Einmal Hundesuppe, bitte!

Hundefleisch zu essen ist mittlerweile ziemlich uncool in Südkorea, aber einige Lokale bieten die Spezialität noch an. Da musste ich natürlich mal hin!

Das Standardgericht heißt Bosintang/보신탕

Nach meiner Recherche ist das die einzige Hundefleisch-Spezialität, für die es in Seoul noch ein paar Restaurants gibt. Eines Septemberabends zog es mich zum zentralen Namdaemun-Markt, wo gleich zwei Lokale Hundesuppe anbieten. Das erste aufgesuchte war wegen Reparaturen geschlossen, beim zweiten hatten wir mehr Glück. Beim Eintreten rissen wir zwar im menschenleeren Restaurant die büselnde Patronin aus dem Schlaf – Covid hat eindeutig Auswirkungen im Gastgewerbe -, aber diese schien eher glücklich, nicht mehr bloß schlafen zu müssen. Wir bestellten also zweimal Bosintang und fragten nochmal explizit nach, ob da eh Hundefleisch drin sei – Frau Patronin bejahte ohne die Miene zu verziehen. Tja und dann kam das Ding:

Fazit: Muss man nicht haben!

Das Fleisch hat einen einzigartigen Geschmack, der am ehesten an Lamm erinnert. Das war definitiv unerwartet. Die koreanische Gewohnheit, auch eher widerliche Teilchen wie Haut und Knorpel zu verarbeiten, sowie der recht hohe Fettanteil, machen das Gericht – um es positiv zu formulieren – sättigend. Anders ausgedrückt: Ich hatte bald mal genug und konnte Mengen und Geschmacks wegen nicht aufessen.

Die Suppen-Basis war in unserem Fall exzellent und fast identisch mit anderen interessanten koreanischen Gerichten wie Chueo-Tang (Schlammpeizgersuppe) und einer Variante von Kamchatang (Schweinsknochensuppe) – sehr reichhaltig, scharf, etwas breiig und voller Geschmäcker. Dafür gibt’s definitiv Daumen hoch.

Hundefleisch heute

Fairer Weise möchte ich hier klarstellen: Besonders jüngere Koreaner finden Hundefleisch genauso eklig, wie wohl die meisten Europäer. Es gilt eher als Essen für die Großelterngeneration. Diese orakelt bis heute von besonders hohem Energiegehalt von Hundefleisch, der sich positiv auf u.a. die Manneskraft auswirken sollte.

Gesetzlich ist in Korea seit einigen Jahren das Töten von Hunden zu kommerziellen Zwecken verboten. Das Essen von Hundefleisch allerdings nicht. Es ist ein kleines Zeichen, das auch Korea in einer Wohlstandsverwahrlosung angekommen ist: Fleisch ist schon gut, aber dafür töten ist igitt.

Wer jetzt aber mit Moralimperialismus daherkommt, sollte sich schon hinter die Ohren schreiben: In Deutschland und Österreich wurden nach den Weltkriegen auch fleißig Hunde und Katzen gemampft – und wohl noch seltsameres Getier auf zwei, vier oder null Beinen. Hundefleischkonsum ist in Deutschland erst seit 1986 illegal – und der „Hot Dog“ war vielleicht keine bloße Metapher.

Ein Gedanke zu “Einmal Hundesuppe, bitte!

  1. Ich finde Tier ist Tier und ich kann genauso eine Beziehung zu einem Huhn oder Schwein aufbauen wie zu einem Hund. Warum man das eine essen “darf” und das andere nicht, erschliesst sich mir nicht. Von daher: Wohl bekommts und danke fuer den Erfahrungsbericht! 🙂

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