3 Tage Krankenhaus: Ein Rückblick

Im November ein Mal zu schwer gehoben und gebrochen war die Leiste: Ein Rückblick auf drei Tage Krankenhaus und die Kommunikationsfähigkeit koreanischer Ärzte.

Organisation im Krankenhaus

In Korea läuft alles ein bisschen schneller, aber auch schneller wieder ganz anders, als geplant. Planlosigkeit oder Flexibilität? Ich überlasse diese Bewertung dem Leser.

Mein Operationstermin wurde einen Tag davor um eine Woche verschoben. Meine Kolleginnen und Kollegen waren nicht wirklich überrascht und berichteten sogar von Vorverlegungen.

Am ersten Tag auf der Station empfahl der Assistenzarzt völlig überraschend einen längeren Aufenthalt: 2-3 Nächte anstatt nur einer Nacht. Erklärung gab es nicht wirklich. Meine überraschte österreichische Wohlstandsbeamtenmentalität beharrte auf dem Originalplan (1 Nacht), nur um dann nach der Operation schmerzverzerrt doch um eine Verlängerung zu bitten.

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Über die Operationstechnik (Schlüsselloch, Netz usw.) wurde ich gut informiert, über mögliche Nachwirkungen der Vollnarkose und des Eingriffs aber gar nicht. Vielleicht war’s die Sprachbarriere, aber Koreaner*innen tendieren oft dazu, nur konkrete Dinge zu sehen und denken nicht an mögliche Vielleichts.

Leben in der Chirurgie-Station

Es gab Sechsbett-, Dreibett- und Einzelzimmer. Die koreanische Einheitskrankenversicherung bezahlt nur ersteres. Jeder weitere Luxus muss durch den Patienten selbst abgedeckt werden.

Laut Feedback aus Österreich scheinen die Krankenbetten etwas schmäler zu sein, aber sie waren immerhin lang genug (genauso wie die Outfits). Natürlich gibt es in einem Mehrbettzimmer Störfaktoren (Licht, Lärm usw.) – und so richtig „Licht aus“ herrscht nur zwischen Mitternacht und vier Uhr früh -, aber grundsätzlich war alles im grünen Bereich.

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Das Essen wird wie üblich ans Bett gebracht, muss aber zu Beginn des Aufenthalts bestellt werden und wird nicht zur Gänze von der Krankenkasse übernommen. Auch ein Trinkgefäß sollte man mitnehmen, da Wasser von einem Wasserspender zu holen ist.

Kulturunterschiede

Es herrscht mehr Selbstversorger-Ethos. Auf der Station gab es einen Versorger-Raum mit Mikrowellen, Abwasch und Wasserspender.

Besonders interessant fand ich, dass im Zimmer recht locker miteinander gesprochen wurde. Ein älterer Herr hat auch mich ein paar Mal angesprochen und meine Besucher haben sich wiederum innerhalb kürzester Zeit mit anderen Patienten und Besuchern unterhalten. Für mich war das ein bisschen Kulturschock. Jemand, der wildfremde Menschen anquatscht, ist für mich eher argwöhnisch zu beäugen.

Apropos Kommunikation: es macht einen Unterschied, ob die Schwesternschaft aus Koreanerinnen oder aus Österreicherinnen Osteuropäerinnen besteht. Der Umgangston ist dezenter und höflicher, aber gänzlich humorbefreit.

Nach der Operation

 

Das Trinken wurde mit Gerstentee eröffnet. Solche Getreidetees sind eine eher widerliche koreanische Tradition, aber angeblich sehr gesund. Das Pflegepersonal war bemüht und hilfsbereit. Der Chirurg kam am Nachmittag und hielt es fast eine halbe Minute bei meiner Koje aus, bevor ihm das Kommunizieren zu viel wurde.

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Kühlschrank beim Krankenbett

Entlassung und Nachbehandlung

Schmerzmittel gab’s gleich von der Stationsschwester. Für alltägliche Informationen (Wie dusche ich mit meinen Pflastern? usw.) musste ich aber mehrfach nachfragen und bekam nicht wirklich verständliche/zufriedenstellende Auskünfte. Dazu kommt, dass die Apotheken nur im Medikamentenbereich gut ausgestatten sind, ansonsten (Duschpflaster, Ice-Packs usw.) ist das Sortiment oft limitiert oder gar nicht vorhanden.

Direkt nach der Entlassung ist die Rechnung zu begleichen. Die Gesamtkosten beliefen sich auf rund 1.500 Euro, wovon meine Krankenversicherung drei Viertel übernahm.

Der Kontrolltermin mit Nähte-Ziehen erfolgte 8 Tage nach der Operation. Es gab keinen Krankenstand nach der Operation (in Österreich normalerweise 1-2 Wochen).

Zur Kommunikationsfähigkeit koreanischer Ärzte

Dialog bei der Anamnese:

Ich: Wie lange dauert die Rehabilitation nach der OP?

Chirurg: Es gibt keine Rehabilitation. Die OP-Methode ist sehr sicher.

Ich: Wann kann ich wieder arbeiten und Sport machen?

Chirurg: Am Tag nach der Operation.

Dialog am Tag nach der Operation – wider Erwarten befinde ich mich noch im Krankenhaus und kann mich kaum bewegen:

Ich: Wann kann ich wieder arbeiten und Sport machen?

Diensthabende Ärztin: Morgen. Die OP-Methode ist sehr sicher. Es können in den nächsten Tagen Schwellungen auftreten.

Ich: Und die Schmerzen sind normal?

Diensthabende Ärztin: Ja.

Dialog beim Kontrolltermin eine Woche später (immer noch viel mehr Schmerzen, als prognostiziert):

Ich: Wann kann ich wieder Sport machen?

Chirurg: Es gibt keine Einschränkungen.

Ich: Und was ist zum Beispiel mit Kniebeugen?

Chirurg: Oh, diese Bewegung ist nicht so gut.

Ich: ratlos

Hart – Härter – am Koreanersten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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