Südkorea: Auf in die Ambulanz

Mein zweiter Sommer in Südkorea brachte den ersten Besuch in einer Spitalsambulanz.

Ins Krankenhaus: Was los?

Um gleich Entwarnung zu geben: es handelte sich nur um eine kleine Sportverletzung, die mich ins Krankenhaus getrieben hat. Aber nach rund zwei Wochen Belastungschmerzen im Handgelenk wollte ich doch auf Nummer sicher gehen.

Zum Verhängnis wurde mir eine Fitness-Übung mit dem so harmlosen Namen „Farmer Carries“. Dabei bekommt man in jede Hand einen Sandsack und schleppt diesen ein paar Minuten durch die Gegend. Bei mir hat danach das linke Handgelenk w.o. gegeben.

Im Endeffekt wurde im Krankenhaus eine Zerrung diagnostiziert und damit eigentlich Entwarnung gegeben. Ich bekam ein paar Medikamente und zwei weitere Wochen später war dann alles wieder gut.

Aber wie war es so in einem koreanischen Krankenhaus? Es folgt ein Erfahrungsbericht und am Ende die Preisübersicht.

International Clinic: „Ihre Privatsphäre, bitte.“

Als Ausländer sollte man sich an Krankenhäuser mit einer „International Clinic“ halten. Diese stellen koreanisch-unfähigen Menschen eine Assistentin oder einen Assistenten zur Verfügung, der/die beim Papierkrieg und bei der Kommunikation mit dem Arzt behilflich ist. Die oberste Spitals-Kategorie (das sind Universitätskrankenhäuser) verfügt meines Wissens durchgäng über solche Services.

Abgesehen von den Verständnisproblemen läuft es nicht extrem anders ab, als in Notaufnahmen anderer zivilisierter Länder. Der Wert von Privatsphäre ist, wie in Ostasien üblich, aber geringer. Ebenso geringer sind die Wartezeiten.

Die Reise beginnt: In die Radiologie

Nach einem Erstgespräch in der internationalen Abteilung begleitet mich meine Assistentin/Dolmetscherin in die zuständige Abteilung (in meinem Fall Orthopädie) und hilft mir beim Ausfüllen des Anamneseformulars. Nach ein paar Minuten Papierkrieg wandert das Formular zu einer Krankenschwester und begleitet diese in ein Ärztekämmerchen. In Blitzgeschwindigkeit ist die Schwester wieder da und informiert mich – mit Zwischenstation Dolmetscherin -, dass ich die Radiologie aufsuchen sollte.

Ich bekomme sofort einen Dokumentations-Wisch und eine Röntgenrechnung in die Hand gedrückt und muss diese noch soforter an einem Kassenschalter begleichen. Ich bekomme den Weg zur Radiologie erklärt und auch gesagt, dass ich nach dem Röntgen wieder retour zur Orthopädie gehen soll. So weit, so logisch.

Das erste Mal warten

In der Radiologie gebe ich meinen Papierkrieg ab und bekomme einen unangenehmen Sticker auf den Handrücken geklebt. Darauf sind alle Informationen für den Arzt vermerkt. Die Dame an der Rezeption teilt mir auch mit, dass ich etwa 30 Minuten warten müsse. Es ist der erste Leerlauf meines Besuchs. Den Sticker befördere ich während dieser Zeit auf den immer mitzuführenden Dokumentations-Wisch.

Die Abteilung ist eigentlich nur ein langer, schlauchartiger Korridor, mit äußerst wenigen Sitzgelegenheit und einer großen Anzahl von Menschen. Alle stehen dicht gedrängt und lauern auf die sporadisch durch die Türen lugenden Radiologengesichter. Mir ist es etwas zu eng und daher begebe ich mich – der Wartezeit-Einschätzung vertrauend – auf einen kleinen Spaziergang.

Nach rund 30 Minuten komme ich dann wirklich dran! Ein netter Radiologe, der krampfhaft versucht, nicht meinen Namen aussprechen zu müssen, führt mich in ein Behandlungszimmer, tut seine Arbeit und schickt mich nach wenigen Minuten wieder weg. Es ist kein Um-/Ausziehen notwendig, allerdings bekomme ich auch keinen Genitalschutz umgebunden … naja, sie werden schon wissen, was sie tun.

Befund Zerrung

Nach dem Röntgen melde ich mich wie befohlen wieder in der Orthopädie und werde vor eine Ärztekämmerchen-Tür geleitet, um dort Platz zu nehmen. Offenbar werden Ausländer gezielt zu Englisch sprechenden Ärzten gelotst. Gute Idee, eigentlich.

Nach vielleicht 15 Minuten darf ich hinein und bekomme die eigentlich peinlich banale Diagnose „Zerrung“. Wie in Korea üblich gibt es aber auch für banale Diagnosen eine ganze Scheibtruhe (Schubkarre) voll Tabletten. In meinem Fall bekam ich 1) ein Schmerzmittel 2) einen Gelenksentzündungs-Hemmer 3) einen Blutverdünner und 4) einen Magenschutz. Natürlich sind alle vier gleichzeitig einzunehmen. Eine Woche lang. Immerhin nur zweimal pro Tag.

Nach dem Diagnosegespräch kehre ich in die internationale Abteilung zurück und bekomme ein Dankeschön und die Endabrechnung.

Preise

Der Gesamtpreis lag bei 63.028 Won, das sind aktuell rund 46 Euro. 17.728 Won – also rund 50 % der reinen Behandlungskosten übernahm meine koreanische Krankenversicherung.

Stolze 27.700 Euro kostete eine Kopie des „Medical Record“. Eine solche habe ich für alle Fälle anfertigen lassen, das ist aber keineswegs Pflicht. Die reinen Behandlungskosten belaufen sich somit auf rund 35.000 Won bzw. knapp 30 Euro. Inklusive Röntgen. Eigentlich ein Klax.

Für die Medikamente waren dann noch 7.600 Won fällig. Das sind rund 5 Euro.

Und das Wichtigste: ich bin wieder gesundet.

 

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