Koreas Motel-Universum

Nach einigen Reisen in Korea teile ich nun meine Erfahrungen mit der billigsten westlichen Unterbringungsmöglichkeit des Landes: Motels.

Preisklasse

Wie so oft in Asien gibt es nur Zimmer für zwei Personen (Doppel- oder Zweibett) oder mehr. Für Alleinreisende gibt es keinen Rabatt. Allerdings sind die Preise für ein Doppelzimmer vergleichsweise niedrig. Das teuerste Motelzimmer auf meiner Liste kostete 100.000 Won pro Nacht, das billigste 50.000 Won (rund 75 bzw. 45 Euro). Es gibt allerdings bereits große Preisunterschiede im selben Motel – je nach Wochentag und Saison.

Frühstück wird in den meisten Fällen nicht angeboten. Motels befinden sich vor allem im Umfeld von Bahnhöfen, Busbahnhöfen und Ausgehvierteln.

Annehmlichkeiten

Trotz des geringen Preises liegt in Motelzimmern immer eine beeindruckende Auswahl an Goodies bereit: Wasserflaschen, Instantkaffee, Wasserkocher, Haarfön und natürlich alle Pflegeartikel, die man üblicherweise benötigt: von Shampoo über Rasierer (kein Rasierschaum) bis zu Wattestäbchen. In einem Motel hatte ich sogar einen Zimmercomputer mit Internetanschluss. WiFi ist allerdings auch immer vorhanden. Die Zimmer sind ausreichend groß, sauber und haben ein schönes Bad. Die Betten sind meistens sehr hart, aber gut.

Für Kurzentschlossene sind vor dem Eingang Fotos der Zimmer und Infos zu angebotenen Goodies zu sehen. Ob das allerdings immer der Wahrheit entspricht … Jedenfalls findet man meistens noch sehr kurzfristig ein Motel-Zimmer.

Der niedrige Preis rührt hauptsächlich von der familiären Atmosphäre und der untouristischen Lage. Die „Rezeption“ ist oft gleichzeitig das Wohnzimmer der Besitzer. Irgendwelche Sicherheitsvorkehrungen gibt es nicht. Zwar sind meistens Überwachungskameras vorhanden, allerdings sind die Eingänge immer offen.

Zudem hatten alle Motels, in denen ich bisher nächtigte, nicht nur eine schlechte Aussicht, sondern sogar lackierte Fenster. Das heißt, Tageslicht sieht man im Zimmer nur, wenn man die Fenster öffnet. Wenn man aber die Fenster öffnet und die Aussicht „genießt“, möchte man diesen Anblick oft schnell wieder verdrängen.

Eine Unterkunft für gewisse Stunden …

Bei Komfort und Ausstattung ist an Motels – gemessen am Preis – überhaupt nichts auszusetzen. Ein Hauptklientel sind allerdings Pärchen auf der Suche nach einem ruhigen Schäferstündchen. Jetzt von einem Stundenhotel zu sprechen, wäre aber übertrieben. Wenn man sich nicht direkt in einem Rotlichtviertel einquartiert, muss man keine gewerbliche Prostitution befürchten.

Die Sache ist die: Wohnraum ist knapp, viele junge Leute wohnen noch bei ihren Eltern und die Eltern wiederum auf vergleichsweise wenig Quadratmetern mit Kindern und eventuell noch Verwandten zusammen. Dass unverheirate Paare zusammen wohnen, ist kein weithin akzeptiertes Lebensmodell. Dadurch wird jedes Liebesspiel zu einer Geheimdienstoperation. Die Lösung: richtig! Ab ins Motel! Sofern man es sich leisten kann. Auf einem schönen Doppelbett macht’s vielleicht auch mehr Spaß, als auf den traditionellen Bodenmatten zu Hause.

Stunden- oder Urlaubsmotel?

Wie erkennt man als Tourist die Lärmbelästigungs-Wahrscheinlichkeit eines koreanischen Motels? Grundregel: Wenn Zimmer sogar auf booking.com als „Resting Room“ stundenweise angeboten werden, kann man wohl ahnen, wie die Hasen laufen. Vermutlich sind hier gleich ein paar Kondome im Preis inkludiert. Andererseits mag es manchmal ganz praktisch sein, ein Hotelzimmer (so wie an manchen Flughäfen bereits üblich) ganz seriös für nur wenige Stunden zu beziehen.

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Faktor 1: Der Preis!

In meinem 100.000 Won Motel hörte ich keinen Pieps, im 65.000 Won Motel piepste es abends (und morgens) doch ziemlich eindeutig. Wobei ich hinzufügen möchte: Auch in diesem Motel ging’s noch gesitteter und ruhiger zu, als in so manchem IBIS in anderen Ländern.

Es gibt Motels, die Zimmer für deutlich weniger Geld hergeben. Die dortige Geräuschkulisse ist dann mit Sicherheit im Preis inkludiert. Diese Motels sind meistens nicht bei den einschlägigen Buchungs-Apps dabei, sondern auf Laufkundschaft spezialisiert.

Faktor 2: Lage!

Motels sind immer in den ranzigeren Ecken der Stadt: Bahnhöfe, Busterminals, Rotlichtviertel, Stadtrand usw. Einige bei Motel-Buchungen riskante Nachbarschaften: Itaewon in Seoul, sowie Chinatown und Haeundae in Busan.

Faktor 3: Motel-Name!

Das ist reine Spekulation meinerseits, aber in ein Motel mit schlüpfrigem Namen und/oder Herzchen bzw. sonstigen Liebessymbolen über dem Eingang würde ich eher nicht gehen. Ein paar Beispiele:

 

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