Seoul: Eine Wohnung finden

Es ist ein bisschen zum Neidisch werden: es gibt eine große Zahl an Englischlehrern in Seoul – Muttersprachler aus aller anglophonen Herren Länder – die meisten werden von ihrer Schule mit einer voll möblierten Wohnung ausgestattet. Ich darf mich jedoch selbst um meine Wohnung kümmern. Denn ohne Wohnung keine koreanische „Alien Registration Card“ und ohne ARC kein Bankkonto, kein Internet, kein Handyvertrag und keine Ausreise mit Wiederkehr.

Welche Möglichkeiten gibt es also für Ausländer, eine Bleibe in Seoul zu finden? Die Antwort ist: es gibt viele – aber alle sind etwas holprig.

  1. Goshiwon/Goshitel:Das ist eine Art weiterentwickeltes Studentenheim. Ein Zimmer in einem Goshiwon kann man schon ab 250.000 Won pro Monat bekommen (etwa 200 Euro). Der Raum ist dann exakt so groß, dass ein Single-Bett hineinpasst, alle anderen Möbel sind clever ineinander gebaut, um Platz zu sparen. Das Badezimmer (falls das Zimmer überhaupt ein eigenes Bad hat) ist nach europäischem Standard nicht mehr, als eine Klomuschel mit darüber angebrachtem Duschkopf. Die Wände taugen nur zum Sichtschutz, weniger zur Geräuschdämmung. Eine interessante Videotour durch ein Goshiwon-Zimmer gibt es auf YouTube.
  2. Wohngemeinschaften:Ein WG-Zimmer hätte ich mir anfangs durchaus vorstellen können. Mir wurde dann aber von zwei Personen von einer WG mit einem koreanischen Mitbewohner abgeraten. Die Essenz der Einwände ging u.a. in die Richtung, dass der olfaktorische Knoblauch- und Kimchi-Exzess etwas anstrengend sein könne. Ich habe mich von dieser Meinung beeinflussen lassen und nach einem Oneroom gesucht, habe aber doch gesehen, dass man relativ leicht ein WG-Zimmer finden kann. Einige Koreaner suchen sogar ganz konkret nach einem ausländischen Mitbewohner – um ihr Englisch zu verbessern oder einfach aus Interesse. WG Zimmer findet man recht rasch über Craigslist.
  3. Onerooms für „Young Professionals“:Ein Oneroom ist die kleinste „normale“ Wohnung in Korea – viel größer als 20 m² wird er nicht. Nachdem das bereits eine offizielle Immobilienkategorie ist, wird hier das interessante koreanische Mietsystem schlagend. Das heißt, für einen Oneroom ist in den meisten Fällen eine Kaution fällig und die liegt normalerweise bei 10 Mio. Won (ca. 8.000 Euro). Es ist ein großes Glück, wenn man einen anständigen, zentral gelegenen Oneroom für eine niedrigere Kaution bekommt. Die Miete ist dafür meist leistbar und liegt um 500.000 Won (knapp 400 Euro). Es gibt jedoch einige Anbieter, die sich auf Ausländer (speziell Austauschstudenten) spezialisiert haben und einfache Onerooms relativ teuer, aber dafür erstens für kürze Zeiträume (= weniger als ein Jahr) und zweitens ohne Kaution vermieten. Möglicherweise sind einige Annehmlichkeiten wie Wi-Fi Internet bereits inkludiert.Ein seriöser Anbieter ist Koreastudio281. Die beste Wohnkategorie kommt dort auf 750.000 Won pro Monat (knapp 600 Euro) plus ein einmaliges „Security Deposit“ in gleicher Höhe. Keine Kaution notwendig. Es gibt auch andere solche Anbieter. Zumeist befinden sich die Wohnung nicht im Zentrum, sondern im Umkreis der Universitäten.
  4. Onerooms zur Privatübernahme oder zur befristeten Weitervermietung:Findet man über Craigslist und insbesondere in diversen Facebookgruppen, zum Beispiel HBC/Itaewon Buy/Sell.
  5. Onerooms oder Officetels über Maklerbüros:Der Hauptunterschied zwischen Oneroom und Officetel ist das Stockwerk: Onerooms findet man in eher niedrigeren Häusern (üblicherweise vier Etagen), Officetels in Hochhäusern. Letztere sind etwas großzügiger angelegt, aber nicht unbedingt moderner oder besser ausgestattet als Onerooms. Üblicherweise ist die Miete in einem Officetel ein wenig höher (bis zu 1 Mio. Won) und die Kaution deutlich höher (20-40 Mio. Won).

Allgemeines zum Thema Makler

Für Geschäfte mit Maklern sollte man jemanden haben, der fließend Koreanisch spricht. Bereits die grundlegende Kommunikation auf Englisch wird etwas schwierig sein (oder unmöglich), aber spätestens bei der Unterzeichnung der Verträge ist alles auf Koreanisch und dann weiß man ohne Dolmetscher eigentlich gar nicht, was man unterschreibt.

Die Extrakosten für meinen Makler beliefen sich auf eine einmalige Gebühr von 280.000 Won (rund 220 Euro) plus einen monatlichen Aufschlag auf die Miete in der Höhe von 25.000 Won (rund 20 Euro). Dabei handelte es sich aber eher um den „Makler von Nebenan“. Es gibt auch Makler, die sich auf Ausländer spezialisiert haben – diese können jedoch deutlich teurer sein und sind oft auf relativ teure Immobilien (Apartments für Familien) spezialisiert.

Service auf Englisch

Die Stadt Seoul vergibt ein eigenes Zertifikat für Makler, die Services auf Englisch anbieten. Auf der englischsprachigen Seite der Stadtverwaltung findet man eine komplette Liste. Der Grad der Englischkenntnisse kann aber stark variieren.

Wenn man allerdings seine Wünsche an den Makler vermitteln konnte und eine schöne Wohnung gefunden hat, kann es sehr schnell gehen. Bei mir hat es von der ersten Wohnungsbesichtigung bis zur Vertragsunterzeichnung drei Tage gedauert. Allerdings nur, weil der Hausbesitzer nicht sofort verfügbar war.

Dafür brauche ich nicht viel zu transportieren. Minimalismus sei Dank.

 

 

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