Südkorea im Herbst (2019)

Meines zweites Jahr in Korea nähert sich seinem Ende und ich genieße die kurze Zeit zwischen Klimananlage und Heizung. Herbst in Korea: ein Erlebnis für alle Sinne.

Der Herbst stinkt zum Gingko

Gingko – ein Wort, ein Baum, ein Gestank. Dass sich die Südkoreaner als Zierbaum für Alleen und Gärten ausgerechnet ein Pflänzchen mit stinkenden Früchten ausgesucht haben, ist eines der großen Mysterien dieses Landes. Natürlich macht eine Gingko-Allee im Herbst optisch mit ihrem goldgelben Blätterdach mächtig was her, aber ob das den Geruch der ab Anfang September abfallenden und auf vielen Gehsteigen langsam vor sich hin gärenden Früchte wettmacht?

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Der Herbst schmeckt nach Kaki

Im Oktober wird Südkoreas Herbstfrucht langsam reif: „Ggam“, in Europa bekannt als „Kaki“. Ich halte es hier wie bei Kürbis: kann man essen, aber es ist schon gut, dass es nicht ganzjährig verkauft wird. Kaki-Bäume mit prallen, orange leuchtenden Früchten – sogar in Großstädten! – sind definitiv eines DER Bilder des koreanischen Herbstes.

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Für alle Unwissenden: Kaki schmeckt, als ob sich ein Kohlrabi mit einem Pfirsich ins Bett gelegt hätte. Wie isst man Kaki? Strunk entfernen, waschen, vierteln und eventuell vorhandene Kerne entfernen. Das ist alles. Schälen ist optional.

Augenweide Indian Summer

Indianer in Korea? Nein, aber die nordamerikanische Metapher „Indian Summer“ klingt doch besser, als die präzise Übersetzung „Laub vor dem Laubfall“. Jenseits der Wortklauberei soll’s aber einfach nur schön sein, und das ist es auch.

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Uni ist alles: Die Jugend kommt ins Schwitzen

Am 14. November fand der landesweite (neunstündige!) Universitäts-Eignungstest – College Scholastic Aptitude Test – an den hiesigen Gymnasien statt. Was relativ langweilig klingt, ist ein absolutes logistisches Spektakel:

  • Zwischen 13:05 Uhr und 13:40 Uhr war der Flugverkehr über Südkorea komplett eingestellt. Warum? In diesem Zeitraum fand der Englisch-Hörverständnis-Teil statt.
  • Banken und Ämter öffneten erst um 10 Uhr, um den Stau in der morgendlichen Rush Hour zu minimieren. Die jugendlichen Hirne sollten möglichst effizient und entspannt zum Testort kommen.
  • Die Öffis verkehrten in dichteren Intervallen, als sonst.
  • 391 Feuerwehrleute, 77 Notärzte und 416 Polizeifahrzeuge standen direkt in den Schulen in permanenter Bereitschaft
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Photo by Pixabay on Pexels.com

Den Herbst spüren: Letzte Taifune und erster Frost

August bis Oktober ist Taifun-Saison ist Südkorea. Die bringt in den allermeisten Fällen „nur“ Regen und starken Wind, aber hin und wieder … Im September gab es wegen eines westseitigen Taifuns erstmals seit meiner Ankunft für einige Stunden eine offizielle Wetterwarnung und eine „Zuhausbleibeempfehlung“. In Seoul wohlgemerkt, also in einer gewissen Distanz zur Küste. Hier war dann abgesehen von sehr starkem Wind und etwas Regen nicht viel los, aber direkt an der Küste muss es stellenweise ziemlich rundgegangen sein.

Was kann passieren, wenn man während eines Koreaaufenthalts von einem Taifun erwischt wird? Nun, im schlimmsten Fall sollte man ein bis zwei Tage mit seinem Hotelzimmer und der näheren Hotelumgebung vorlieb nehmen. Alles was gesichert werden muss, wird gesichert – Koreaner sind klarer Weise schon routiniert im diesem Bereich.

Nach einem Taifun muss man fallweise mit gesperrten Verkehrswegen (Straßen und Gleise) und Verspätungen rechnen. Wenn der Sturm im Westmeer wütet gibt es ziemlich sicher vorübergehende Einschränkungen (maximal wenige Stunden) bei Starts und Landungen am Flughafen Seoul-Incheon.

Die Eisheiligen kommen

Der Unterschied zwischen Sommer und Herbst? Im Sommer kommt die Erkältung von den Klimaanlagen, im Herbst ganz von allein. Ist das ein Scherz? Kommt darauf an, ob man gesundheitlich ein gutes oder ein schlechtes Jahr hat. In Korea ist jedenfalls jede Jahreszeit eine gute Zeit für Erkältungen. Im Herbst und Frühling ist die heimtückische Kombination aus (noch) sommerlichen Sonnenstrahlen und feucht-kühlem Wind die häufigste Ursache.

Bis Oktober dauert offiziell das nasse Halbjahr und damit das „Klimaanlagen-Halbjahr“. Im Gegensatz zu 2018 musste ich heuer noch in den ersten Oktobertagen fallweise kühlen. Die Strom sparende Zeit dauerte nicht lang, denn nach einigen frostigen Novembernächten fühlte ich mich am 13. November erstmals zum Heizen genötigt. Laut Wetterprognose steht das Herbst-Ende bevor und Väterchen Frost bereitet mit grimmigem Grinsen die ersten sibirischen Eisstöße vor.

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Jetzt bleibt nur noch eine Frage: Dauert der Winter vier oder fünf Monate? Uff! Und doch sorgt auch der Winter mit seinen strahlend blauen Himmeln, den relativ langen Tagen und fallweise kristallklarer Luft immer wieder für Begeisterung.

 

 

 

 

 

 

 

 

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