Südkorea: Visum online verlängern

So sehr mich die Immigrationsbehörden bei meinem Erstantrag anno 2017 zum Schwitzen gebracht haben, so zügig verlief die Verlängerung des Visums.

Gute Kommunikation

Mehr als drei Monate vor Ablauf meiner Aufenthaltsdauer bekam ich ein formloses, aber überraschend freundlich formuliertes Schreiben der zuständigen Behörde. Darin standen auf koreanisch und (gutem) Englisch einige Empfehlungen zur weiteren Vorgehensweise bei Ausreise oder gewünschter Verlängerung der Aufenthaltsdauer.

Darüber hinaus fanden sich darin erste Instruktionen für die relativ neuen Onlineservices der Immigrationsbehörde. Man ist offenbar sehr daran interessiert, den „Papierkrieg“ und Amtsschimmel zu reduzieren und bittet alle Antragssteller, ihre Dokumente – sofern möglich – online einzubringen. Als zusätzliche Motivation gibt es dafür eine reduzierte Bearbeitungsgebühr: man zahlt statt 60.000 Won nur 50.000 Won.

Folgende Begehren kann man über www.hikorea.go.kr aktuell online einbringen:

  • Wechsel des Arbeitgebers
  • Änderung persönlicher Daten
  • Arbeits-Angelegenheiten von Austauschstudenten (Aufnahme einer Beschäftigung usw.)
  • Verlängerung des Aufenthalts für „short-term visitors“ und „registered foreigners“

Grundvoraussetzung für all das ist ein Benutzerkonto auf http://www.hikorea.go.kr – für fast alles weitere gibt es englischsprachige Instruktionen auf der Webseite. Wie in Korea üblich sind aber einige Schlüsselinformationen nur auf Koreanisch verfügbar, z.B. die maximale Dateigröße für Uploads (500 KB) oder welche Dokumente in welchen Formular-Abschnitt hochgeladen werden sollen. Mit ein bisschen Hilfe eines Koreaners lässt sich das aber rasch lösen. Genauso seltsam und häufig sind die verschiedenen Macken koreanischer Websites: unzählige Plugins und Sicherheitsprogramme wollen installiert werden und außer Internet Explorer mag kein Browser so richtig funktionieren.

Antrag online erstellen und Bearbeitungsgebühr bezahlen

Wenn die Technik mitspielt, kann man nun seinen Antrag erstellen – natürlich nur während der Öffnungszeiten des Immigration Office – im Internet wird ja auch um acht Uhr Abends das Licht ausgeknipst. Naja, der Amtsschimmel darf eben nicht ganz aussterben.

Sehr bequem ist, dass die meisten Stammdaten bereits aus der Immigrations-Datenbank ins Online-Formular eingespeist werden, d.h. man muss nur wenige Informationen ergänzen. Auf der nächsten Seite geht es dann ans Eingemachte: der ganze Wulst an notwendigen Dokumenten soll hier in fünf PDF-Dateien hochgeladen werden (jeweils maximal 500 KB). Dieses Formular gibt es aktuell nur auf Koreanisch.

Notwendige Dokumente

Docs.PNG

Die Übersetzungen:

  1. Pass
  2. Arbeitsvertrag
  3. Gewerberegistrierung des Arbeitgebers
  4. Mietvertrag oder Meldebestätigung vom Community Center des Wohnbezirks („Dong“)
  5. Sonstiges

Für Punkt 5 hat mein Arbeitgeber dankenswerter Weise vorab nachgefragt. Mein Chef hatte im Endeffekt durch meinen Antrag mehr Arbeit als ich: vom Arbeitgeber braucht man nämlich nicht nur Arbeitsvertrag, sondern auch

  • Zusätzlich zum unterschriebenen Arbeitsvertrag eine separate Bestätigung der Beschäftigung von der Geschäftsleitung (doppelt hält besser … Hüa Amtsschimmel!)
  • Tätigkeitsbeschreibung für meine Position
  • Übersicht über sämtliche beschäftigte Ausländer in der gleichen Position und deren Arbeitsumfang
  • Auszug aus meinem Steuerregister

Alles natürlich mit Firmensiegel, Stempel und/oder Unterschrift der Geschäftsleitung und am besten gleich schriftliche Erlaubnis von Angela Merkel und Sebastian Kurz mit Beweisfoto von der Unterzeichnung.

Der weitere Verlauf

Am Tag nach der Antragseinbringung bekam ich eine SMS mit der knappen aber unmissverständlichen Nachricht:

„Your app. from [heutiges Datum] was accepted by an appropriate dept.“

In Amtsdeutsch würde das wohl so klingen: „Die zuständige Behörde hat sich nach erfolgreicher Weiterleitung der Bearbeitung Ihres Anbringens angenommen.“ Kleine Fußnote: Amtskoreanisch dürfte genauso seltsam formuliert sein, wie Amtsdeutsch. Meine Kolleginnen und Kollegen haben bei Durchsicht der Formulare und Instruktionen auch gern mit den Augen gerollt und mussten Sätze mehrmals lesen.

Das Wichtigste ist jedoch: nur eine Woche nach Antragsstellung und gerade einmal vier Werktage nach Eingangsbestätigung bekam ich die ersehnte zweite SMS:

„Your app. from … was granted“

Und so gibt es auch 2019 noch einen bloggenden Wiener Deutschlehrer in Seoul :-).

beautiful daylight fall korea
Photo by Pixabay on Pexels.com

Epilog: Alien Registration Card neu bedrucken lassen

Auf der Rückseite der Alien Registration Card ist die gewährte Aufenthaltsdauer aufgedruckt. Nach Verlängerung des Aufenthalts muss diese Information auch aktualisiert werden. Das geht natürlich nicht online, sondern nur an einem Immigration Office. Im Jonggak Immigration Office in Seoul (Link zu Google Maps) dauerte das nicht einmal fünf Minuten. Es ist keine Terminvereinbarung notwendig, denn für derartige Kleinigkeiten hat man dort einen eigenen Schalter.

Für die Aktualisierung ist man nicht an sein „Heimatimmigrationoffice“ gebunden, sondern kann einen beliebigen Standort besuchen.

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