Im Land ohne Postleitzahlen

Es ist ganz erstaunlich, aber Südkorea hatte bis vor einigen Jahren keine offiziellen Postleitzahlen.

I am NOT a number, I am a free man!

Frei nach Iron Maiden’s Kultsong „The Prisoner“: Wer braucht schon eine Nummer! Warum schreibt man auf den Brief nicht einfach den Namen des Stadtbezirks? Ist nicht „Mok-dong“ genauso gut wie null drei irgendwas? Oder „Simmering“ genauso gut wie einseinseinsnull? Tja, so funktionierte das alte Adressensystem der Stadt Seoul. Die Postanschrift war der Name des „Dongs“, also des Bezirks, gefolgt von zwei dreistelligen Nummern. Diese Nummern waren weder Postleitzahl noch Hausnummer, sondern einfach eine zufällige Nummerierung: Person A wohnt in Straße Nr. 140 und Abschnitt 290. Oder so. Falls dahinter einmal eine Logik stand, kann sich keiner mehr daran erinnern.

Eigentlich konnte man sich sogar diese Nummerierung sparen, denn interessanter Weise haben alle Häuser bzw. Wohnkomplexe einen Namen: „Kolon Villa“, „Dream Villa“, „iPark“, „The Hill“ und andere mehr oder weniger gelungene Namen waren und sind anstatt Hausnummern an die Straßenfronten montiert.

Um sich dem Rest der Welt anzupassen, lobbyiert die Koreanischer Post seit einigen Jahren ein neues Anschriftssystem auf Basis von Postleitzahl und Hausnummer.

Was ist meine Postleitzahl?

Das bringt mich gleich zum großen Problem für Koreaner und Ex-Pats: oft steht im Mietvertrag die Adresse im alten Format und auch die Rechnungen bekommt man mit der alten Adressversion zugeschickt. Alles ohne Postleitzahl. Für Geschenkpäckchen aus dem Ausland ist eine solche jedoch oft förderlich und so steht man vor einem Problem.

Die Lösung des Problems ist hier: ePost Korea

Die koreanische Post betreibt dieses Online-Portal, damit jedermann und jedefrau bequem seine heiligen postialischen Ziffern herausfinden kann. Und siehe da, so kann man seinen Liebsten für das nächste Care-Paket eine Adresse geben, bei dem der heimische Postler nicht die Stirn runzelt.

Dass in Südkorea somit zwei Adressensysteme parallel in Gebrauch sind und kein Mensch weiß, welche die bessere/richtige/zukunftsträchtige ist bereitet wiederum mir Stirnrunzeln. Meine Erfahrung: Online-Bestellformulare sind eher für das neue System ausgelegt, die Ohren der herumdüsenden Essens-Lieferanten eher für das alte.

 

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s