Kyoto – Als ich mein Herz an Japan verlor

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Die erste Station meiner Japan-Reise war Kyoto. Es war ein guter Einstieg in japanische Geschichte, Kultur und Cuisine.

Anreise über Osaka-Kansai

Kyoto hat keinen eigenen internationalen Flughafen, stattdessen fliegt man zunächst nach Osaka. Von dort gibt es regelmäßig direkte Zugverbindungen mit dem HARUKA Express über Shin-Osaka nach Kyoto Station. Die Reisezeit beträgt knapp eineinhalb Stunden. Die Kosten betragen 2.850 Yen, also etwa 25 Euro (wenn ich mich richtig erinnere), die Fahrt ist allerdings im Japan Rail Pass inkludiert.

Etwas verwirrend war, dass die Bahnhaltestelle am Flughafen nur zwei Bahnsteige hat und somit alle Züge vom gleichen Bahnsteig abfahren. Man muss ein bisschen aufpassen, dass man den richtigen Zug erwischt. Unter Umständen muss man einen oder zwei Züge abfahren lassen, bevor der richtige bereitgestellt wird.

Wie überall in Japan (und Südkorea) geht man an Haltestellen und Bahnhöfen durch eine Kontrollschranke. Man steckt das Ticket in den Schlitz, geht durch die Schranke und kann das Ticket am Ende der Schranke wieder entnehmen. Alternativ scannt man seine IC-Card und geht einfach durch.

Kyoto Station

Die erste Ankunft bei einem großen japanischen Hauptbahnhof war für mich einfach nur überwältigend. In Kyoto gibt es im Bahnhofskomplex gefühlte 25 Bahnsteige, einen Busbahnhof, zwei Hotels, ein Einkaufszentrum (auf 11 Etagen!) und eine U-Bahn-Station. Und natürlich unendlich viele Ausgänge. Letzten Endes habe ich den richtigen Exit gefunden. Immer schön ruhig bleiben :-).

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Der Makrokosmos Kyoto Station

Sehenswürdigkeiten

Kyoto Station ist bereits eine echte Sehenswürdigkeit. Ich habe schon viele Bahnhöfe gesehen, aber das war vielleicht der Interessanteste von allen (und einer der größten): ein riesiges Einkaufszentrum mit fantastischen Restaurants und einem eigenen Stockwerk für Ramen. Dazu gibt es noch ein Fast Food Universium (d.h. Sushi, Bento und Cafés) im Bahnhofsbereich und ein Eisenbahnmuseum. Abgesehen von diesem sehr modernen Gebäude besticht Kyoto aber hauptsächlich durch seine große Geschichte als ehemalige Kaiserstadt.

Das Stadtviertel Gion

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Yasaka Schrein bei Nacht

Gion ist/war das traditionsreichste Rotlichtviertel Japans. Mittlerweile hat es sich zu einem schicken aber immer noch authentischen Shopping- und Ausgehviertel gewandelt. Vielleicht leuchtet es noch irgendwo Rot, aber mir ist beim Spazierengehen nichts Einschlägiges ins Auge gesprungen. Wohl nicht ganz zufällig liegt hier mit dem Yasaka Schrein der einzige Schrein/Tempel der Stadt, der niemals schließt. Üblicherweise sind Tempel und Schreine nur zwischen etwa 9 und 17 Uhr zugänglich.

Hier gibt es unendlich viel zum Shoppen, Verkosten, Beobachten und Erleben. Aber Achtung: Am Wochenende wird es äußerst eng in den Straßen. Untertags pulsieren die markant überdachten breiten Einkaufsstraßen, des Nachts die engen Seitengassen. Geschlafen wird im nächsten Leben.

 

Higashi-Honganji und Ryukokuzan-Honganji Tempel

Die beiden Tempel liegen praktisch nebeneinander in der Umgebung von Kyoto Station und waren architektonisch meine absoluten Lieblingstempel in ganz Japan. Irgendwie sehen zwar alle Tempel ähnlich aus, aber mit dem großen Vorplatz und den schieren Dimensionen sticht insbesondere Higashi-Honganji heraus. Noch dazu kann man das ganze Innenleben des Tempels besichtigen (Schuhe ausziehen!), im Altarbereich herrscht allerdings Fotografierverbot. Absolut beeindruckend.

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Kaum in der Totale zu fotografieren: Higashi-Honganji Tempel

Zen Gärten

Der erste Zen-Tempel Japans wurde zwar in Fukuoka erbaut (dazu in einem anderen Artikel mehr), aber das Zen scheint eher in Kyoto zu Hause zu sein. Es gibt eine unfassbare Dichte an Schreinen, Tempeln und Gärten, die dieser Philosophie gewidmet sind. Für den vollen Genuss ist einiges an Wissen erforderlich, aber ich habe durch eine Air-BNB Experience mit einem amerikanischen Gartengestalter (ein dreieinhalbstündiger Spaziergang durch den Nanzenji-Tempelkomplex) einen tollen Einblick in diese Welt erhalten. Wenn man fachkundige Hilfe beim Besuch dieser Gärten erhält, dann offenbart sich die wunderbare und detailverliebte Welt des Zen und sein Einfluss auf die japanische Landschaftsplanung, Gärtnerei und Mentalität.

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Kurz zusammengefasst sollte man in einem Zen-Garten nach symbolisierten Schildkröten und Kranichen, geborgter Landschaft und Buddhasteinen Ausschau halten. Es sind Gärten, wie sich in der Natur nie vorkommen würden – eine Abstraktion von Natur, das ästhetische Perfektionieren von Natur, ökologisch nachhaltige vegane Kunst. Zen – auch nach 1000 Jahren an der Spitze des modernen Zeitgeists.

