Liebe, Luft und Natur

Meine Liebeserklärung an Seouls Liebes- und Lebensberg Namsan.

Der erste Schritt geht immer zur Tür raus

Es beginnt zu Hause im fünften Stock: Beim Treppablaufen kommt mir diese gewisse Ironie in den Sinn. Jene Ironie, dass ich nun am Start meines Spazierganges fünf Etagen Treppen herunterhechte, um wenige Minuten später den steilen Aufstieg auf meinen Hausberg Namsan hinaufzuhecheln.

Ein paar Meter durch das mehr oder weniger öde Wohnviertel, das ich meine Heimat nenne. Ein Moped zischt an mir vorbei. Heute ist’s der Lieferdienst eines der unzählichen Fried-Chicken-Lokale. Zarte Noten von triefend fettem Hühnerfleisch winden sich im Motorendunst. Ein viel zu großes Auto zwängt sich in Gegenrichtung durch die enge Straße. Der Mopedfahrer windet sich verblüffend routiniert drumrum und düst aus dem Blickfeld. Ich trete zur Seite, lasse den – natürlich koreanischen – Familienhobel passieren.

Huamdong 016

Zu meiner Rechten thront ein modernes Haus, dass mit seiner Glas/Metall Architektur zwischen all den alternden Ziegeluniformen fast schon ZU mutig wirkt. Ein paar Meter weiter geht es über die Hauptstraße und auf Steintreppen und steile Gässchen Richung Gipfel. Schon der Weg zum eigentlichen Namsan-Erholungsgebiet ist etwas fordernd. Kein Wunder, dass an einem Streckenabschnitt gerade intensiv an einem Schrägaufzug gebastelt wird.

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Blick von Haebangchon über Huam-dong

Zur Grenzstraße Sowol-ro

Das bebaute Gebiet endet nach einem weiteren steilen Anstieg äußerst abrupt und ist durch eine Schnellstraße wohl dauerhaft eingeschnürt. Schwer vorstellbar, dass auch jenseits der Straße irgendwann gebaut wird. Zu wichtig ist den Koreanern dieser Namsan und zwar nicht nur jenen, die in seiner Nachbarschaft wohnen. Mehrmals wurde mir dieser Berg genannt, als ich Menschen nach ihrem Lieblingsplatz in Seoul fragte. Bei den jungen Verliebten ist es sogar eine regelrechte Pilgerstätte, aber dazu später noch mehr.

Ab in die Natur

Jetzt geht es vorbei an einem Badminton-Court und dann entlang eines Waldwegs recht steil bergauf. Meines Wissens ist genau hier der einzige nicht asphaltierte Weg auf den Namsan. Wohl nicht ganz zufällig ist es auch der am wenigsten begangene.

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Durch den Wald geht es rauf zum Namsan dulle-gil, also dem Namsan Rundweg. Hier befindet man sich in etwa auf halber Höhe. Ganz in der Nähe befindet sich ein Glühwürmchen-Biotop. Das sagt zumindest die dort befindliche Infotafel. Echte Glühwürmchen konnte ich dort noch zu keiner Tages- oder Nachtzeit wahrnehmen.

Auf einem weiteren steilen und recht wilden Waldweg geht es weiter bis zum Gipfel. Der Weg endet unterhalb der Stadtmauer und der nächste Übergang befindet sich links gleich neben dem SevenEleven. Ja, richtig gehört, SevenEleven. Diese allgegenwärtige Minisupermarktkette befindet sich sogar auf dem Namsan. Zugegeben direkt neben dem Busterminal, also mit enormem Laufkundschaftspotenzial. Drei Linienbusse und gefühlte Millionen Reisebusse speien hier beinah im Minutentakt ihre Menschenmassen auf den Asphalt und die Holzbretter der nordseitigen Aussichtsplattformen. Allen steht von dort noch fünf bis zehn Minuten Fußmarsch bis zur höchsten Erhebung und dem Namsan Seoul Tower, dem wohl markantesten Wahrzeichen der Stadt, bevor.

Im touristendurchfluteten Turm (und dessen Vorplatz) kann man hervorragend Menschen beobachten – an schönen Tagen (und Nächten) aber nur, wenn man mit großen Menschenmengen gut umgehen kann. Im Winter ist die Situation angenehmer.

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Der Liebesberg

Namsan ist in Seoul die Pilgerstätte aller frisch Verliebten. Und aller schon länger Verliebten. Und aller, die es bald werden wollen. Veranschaulicht wird das durch die Masse an „Liebesschlössern“. Ein gefinkelter Geschäftsmann hat sogar ein Liebesschlossgeschäft eröffnet.

Es gibt ein kleines Einkaufszentrum, viele Cafés und Restaurants und natürlich eine Aussichtsplattform oben auf dem Turm. Auch am Fuße des Turms bleibt die schöne Aussicht die Hauptattraktion.

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Rauf und wieder runter

Der Turm steht nicht an der höchsten Erhebung des Namsan. Technisch gesehen wird diese durch einen Pavillion „markiert“:

Hinter dem Pavillion befindet sich die Seilbahnstation. Ja, dieser 300 Meter Hügel kann von Myeongdong aus (Nordseite) bequem mit Seilbahn erklommen werden. Kostenpunkt für die kurze Fahrt sind (eigentlich irrwitzige) sieben Euro. An der beachtlichen Länge der Warteschlange lässt sich aber erkennen, wie populär diese Zusatzattraktion ist – wenngleich hauptsächlich bei Touristen.

Der ewigen Steintreppe und der Stadtmauer weiter folgend kommt man – zurück auf halber Höhe – zu einer sehr schön positionierten Aussichtsplattform (Blickrichtung Westen) und schließlich erneut zu einer Kreuzung mit dem Namsan dulle-gil (Rundweg). Dort befindet sich auch eines der besten Freiluft-Fitness-Ecken der Stadt.

Das letzte Stück

Am westlichen Ende des Stadtmauer-Abschnitts (Artikel hierzu) gibt es noch einen kleinen Park zu bewundern, bevor es am Luxustempel Millennium Hilton vorbei zurück ins heimatliche Huam-dong geht. Damit ist meine Dosis Namsan für heute abgeschlossen. Die nächste kommt bestimmt bald …

 

 

 

 

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