Fukuoka – Im Fallen und im Liegen

Die untouristischste Stadt meiner Reise – aber sicherlich nicht weniger spannend, als Kyoto oder Hiroshima zuvor.

Warum Fukuoka?

Es ist nicht die absolute Touristendestination. Ich habe während meines dreitägigen Aufenthalts tatsächlich wenig westliche Menschen gesehen. Dementsprechend ist auch die Verständigung auf Englisch eine Spur schwieriger, als anderswo in Japan.

Warum also Fukuoka? Die simple Antwort: In Hiroshima konnte ich mich ein bisschen mit einer Hotelmitarbeiterin unterhalten und habe sie nach einem Reisetipp auf der Strecke des Sakura-Shinkansen (Osaka-Hiroshima-Kagushima) gefragt – abgesehen von Osaka und Hiroshima. Ihre blitzartige Antwort: Fukuoka – groß, lebhaft, untouristisch. Perfekt! Einen Tag später saß ich im Shinkansen gen Süden.

In Fukuoka

Ich wusste gar nichts über Fukuoka und hatte bei meiner Ankunft kein Hotel gebucht. Ich schlich am Bahnhof (der heißt interessanter Weise nicht Fukuoka Station, sondern Hakata Station) in die Touristeninformation und bat um Hotelinformation und eventuell gleich Buchung. Man sah mich überrascht an und bat mich, das doch bitte über mein Smartphone zu erledigen. Fair enough! Stadtplan habe ich immerhin bekommen.

So landete ich in einem Mittelklassehotel in Bahnhofsnähe und erkundete am ersten Abend nur noch den (wieder äußerst großen) Bahnhof mit angrenzenden Einkaufszentren und Restaurantmeilen. Verglichen mit Hiroshima schien es eine überraschend moderne Stadt zu sein. Und es sollte die einzige Stadt meiner Japan-Reise werden, wo ich keine großen kulinarischen Erlebnisse hatte.

Wie besichtigt man eine Stadt ohne Plan? Ich setzte mich am ersten Morgen in die U-Bahn, fuhr zur Endstation und ging zu Fuß zum Hotel zurück. Mit Stadtplan natürlich, um ein paar Sehenswürdigkeiten mitnehmen zu können.

Atago Jinja Schrein

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Wie Fushimi-Inari in Kyoto, aber mit null Touristen!

Eine Oase der Ruhe. Der Schrein liegt etwas entlegen auf einem Hügel im Stadtteil Meinohama. Anders als die Touristenmagneten in Kyoto wirkt dort alles natürlich. Leute kommen für Andacht, rituelle Reinigung und Gebet. Hier wird die Religion noch tatsächlich praktiziert. Ob es jetzt Buddhismus oder Shintoismus ist oder die beiden Dinge eh das Gleiche sind habe ich nie ganz begriffen.

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Von oben hat man eine ganz fantastische Aussicht.

Momochi Beach & Fukuoka Tower

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Der große Stadtstrand Fukuokas macht durchaus Eindruck. Einerseits durch ein leicht ostseeisch wirkendes Stranddorf und die benachbarten Beachbars, andererseits durch den Fukuoka Tower, der im Hintergrund die Skyline mehr als dominiert.

Ein Wort zu diesem Turm: er ist eine reine Chimäre. Er sieht gut aus, es gibt drei Aussichtsplattformen samt Café in luftiger Höhe, aber sonst ist in dem Gebäude … NICHTS! Der Wolkenkratzer ist eine reine Touristenattraktion und nur eine leere Hülle, ein ästhetisch gelungener Handymast. Die Aussicht und das sehr nette Café auf mittlerer Höhe sind aber dennoch ein guter Grund für einen Besuch.

Der Grund, warum es sich trotz aller Einwände um eine sehr beliebte Touristenattraktion handelt ist, dass es eine für Japan sehr einzigartige Konstruktion ist. Ein Hochhaus direkt am Strand – das gibt es nirgendwo anders. In diese Richtung geht zumindest der Furor der Tourismuspropaganda. Wer allerdings Südkorea – insbesondere die Stadt Busan mit ihrem spektakulären Haeundae Beach kennt – kann über diesen einsamen Turm eher nur kichern. Im Haeundae ist die ganze Beachfront voll mit solchen Häusern. Vielleicht ist einfach der Boden Südkoreas tauglicher für solche architektonischen Rekordversuche.

