Coronavirus # 8: Wir schauen auf euch!

Covid19 offenbart in Südkorea die Möglichkeiten der Personenüberwachung.

„An estimated 10,905 people were in the vicinity of the five clubs and bars in question for more than 30 minutes from midnight to 5 a.m. between April 24 and May 6, based on phone signal tower records, the Seoul Metropolitan Government said Tuesday. The same day, it sent a text message in English to all the numbers identified and asked the recipients to be tested […]“

Zusammengefasst auf Deutsch: Die Seouler Stadtverwaltung konnte eine Woche im Nachhinein durch Handymasten-Daten tausende Menschen identifizieren, die sich an bestimmten Tagen, zu einer bestimmten Uhrzeit und für eine bestimmte Zeitdauer in der Nähe eines Covid19-Clusters in Seoul-Itaewon aufhielten (es geht um ein paar Nightclubs). Die identifizierten Leute wurden dann per SMS dazu aufgerufen, sich auf Covid19 testen zu lassen.

Der Wortlaut „phone signal tower records“ lässt eher darauf schließen, dass das über die Telefonleitung erfolgt ist und nicht über Internetverbindung oder GPS.

Zusätzliche Anmerkung: Von allen neuen Covid19 Infizierten Südkoreas findet man im Internet u.a. zuletzt besuchte Orte, Quarantänekrankenhaus, Alterskohorte, Wohnbezirk und Staatsbürgerschaft. Nach zwei Wochen wird das wieder gelöscht. Zumindest von der Internetseite der Stadtverwaltung.

Überwachungsstaat? Hmmm.

Mann, Nachdenken, Gedanken, Skulptur, Sommer, Gesicht

Originalartikel im Korea Herald.

Englischsprachiger Nachrichten-Blog mit Covid19 Updates vom Bezirksrathaus Yongsan.

 

 

1 Response

  1. Jaewon Choi

    Ich beobachte zur Zeit die Möglichkeit der umfassenden Überwachung. Freilich in der Krise der Infektionskrankheit ist es unvermeidlich, dass sich einige personenbezogene Daten verarbeiten lassen, um die Verbreitung der Infektion abzusperren. Aber die Maßnahme, die jetzt dafür ergreift, kann massiv und schwer die Grundrechte verletzen, insbesondere das Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Es ist möglich für die Verwaltungsbehörde, in umfassender Weite, ohne Gerichtsentscheidung die personenbezogenen Daten von Bürgern zu erheben, verarbeiten und bekanntzumachen. Darüber hinaus erhoben einige Behörde durch unmittelbaren Zwang ohne gesetzlichen Grund die Daten der Gläubigen von einer Sekte──allerdings vernünftelte diese Behörde, dass diese Zwangsvollstreckung völlig rechtmäßig ist. Außerdem gibt es in Südkorea einen kulturellen und sittlichen Druck, dass die Einzelne in der Krise ihre Beste tun müssen, um negatives Ergebnis für Gemeinschaft zu vermeiden. Nach diesem Denken haben die Leute, die anders als diese Vorstellung handeln, große Schuld für das Unglück der Gemeinschaft. Also ist die Bekanntmachung der personenbezogenen Daten von Infizierten sehr riskierend, weil Massen unverschämt die Infizierten vorwerfen.

    Es ist das schlimmteste Problem: Die B ü r g e r haben kein Bewusstsein, dass diese Maßnahmen sehr problematisch sind und schwer ihre informationelle Selbstbestimmung verletzen können. Unsere Bürger konzentrieren sich nur auf die Zweckrationalität der Absperrung der Verbreitung von Infektion. Meiner Meinung nach ist es wirklich wichtig, dass man über beide Vorteil und Nachteil nachdenken muss. Aber heute wird nur Zweckrationalität verfolgt.

    Wir, die Bürger von Südkorea, würden schon “gläserne Menschen” sein. Mein Promotionsthema ist Persönlichkeitsrecht, insbesondere das Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Deshalb verbittert diese Phänomene mir.

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