Koreas schönste Stadt? – Drei Tage in Jeonju

Der Jahreswechsel brachte ein paar freie Tage und endlich wieder eine Gelegenheit durch Korea zu reisen. Mein erstes Ziel: Jeonju.

Erste Infos

Jeonju liegt in der westlichen Jeolla Provinz und ist mit rund 650.000 Bewohnern immerhin die sechzehntgrößte Stadt Südkoreas. Sie dürfte sich erst in den letzten paar Jahren für westlichen Tourismus geöffnet haben, ist aber mittlerweile was Sauberkeit und englischsprachige Wegweiser und Busdurchsagen anbelangt perfekt herausgeputzt.

Anfahrt

Die Anfahrt von Seoul ist denkbar einfach: vom Expressbusterminal in Gangnam (Sektion „Honam Line“) gibt es alle zehn Minuten Abfahrten nach Jeonju. Die Fahrtdauer ist mit zwei Stunden vierzig angegeben. Das inkludiert einen fünfzehnminütigen Raststopp. Der Preis für eine Fahrt liegt je nach Buskategorie zwischen 12.800 und 20.700 Won (neun bis fünfzehn Euro). Nähere Informationen zu Expressbussen (Buchung, Komfort usw.) gibt es in meinem älteren Artikel „Koreas Expressbus-Universum“.

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Der sehr übersichtliche Expressbus-Terminal in Jeonju.

Die Bahn steht dem in nichts nach. Der Terminus für die Strecke nach Jeonju ist Yongsan Station (U-Bahn-Linien 1 und 4). Von dort gibt es täglich vierzehn Direktverbindungen mit dem Hochgeschwindigkeitszug KTX (vier davon fahren von/nach Seoul Station). Die Fahrtzeit beträgt etwa eineinhalb Stunden. Dazu kommen ein paar Verbindungen mit langsameren Zügen (ITX-Samaeul und Mugunghwa).

Die Preise liegen beim KTX zwischen 29.200 und 48.200 Won (25 bis 40 Euro) pro Fahrt. Ein Sitz im Mugunghwa würde nur 17.500 Won kosten, allerdings wäre dann die Fahrtzeit mit dreieinhalb Stunden deutlich länger.

In der Stadt

Hanok Village

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Die Hauptattraktion Jeonjus ist eindeutig sein traditionelles Stadtviertel: das Hanok Village. Verglichen mit jenem in Seoul ist es durch die fehlenden Wolkenkratzer im Hintergrund deutlich fotogener und authentischer. Zudem gibt es mehr Guesthouses im Hanok-Stil. Wer also mal authentisch übernachten will, der wird in Jeonju wohl einfacher (und billiger) fündig, als in der Hauptstadt. Die Masse an Touristen ist in etwa gleich (groß).

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Es gibt einen markierten Rundweg durch das Viertel, der einen richtig schönen längeren Spaziergang ergibt. Die Wegweiser sind leider nur koreanisch (Rundweg heißt „Dulle-gil“/“둘레길“).

Im weitesten Sinne Teil des Hanok Village sind einige andere Sehenswürdigkeiten der Stadt: Pungnammun Gate mit Friedensstatue, Gyeonggijeon Schrein, die Hügel-Pavillions Omokdae und Imokdae, sowie die katholische Jeongdong Kathedrale. Letztere ist die vielleicht einzige wirklich schöne Kathedrale des Landes.

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Pungnammung Gate. Friedensstatue zur Erinnerung an die „Trostfrauen“ der japanischen Kolonialzeit im Vorgergrund.
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Ein Gebäude im Gyeonggijeon Schrein
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Blick auf den Hügel-Pavillion
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Jeongdong Kathedrale

 

Darüber hinaus gibt es ganz viele charmante Kleinigkeiten zu erkunden, wie zum Beispiel ein Makgeollimuseum oder ein Fächermuseum!

Deokjin Park

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Dieser Park ist kein Zen-Garten, folgt aber einigen Prinzipien. So gibt es zum Beispiel einen künstlichen See mit einer kleinen Insel in der Mitte. Ein guter Ort zum Entspannen. Ein kleiner Tipp: In unmittelbarer Nachbarschaft liegt der Campus der Chonbuk Universität. Der Campus ist sehr „grün“ und daher gut zum Spazierengehen. Desweiteren gibt es rund um die Haupteinfahrt (südseitig) ein nettes Ausgehviertel.

Nambu Market

Koreanische Märkte sind immer interessant: verranzte Atmosphäre, viele Menschen, ungesundes Essen, exotische Produkte. Alles, was das Herz begehrt :-). Gleich neben dem Hanok Village auf der anderen Seite des Pungnammun Gate.

Chimyeongjasan Holy Ground

Landschaftlich, geschichtlich, künstlerisch und religiös ein absolutes Juwel. Es handelt sich um einen kleinen Berg dessen felsige Spitze – mit ein bisschen Fantasie – einer Pietà ähnelt. Die Pietà ist eine Darstellung Marias mit dem toten Jesus auf ihrem Schoß. Ein Weg zur Spitze ist als Kreuzgang gestaltet.

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Wie ich gelernt habe, kam der Katholizismus im frühen siebzehnten Jahrhundert nach Korea und seine Anhänger wurden bis Einführung der Religionsfreiheit 1886 unterdrückt und verfolgt. Über 10.000 Gläubige starben in dieser Zeit einen Märtyrertod. In Jeonju wurde das Paar Yu Jung-cheol (John) und Yi Sun-I (Rugalda) – die der Legende nach ewige Enthaltsamkeit geschworen hatten – 1790 hingerichtet. Sie waren neunzehn und sechzehn Jahre alt. Die Überreste der beiden (und anderer Opfer) sind in diesem Holy Ground begraben. Am Ort der Hinrichtung steht heute die bereits erwähnte Jeongdong Kathedrale.

Chimyeongjasan liegt etwas abseits, ist aber vom Hanok Village in einem angenehmen dreißigminütigen Spaziergang zu erreichen. Einfach immer dem Fluss entlang.

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Essen und Trinken

Jeonju ist die Heimat von Makgeolli und Bibimbab. Letzteres wird durch Zugabe eines rohen Eidotters und verschiedener Sprossen aus der Region, sowie eine Spezialsauce veredelt. Für Makgeolli gibt es ein kleines Museum und insgesamt drei städtische Schwerpunktzonen: die Makgeolli-Streets. Für Lukullisches ist also bestens gesorgt.

Mahlzeit!

P.S. Mir ist in Jeonju wieder vor Augen geführt worden, wie grandios Südkorea im Winter ist: wenig Niederschlag, oft strahlend blauer Himmel, relativ lange Tage, Natur in interessantem grün-braun Kontrast. Man muss nur die Eiseskälte aushalten ;-).

 

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