Coronavirus # 2: Mehr Limetten her!

COVID19-Party nach China jetzt auch in Südkorea und Italien! Wo sind die Limetten? Und die unverderblichen Lebensmittel?

Seoul leert sich

Beim Artikel Corona mit Limette war ich noch leicht sarkastisch, aber die Lage spitzt sich langsam zu.

Am Sonntag sind halb so viele Autos wie gewohnt auf den Straßen. Zu Mittag esse ich mitten im Szenedistrikt Gangnam mutterseelenallein in einem Schweinebauch-Restaurant. Bei der Sonntagsmesse versammelt sich lediglich eine Dutzendschaft und die Ministranten sind vom Dienst befreit. In öffentlichen Verkehrsmitteln sind Mundschutz-Masken schon so normal, dass man ganz verdutzt schaut, wenn jemand KEINE trägt. Und mein Arbeitgeber lotet für den Notfall die Möglichkeiten des Homeoffice aus.

Es sind Momentaufnahmen, denen man ebensoviele Gegenbeispiele entgegenhalten kann, aber in der Hauptstadt wächst definitiv die Besorgnis.

Wird Seoul etwa zum nächsten Wuhan? Wahrscheinlich nicht. Allerdings ist Südkorea nach China nun das Land mit der weitaus höchsten Infektionsrate. Nach einigen Tagen ohne bestätigte neue Infektionen ging’s ab letzten Dienstag rund. Die COVID-19 Erkrankungen (so heißt es jetzt offiziell) haben sich seitdem auf 602 Fälle mehr als verzehnfacht (Stand 23.02. um 16 Uhr Ortszeit). 5 Personen sind bisher verstorben. Link zur weltweiten Übersicht.

Gestern ist im Tourismusbereich ein Bann gebrochen: Als erstes Land hat Israel Passagieren eines Korean Air Fluges aus Seoul die Einreise verweigert.

Daegu sperrt zu (Samsung auch)

Rund drei Viertel aller koreanischer Krankheitsfälle wurden in der südöstlichen Großstadt Daegu gemeldet und können zu zwei Übertragungsorten zurückverfolgt werden: Eine christliche Sekte, bei deren vergangen zwei Sonntagsmessen sich offenbar hunderte Gemeindemitglieder infiziert haben (offiziell ausgehend von einer einzigen Person) und das Daenam-Krankenhaus etwas außerhalb der Stadt.

Laut Zeitungsberichten sind Daegu und das benachbarte Cheongdo mittlerweile eine „Special Management Zone“ der staatlichen Gesundheitsbehörde.

Etwas amüsant sind die befürchteten Lieferengpässe bei Samsung-Smartphones, weil eine Produktionhalle nach einem Corona-Fall vorübergehend stillsteht. Naja, jeder hat seine Prioritäten.

Die Welt wartet ab

Außerhalb Ostasiens dürften sich Italien und der Iran zu Virusherden entwickeln. Im Iran gibt es nach den offiziellen Zahlen von Sonntag eine Sterblichkeitsrate von 18 % (5 von 28 Personen), was sehr stutzig macht. Das legt nahe, dass dort nur die schweren Krankheitsverläufe erfasst sind und es eine hohe Dunkelziffer gibt. Ähnlich wie bei China kann man den Behörden wohl wenig Glauben schenken.

Ein Fest für Numerologen

Stand Sonntag, 9:00 Uhr

  • Exakt 75 % aller koreanischen Fälle sind in Daegu gemeldet.
  • 123 Neuinfektionen seit dem Vortag
  • Davon 75 Fälle aus der oben genannten Kirchengemeinde
  • Insgesamt 111 Krankheitsfälle im Daenam Krankenhaus

Alle Daten von Korea Herald.

Was kommt in den nächsten Tagen?

Ich fühle meinen Heimaturlaub wackeln. Im März wollte ich nach über zwei Jahren erstmals wieder nach Österreich zurückkehren, aber die Lage in Südkorea wird sich wohl nicht so schnell entspannen (Israel und die USA sind aktuell die ersten, die Koreanern die Einreise verweigern bzw. Reisewarnungen aussprechen). Dazu kommt die neue Problemzone Norditalien.

Meine Südkoreavergangenheit würde dann und wann zum Gesprächsthema werden und ich habe ehrlichgesagt keine Lust auf die zu erwartenden Reaktionen. Insbesondere, da ich ein paar Tage „aufs Land“ fahren wollte.

Mit der Entscheidung warte ich aber noch ein paar Tage. Ein paar Notrationen Reis, Pacheon-Mix, Thunfisch und getüteter Knochensuppe habe ich aber mal eingelagert. Für alle Fälle.

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