Koreanisch lernen … meine Niederlage

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15 Monate Südkorea, 14 Monate Sprachkurse und 0 Kompetenz. Ein Verzweiflungsbericht mit Happy End.

Vorwort

Ich bin der Arbeit wegen nach Südkorea umgezogen. Bereits vor meiner Vertragsunterzeichnung war klar, dass ich keinerlei Unterstützung beim Erlernen der Koreanischen Sprache erhalten würde. Zudem arbeite ich als Deutschtrainer in einer Branche, wo zu allen Tageszeiten und an allen Wochentagen gearbeitet wird – und sich die Zeiten teilweise von Monat zu Monat ändern.

Ich hatte anfangs gehofft, dreimal pro Woche einen Kurs besuchen zu können, doch das erwies sich rasch als utopisch. Es gelang mir letztlich den Samstagnachmittag für Koreanischunterricht zu reservieren. Ich fand zwei Vereine, die an diesem Termin kostenlose Sprachkurse anbieten. Im Laufe meines ersten Jahres probierte ich beide aus. Anfangs konnte ich schon einiges mitnehmen, doch irgendwann stieß ich mich an eine gläserne Decke. Nichts ging mehr. Das hatte zeitliche Gründe, weil mich meine Arbeit manchmal sehr einspannte, lag aber andererseits an der Qualität der Kurse und zuletzt auch daran, dass mein Leben auch in Seoul zu 80 % auf Deutsch funktioniert. In der Arbeit sowieso, aber auch im Freundes- und Bekanntenkreis. Die Koreaner, die ich in der Freizeit treffe, wollen dann auch eher ihr Englisch trainieren, als mein Koreanisch. Es gilt als höflicher, mit einem Gast in dessen Sprache zu kommunizieren. Deshalb sind manche Koreaner, die nicht Englisch sprechen, sehr scheu, wenn sie mit einem Fremden in Kontakt kommen und ihm sprachlich nicht entgegenkommen können.

Ich war immer sehr ambitioniert, aber letztlich habe ich 2018 nur rund 70 Stunden Unterricht geschafft. Das wäre bei einem normalen Sprachinstitut ein halbes Kompetenzlevel, also noch nicht einmal ganz A1. Mehr Zeit war einfach nicht drin. Das finde ich sehr schade, aber es ist wie es ist. Ich bin immer noch sehr motiviert und hoffe an meiner nunmehr dritten Lernstation auf eine etwas steilere Lernkurve.

Meine bisherigen Stationen

Mein erstes Jahr in Korea mit den beiden „Amateurkursen“ war teilweise hilfreich und interessant, aber letzten Endes auch sehr frustrierend. Mittlerweile leiste ich mir einen Bezahlkurs an einem professionellen Sprachinstitut und bin bisher begeistert. Definitiv ein Schritt nach vorne.

Station 1: Sookmyung Korean Education Volunteers

Hierbei handelt es sich um ein Programm des „Center for Continuing Education“ der Sookmyung Frauenuniversität. Die Kurse finden immer samstags zwischen 15 und 17 Uhr statt, beginnen in ungeraden Monaten und laufen dann zwei Monate. Allerdings gibt es keinen rechten Plan, wie man denn ins nächsthöhere Level aufsteigen soll. Ich habe selbst erlebt (und auch von Mitschülern gehört), dass die Unterschiede zwischen bspw. Level 1 und Level 2 Klassen sehr groß sind. Es gibt kaum Kontinuität.

Alles ist sehr gut organisiert, der Sprachunterricht und die Kurshefte teilweise schlecht. Jede Stunde läuft gleich ab: es gibt einen kleinen Dialog zu einem bestimmten Thema. Dieser wird laut gelesen, dann Vokabular besprochen, ein Grammatikthema eingeführt und abschließend der Dialog noch einnmal besprochen. Besonders schlimm ist, dass viele Lehrerinnen für das neue Vokabular ein Arbeitsblatt mit zusätzlichen Beispielsätzen austeilen, in denen wiederum viel neues Vokabular enthalten ist. Es geht fast nur ums Lesen – Sprechen und Hören spielen keine Rolle. Es gibt keinerlei Leistungsüberprüfung.

Ich habe dort die Alphabetsklasse („Hangeul-Class“), Level 1 und Teile von Level 2 besucht. Alle diese Niveaustufen werden auf Englisch unterrichtet, was schlecht ist. Erst ab Level 3 erfolgt der Unterricht ausschließlich auf Koreanisch. Der ganze Betrieb wird von den Studentinnen im Alleingang organisiert, die sie sich ihr Engagement wohl für das Studium anrechnen lassen können.

Die Kosten belaufen sich auf lediglich 1.000 Won pro Termin (weniger als ein Euro) plus alle zwei Monate 4.000 Won für das neue Kursheft.

