Komplimente über Komplimente

Man hört über fernöstliche Länder alle möglichen Geschichten: als Ausländer werde man manchmal angestarrt, teils mit Skepsis, teils mit ausladender Freundlichkeit bedient, auf der Straße angequatscht und komplimentiert.  Das alles ist irgendwie wahr, passiert aber nicht unbedingt regelmäßig. Meine bisher interessantesten Komplimente in chronologischer Reihenfolge:

Jänner

Ich glaube, du wirst in Korea sehr gut ankommen.

Diese Worte sprach mein Guide Sam bei der (sehr empfehlenswerten) AirBNB Experience Fortress Night Hike auf den Inwangsan. An meinem dritten Tag in Korea. Kundenservice oder Ehrlichkeit? Ich weiß es nicht. Schlecht ist es mir bisher definitiv nicht gegangen.

Februar

Sie können Hangul lesen? – Ja. – Oooooohhh.

Das koreanische Alphabet heißt Hangul und ist auf keinen Fall das Schwierigste an der koreanischen Sprache. Das meiste konnte ich mir bereits vor meinem Abflug aneignen. An einem kalten Winterabend saß ich mit einem Kollegen in einem Grillrestaurant am Namdaemun Market und begann aus Neugierde die „Speisekarte“ (eher Speisewandanschlag) vorzulesen. Ich wollte nur wissen, was das alles sei, was ich hier vorlesen, aber nicht verstehen konnte.

Kaum angefangen, drehten sich die zwei Herren mittleren Alters vom Nebentisch mit großen Augen zu mir um und stellen ganz erstaunt die oben zitiert Frage. Auf mein Bejahen ertönte dieses urtypische langgezogene O (alternativ hört man manchmal auch Mmmmmmmmmmmmmm!). Mit diesem O oder M können Koreaner fast sämtliche Emotionen ausdrücken, was zwar für Europäer ungewohnt, aber immer sehr markant und ansteckend ist.

März

Du hast eine gute Blutgruppe.

Ich möchte gar nicht wirklich auf die Blutgruppentheorien eingehen. Besonders in Japan dürfte es sehr populär sein, Menschen nach ihrer Blutgruppe zu fragen und daraus bestimmte Persönlichkeitszüge abzuleiten. Quasi Astrologie für Vampire. Wer sich darüber informieren will sei an diesen Artikel der Huffington Post verwiesen.

Nun dürften zwischen Asien und Europa tatsächlich signifikante Unterschiede in der Häufigkeit bestimmter Blutgruppen zu finden sein. Die Wertschätzung von Blutgruppe O kann man mit medizinischen Fakten argumentieren: Menschen mit O+ können an alle Menschen mit positivem Rhesusfaktor spenden. In die andere Richtung ist das nicht möglich.

Da die Blutgruppen A und B nicht kompatibel sind, jedoch O für alle verträglich ist (wenn der Rhesusfaktor übereinstimmt) sind Menschen mit Blutgruppe O naturgemäß als Spender wertvoll. Und der Ferne Osten hat anteilsmäßig die Wenigsten davon.

Rund zwei Drittel der Europäer hat O, ein knappes Drittel A und der kleine Rest hat Blutgruppe B (ca. 5 % – hauptsächlich in Osteuropa). In Korea hat ein Viertel A, ein Viertel B und der Rest O.

Du bist ein bisschen seltsam.

Auch schon aufgefallen, was? Das „ein bisschen“ ist für mich ja schon ein Kompliment :-).

Dialog:

Ich zu meiner Anfänger-Klasse: „Ich bin 33 Jahre alt.“

Komplette Anfänger-Klasse: „Oooooooooohhhhhhh!“

Ich weiß bis heute nicht, was diese Reaktion zu bedeuten hat. Im Zweifel fasse ich sie als Kompliment auf :-).

April

Sie haben eine schön kräftige Knochenstruktur.

Dass dieses Kompliment von einem wildfremden Mann kam, der mit mir an einer Busstation Small Talk führte, macht die Sache etwas bizarr. Aber so wie er gesprochen und ausgesehen hat, war da kein seltsamer Hintergedanke. Ich hab’s mit Fassung ertragen. Gott sei Dank hat er wegen meines Outfits nicht gesehen, dass die Muskelstruktur mit der Knochenstruktur nicht so wirklich … naja, lassen wir das.

Du sieht aus wie Antonio Banderas.

Antonio Banderas ist zwar nur 1,74 m groß, aber ich habe es dennoch als Kompliment aufgefasst. Immerhin ist er Hauptdarsteller in einem der kultigsten Actionfilme überhaupt: Der dreizehnte Krieger. Wiener und Andalusier sehen sich aber vielleicht nur durch makgeolligetränkte koreanische Augen ähnlich.

Das war’s für heute. Beste Grüße aus Seoul.

 

 

2 Antworten auf „Komplimente über Komplimente

  1. Hallo, dieses “ooohhh” vom Februar-Kompliment kenne ich, da ich sehr gerne koreanische Serien schaue (natürlich mit Untertitel). Ich finde es nachahmungswert. Übrigens, das koreanisch “ja” also nä, ist original so wie das griechische ja. VG Rita

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    • Ich muss gestehen, die Serien habe ich mir noch nicht angeschaut. Muss auch nicht sein, glaube ich :-). Aber interessant, dass jemand am anderen Ende der Welt sich dafür interessiert. Nachahmenswert ist das oooohhhh aber auf jeden Fall haha. Ich muss eher aufpassen, dass ich nicht zu dick auftrage. Aber bis jetzt hat mich noch niemand blöd angesehen, wenn ich es gemacht habe.

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