An Fukuokas Momochi Beach selbst gibt es allerdings nichts auszusetzen.

Ohori Park

Ein Spaziergänger-, Läufer- und Radfahrer-Paradies rund um einen künstlichen See. Leider war der Japanische Garten bei meinem Besuch geschlossen.

Hakata

Hakata ist der alte Name der Stadt Fukuoka und bezeichnet heute den Bezirk mit dem historischen Stadtkern (und dem Hauptbahnhof). Wobei historisch rein chronologisch und nicht im Sinne schöner alter Häuser zu verstehen ist. Der Stadtteil ist super-modern (wohl auch wegen der Erdbeben) und nur einige Parks, Denkmäler und Tempel wurden in die Gegenwart gerettet. Darunter auch der erste Zen-Tempel Japans: Shofukuji.

Der liegende Buddha des Nanzo-in Tempels

Der liegende Buddha ist ein sehr beliebtes Motiv in Südostasien, in Japan allerdings eher selten. In der Nähe Fukuokas findet sich eine überlebensgroße Darstellung aus Bronze.

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Besonders spannend fand ich die vielen kleinen Statuen und Details rund um den Buddha, beispielsweise die roten Wollmützen :-). Wer macht sich bloß diese Arbeit?

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Hier kommt man leider nicht zu Fuß hin :-). Erreichbar ist der Tempel aber bequem mit der Bahn von Hakata Station: Kido-Nanzoin-mae Station, JR Fukuhoku Yutaka Line. Die Touristeninformation am Hakata Bahnhof hat formlose aber nützliche Wegbeschreibungen. Die Zügen fahren in sehr dichten Intervallen.

Burgruine Fukuoka Castle und Shoppingdistrikt Tenjin

Der Shoppingdistrikt bietet außer relativ vieler Straßenküchen nichts Besonderes und Fukuoka Castle ist eigentlich ein Nepp: schlecht ausgeschildert, sogar für eine Ruine lächerlich wenig Gebäude (nur Fundamente), kaum Infotafeln und kaum zu navigieren (ich habe 20 Minuten gebraucht, bis ich wieder heraus gefunden habe).

Das Zwischentief

Drei Städte in sieben Tagen, viele Eindrücke von einer doch sehr speziellen Kultur und Mentalität und eine unerwartete mehrtägige Hitzewelle mit Spitzentemperaturen über 30°C brachten mich nach einer Woche Japan psychisch und physisch ans Limit. Mein Anfangstempo war einfach zu hoch. Japan erschlägt seine Besucher an jeder Straßenecke mit Architektur, Kultur, Essen, ungewohnten Interpretationen von Höflichkeit, Menschenmassen, vergleichsweise flottem Gehtempo der Passanten, aber auch Geschichte und pulsierender Lebenslust. Der extreme Wechsel von andächtigen Ruheoasen (Tempel, Schreine, Parks) hin zu den Schrillen Ausgeh- und Shoppingvierteln ist wie eine Kneippkur. Nach einer Woche war ich am Limit. Ich bereute meine Entscheidung, die Wanderschuhe zu Hause zu lassen und stattdessen nur mit Handgepäck zu reisen. Das hatte natürlich seine Vorteile, aber ein oder zwei Abstecher in die Natur zum Wandern oder zumindest Seelebaumeln hätten mir bei der Verarbeitung der neuen Eindrücke sicher geholfen.

Ich machte das beste aus der Situation: ich strich Osaka aus dem Reiseplan und blieb stattdessen eine dritte Nacht in Fukuaka – und zwar im Ryokan. In dieser traditionellen Japanischen Herberge habe ich mich in meinem sehr heimeligen und geräumigen Zimmer (mit Bastmatten, Papierschiebetüren und allem drum und dran) verkrochen, herrlich gedankenverloren herumgeknotzt und erfolgreich neue Energie getankt.

Japan ist anstrengend, bietet aber auch viele Entspannungsmöglichkeiten: Wandern, Massage, Thermalbad (Onsen), Zen-Gärten usw.

Mehr Informationen zu meinen Hotelerlebnissen in Japan (und vieles mehr) könnt ihr in meinem ersten Japanartikel Auf nach Japan! nachlesen.

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