Link zur AirBNB Experience: Kyoto Zen Garden, Zen Mind

Arashiyama Bamboo Grove

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Das ist eine der Top-Sehenswürdigkeiten Kyotos, das heißt es werden Tag für Tag Busladungen an Touristen aus aller Welt herangekarrt. Wenn man sich die Besuchermassen vor europäischen Super-Sehenswürdigkeiten wie Sagrada Famìlia oder Eiffelturm vorstellt und verdoppelt kann man sich ungefähr vorstellen, wie die japanischen Verhältnisse sind. Das gilt nicht für jeden Tag, aber ich war leider an einem langen Wochenende in Kyoto, weshalb zu den internationalen Touristenmassen nochmal so viele Japaner kamen.

Der Bambuswald in Arashiyama ist auch eine sehr spezielle Sehenswürdigkeit: Es ist nicht so, dass es in Japan einen Bambuswald-Mangel gäbe – ganz im Gegenteil! – aber aus irgendeinem Grund ist jener in Arashiyama der Touristenmagnet geworden. Wer ein bisschen Zeit und Wanderausrüstung nach Kyoto mitbringt kann ein, zwei Stunden außerhalb der Stadt tagelang nur (menschenleere) Bambuswälder besichtigen, aber bei mir war leider beides nicht der Fall. Mein Ersatzplan: Frühmorgens bereits hinfahren. Die Strategie ging auf: ich stand im fünf Uhr Früh auf und war um 06:30 Uhr vor Ort. Außer mir waren noch drei andere Menschen in dem besagten Bambuswald und zwar ausgerechnet Fotografen, die sich natürlich ärgerten, dass ihnen ein seltsamer Österreicher vor die Linse wankt.

Um es kurz zu machen: der Wald war sehenswert, aber auch sehr klein und somit eigentlich kein Pflichttermin. Man bekommt aber definitiv schöne Fotos und die Anfahrt mit einer alten Straßenbahn (Arashiyama Line) ist ein Erlebnis für sich:

 

Eine Mitarbeiterin der Tourismusinformation empfahl mir, den Besuch des Bambuswaldes mit einem längeren Spaziergang durch den Nachbarort Sagano zu verbinden. Dort soll es um den Hirosawa-Teich eine sehr schöne Landschaft ohne viele Touristen zu sehen geben. Aufgrund des Regenwetters konnte ich das leider nicht durchziehen. Vielleicht beim nächsten Mal.

Fushimi-Inari-Schrein und Kinkakuji-Tempel

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Fushimi-Inari mit seinen langen Torii-Gängen

Für TripAdvisor sind das die Nr. 1 und Nr. 3 Aktivitäten in Kyoto. Dementsprechend ist auch der Besucheransturm. Fushimi-Inari habe ich noch halb durchgezogen und war dann eher enttäuscht, bei Kinkakuji war schon vor Öffnung eine so lange Warteschlange dass ich unverrichteter Dinge wieder kehrt gemacht habe. Beides sehr ungemütlich und absolut zu vermeiden! Ich habe von den Top 25 TripAdvisor Aktivitäten nur zwei gemacht (Gion und Fushimi-Inari) und war trotzdem vier Tage lang im Urlaubsstress. Das führt uns zur letzten Sehenswürdigkeit: nämlich die normalen „echten“ Schreine in der Nachbarschaft, die keinen Touristen interessieren und wo noch wirklich gebetet wird.

Straßen-Schreine an jeder Ecke

 

Rückblick

Kyoto war eine Wucht. Es gibt in dieser Stadt so viel zu tun, so viel Geschichte zu erleben, so viele Restaurants leer zu fressen, so viel über die Japaner zu lernen, dass man nie an ein Ende kommt. Nach vier Tagen habe ich nun ungefähr einen Plan, welche Möglichkeiten diese Stadt bietet. Aus Zeitgründen sind einige Aktivitäten liegen geblieben und Osaka ist überhaupt ganz weggefallen. Sollte ich wieder einmal dorthin reisen – idealerweise mit Wanderausrüstung – dann werde ich auch die Umgebung ein bisschen durchforsten und die Touristenströme gekonnter vermeiden als beim jetzigen Besuch.

Viele Leute haben mir vor meiner Reise gesagt, dass Kyoto ein guter Platz ist, um mit Japan anzufangen. Das kann ich bestätigen. Es ist ein Universum für sich, aber es bereitet auf alles andere ganz gut vor. Sowohl auf das „normale“ Japan weiter südlich, als auch auf die ultimative Metropolis Tokyo. Etwas das jeder Reisende nach Kyoto mitnehmen sollte ist Zeit. Vielleicht braucht es viele Reisen nach Kyoto um diese Stadt richtig kennenzulernen, aber ich hatte nach vier Tagen das Gefühl, erst so richtig anzufangen. Da war es für mich aber schon an der Zeit in mein Japan-Rail-Pass Abenteuer zu starten.

Mit meiner Unterkunft hatte ich Glück. Bei einer schnellen booking.com-Suche bekam ich als ersten Vorschlag das Kyoto Morris Hostel (Homepage oder booking.com) mit einem Sensationspreis von rund 9.000 Yen für drei Nächte (etwa 75 Euro). Das habe ich gleich gebucht und war damit sehr zufrieden. Absolute Empfehlung!

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