel am Flughafen in Jeju-si oder ein kurzgeführter Zug, der uns nicht wie erhofft direkt zur Seoul – Station brachte, waren ein bisserl mühsam für eine grundsätzlich gestresste Österreicherin wie mich, aber nie ein ernsthaftes Problem.

Anzeigen, FAQ Aushänge bei diversen Informationsschaltern tun ein weiteres um sich gut zurecht zu finden. Und sollte doch einmal persönlicher Kontakt zum Personal erforderlich sein so verläuft dieser hilfsbereit, äußerst höflich und freundlich, unaufgeregt, kompetent und sachlich.

So Kleinigkeiten, dass wir das Ticket für den öffentlichen Verkehr (Die Ähnlichkeit mit der Londoner Oystercard ist sicher keine beabsichtigte) in allen von uns besuchten Orten nutzen konnte, klingen zwar nicht so wahnsinnig spannend, sind aber eine erstaunliche Erleichterung

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Die Kommunikation in Geschäften und Restaurants erfolgte ungemein effizient mittels Zeichensprache, Bilder, Symbole und bei den jüngeren mittels Google-Translator (englisch-koreanisch ist echt gut, deutsch sollte man halt bleiben lassen).

Und nicht zu vergessen NaverMaps, das koreanische GoogleMaps, dass einem alles zeigt, was man so als Urlauber wissen muss. Verbindungen, Busstrecken, Restaurants, Geschäfte, Bankomaten. Sogar die zu erwartenden Kosten für das Taxi werden ziemlich genau angezeigt. Und natürlich kann man damit recht gut verfolgen wie man sich bewegt und wo in etwas man beim Bus aussteigen sollte.

Alles entspannt

Es gab wohl auch noch nie ein Urlaubsland wo ich mich so sicher gefühlt hatte wie in Südkorea. Dass es keine nennenswerte Kriminalität gibt, lässt sich in jedem Reiseführer nachlesen, aber 2 Wochen in einem fremden Land und die Hälfte davon in der Millionenmetropole Seoul ohne jegliche unangenehme, ungute, geschweige denn gefährliche Situation ist schon erstaunlich. Es gab keinen einzigen Moment, an keinem Ort zu keiner Uhrzeit wo ich mich unsicher oder unwohl gefühlt hätte, auch nicht, als ich ganz alleine unterwegs war.

Keine aggressiven Bettler, keine Streitereien oder Diskussionen, kein Diebstahl, keine übergriffigen lästigen Männer, nichts. Gerade für mich als allein bzw. mit weiblichen Teenie reisende Frau, die als definitiv „touristisch“ zu erkennen ist, war das ein eher ungewöhnliches und sehr positives Erlebnis.

Ebenfalls erwähnenswert ist es, dass Südkorea das sauberste und hygienischste Land ist in dem ich mich jemals aufgehalten habe. Kein Dreck und kein Mist

Alles gut?

Was also blieb von einem Urlaub wie diesem? In erster Linie eine Faszination von der Kultur, die sich im Grunde erst mit meiner Rückkehr nach Wien manifestiert hat. In Wien ist mir aufgefallen wie ruhig und diszipliniert es in Südkorea und ganz besonders in Seoul zugegangen ist. Keine hupenden Autos, keine lauthals telefonierenden Menschen, keine lautstark diskutierenden Gruppen, keine Marktschreier, kein Chaos. Für eine Millionenstadt ist Seoul erstaunlich friedlich und beschaulich.

Eingestellt hat sich auch eine Neugier auf mehr. So gesehen war Südkorea für mich das perfekte Einsteigerland für Ostasien.

Und als solches kann ich es auch jedem empfehlen, der ein Urlaubsland sucht in dem Individualtourismus ohne allzu viel Exotik, große Überraschungen und Risiken möglich ist.

Jene, die den Kick und das Abenteuer suchen, die ein fremdes ursprüngliches asiatisches Lebensgefühl bevorzugen (gibt’s das überhaupt?), ihre Grenzen spüren und ausloten wollen, die könnten in Gefahr laufen, dass Südkorea zu reglementiert, zu organisiert, zu modern, zu westlich und zu langweilig ist.

Ich überlege jedenfalls jetzt schon, was ich als nächstes angehe. China, Japan, stehen inzwischen definitiv auf meiner Urlaubsliste, sollte mein Bruder lange genug bleiben, dass wieder ein Besuch fällig wird.

Weitere Tourismus-Artikel auf deutschinkorea.blog

Über Gangneung: Romantik vor Traumstränden

Über Jeju:

Seoul:

Essen und Kleidung:

Und zuletzt: Mein Rückblick auf den Besuch aus der Heimat

 

 

 

2 Responses

  1. Interessanter Bericht. Mir ging es genauso, Asien war nie ein Urlaubsziel für mich. Weil meine Tochter ein Korea-Fan ist, und auch irgendwann mal dort hin will, wollte ich mehr wissen. Nach Ihrem Bericht bleibt ein gutes Gefühl. VG Rita

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