 

Station 2: Garwol-dong Kongbubang

Donnerstagabends ab 19 Uhr und samstagnachmittags ab 16:30 Uhr trifft man sich im Garwol-dong Community Service Center. Dieser Kurs wurde mir von Kollegen empfohlen und ich bin zwischendurch dorthin gegangen, weil es ganz in der Nähe der Sookmyung University liegt (siehe oben). Es wird mehr Fokus auf Sprechen gelegt und manche Lehrkräfte sind sehr nett. Bei der Fachkompetenz sind sie allerdings eher schlechter, als bei SKEV.

Und auch hier gibt es das große Problem, dass man kaum von einem Level ins nächste aufsteigen kann, weil der Sprung einfach zu groß ist. Zudem ging es mir mit der Zeit sehr auf die Nerven, dass jeder zweite Beispielsatz etwas mit Alkohol zu tun hatte.

Der Kongbubang ist ein großartiger Ort, um Leute kennenzulernen und mal einen heben zu gehen und ist auch als kleiner Zusatzkurs neben einem „richtigen“ Sprachkurs brauchbar. Als alleinige Koreanischquelle ist es aber langfristig genauso nutzlos, wie die SKEV.

Wer das Lehrbuch kaufen will, muss ein bisschen was zahlen, aber die „Kursgebühr“ ist nur eine freiwillige Spende. Das eingenommene Geld wird teilweise in gemeinsame Saufgelage investiert.

Station 3: YouTube – Talk to me in Korean

„Talk to me in Korean“ ist ein Online-Portal, das einen Bezahlbereich hat, aber auch einen kostenlosen Bereich, zu dem auch ein YouTube-Kanal gehört. Dort kann man sich recht nützliche Videos zu verschiedenen Alltagssituationen ansehen. Die Idee, Koreanisch im Internet zu lernen, hat mich aber nie begeistert. Ich habe in der Vergangenheit Online-Kurse zu verschiedenen Themen gemacht und kann mir nicht vorstellen, dass ein Fremdsprachenunterricht allein auf dieser Basis funktionieren kann.

Station 4: Koreanisch-Hagwon

Seit März 2019 bin ich nun in einem „Hagwon“, also einem privaten Lerninstitut. Die Qualität des Unterrichts ist um Meilen besser, als bei meinen bisherigen Stationen und auch das Lehrbuch ist besser. Endlich kann ich auch mal Hören und Sprechen trainieren. Hätte ich nicht erst vor ein paar Monaten erfahren, dass es auch einen Samstagskurs gibt, wäre ich schon früher dorthin gegangen. Die meisten Hagwons (und auch Universitäten) bieten leider hauptsächlich Intensivkurse an (Vormittag oder Nachmittag, drei bis vier Tage pro Woche).

Durch den unterschiedlichen thematischen Aufbau habe ich mittlerweile Probleme, das richtige Kursniveau für mich zu finden. In der Grammatik bin ich – dank SKEV – eher überdurchschnittlich, beim Sprechen und Hören aber fast auf Null. Aktuell besuche ich – wieder mal – einen Anfängerkurs, in dem ich zwar schon noch einiges mitnehmen kann, der aber manchmal etwas langweilig ist. Der nächsthöhere Kurs erschien mir bei der Probestunde aber zu schwierig.

Kostenpunkt: 180.000 Won für ein Monat Samstagskurs (12 Stunden Unterricht).

Station Zukunft: Einzelunterricht?

Ich habe mir ernsthaft überlegt, Einzelunterricht zu nehmen, aber das ist erstens relativ teuer, zweitens organisationsaufwändig und drittens genauso unberechenbar, wie jeder andere Sprachkurs. Vielleicht in der Zukunft.

Der lebeninkorea-Blog hat einen interessanten Artikel über Einzelunterricht veröffentlich.

Ausblick

Ich wollte im ersten Jahr B1-Niveau und im zweiten Jahr B2-Niveau erreichen. Wenn ich an diesen Vorsatz zurückdenke, muss ich laut auflachen. Aber ich bin weiterhin dahinter, so gut ich kann und ich denke dass ich nun einen Ort gefunden habe, an dem ich mich langsam und kontinuierlich weiterentwickeln kann. Wenn es die Zeit erlaubt, kann ich dieses Jahr Level 1 abschließen und vielleicht auch mit Level 2 beginnen. Das wäre schon eine schöne Sache!

Haltet mir die Daumen! 🙂

 

Links

Link zur SKEV-Facebookseite

Hangul Kongbubang

Talk to me in Korean Webseite

Talk to me in Korean YouTube

Deutschinkorea.blog Artikel „Koreanisch: Eine Liebesgeschichte“ und „Ein Besuch im Alphabetsmuseum

 

 

2 Antworten auf „Koreanisch lernen … meine Niederlage

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