Ohne Plan nach Busan

Den größten Teil meines Oktober-Urlaubs verbrachte ich zwar in Japan, aber für einen kurzen Städtetrip in die sükoreanische Küstenmetropole Busan war auch noch Zeit.

Mit dem Zug ins Rotlichtviertel

Ich hatte für meinen Aufenthalt genau keinen Plan und nur während der Zugfahrt ein billiges Hotelzimmer in Bahnhofsnähe gebucht. Zu eben jenem Hotel machte ich mich nach der Ankunft auf und geriet in ein ziemliches Loch. Tja, bei einem Preis von 20 Euro pro Nacht darf man natürlich nichts Tolles erwarten. Ich legte mich mal ein paar Minuten aufs Bett und plante die folgenden Stunden. Immerhin hatte das Hotel einen Stadtplan vorrätig. So fand ich heraus, dass sich gleich in Bahnhofsnähe die Chinatown befindet. Mein kurrender Magen wollte dort befüllt werden.

Chinatown … Russiatown?

Zurück beim Bahnhof sah ich auf der gegenüberliegenden Straßenseite bereits die „Shanghai Street“ mit den markanten roten Laternen, die wohl jede Chinatown dieser Welt in Szene setzen.

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Ich überquerte die Straße und genoss kurz die interessante Stimmung, wunderte mich aber über die kyrillischen Buchstaben an manchen Geschäften. Wird etwa in Chinatown russisch gesprochen? Ich zog weiter. Zu meiner Überraschung musste ich feststellen, dass die meisten Restaurants schon am schließen waren. An deren Stelle übernahmen neongrell beleuchtete Etablissements die Regentschaft der Nacht. Und bald hörte ich die dazugehörigen Stimmen: „Hey! Where are you from!“ schallte es mir entgegen und hintennach. Na bravo, schimpfte ich innerlich mit mir selbst. Als „weißer“ Mann unwissentlich allein in ein verranztes Rotlichtviertel reingelatscht. Der markante russische Akzent der vielen Frauenstimmen trug nicht unbedingt zu meiner Beruhigung bei. Chinatown ist tatsächlich mehr Russia-Town. Ich machte kehrt und suchte schleunigst das Weite. Für mein Abendessen nahm ich mit einer Fastfood-Bude vorlieb.

Zurück im Hotel dann die nächste Niederlage: Im Zimmer begannen sich eine Spinne und eine Kakerlake darum zu streiten, wer von ihnen denn auch zu mir ins Bett darf. In Ländern wie Laos, Thailand oder Namibia schlief ich schon in schlimmeren Löchern, aber Kakerlaken hatte ich wirklich noch nie als Zimmerkameraden. Dass sich das ausgerechnet in Südkorea ändert … Ich überlegte kurz, ob ich mir das zumindest für die eine Nacht antun will. Meine Antwort: NEIN! Ich packte zusammen, meldete beim „Rezeptionisten“ eine Beschwerde und suchte schleunigst das Weite. Zum zweiten Mal an diesem Abend. Déjà vu.

Busan kann auch schön sein

In meinem Ersatzhotel bekam ich beim Einchecken zwanzig Prozent Rabatt, weil es bereits nach Mitternacht war. So folgt nach dem Regen eben immer Sonnenschein. Diese Logik kann natürlich auch in die Gegenrichtung ausschlagen und so war das Frühstücksbuffet des Sonnenhotels für die regennasse Katz‘. Ich kann mich nicht erinnern, jemals so wiederliches Rührei gegessen zu haben. Was genau kann man bei Rührei falsch machen? Ich weiß es nicht, aber offenbar sehr viel. Der folgende Tag in Busan entschädigte aber vollends für die leichten Qualen nach meiner Ankunft.

Ab in die Büsche

Im Gegensatz zu meinem Japan-Trip trabte ich auf Wanderschuhen in Busan ein und nutzte das am Vormittag gleich für eine kleine Wanderung. Nach fast einstündiger U-Bahn-Fahrt, gefolgt von einer zwanzigminütigen Busfahrt (Busan erstreckt sich über eine riesige Fläche!) stand ich vor dem berühmten Beomeosa-Tempel.

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Hinter diesem Tempel erstreckt sich ein weitläufiges Wanderparadies, das ich für etwa zwei Stunden erkundete. Die Aussicht war aufgrund der Luftverschmutzung leider sehr schlecht, weshalb Postkartenschnappschüsse nicht möglich waren. Das bisschen Natur tat mir aber sehr gut.

Vom Gipfel kehrte ich wieder zum Tempel zurück und nahm mir noch etwas Zeit für eine Besichtigung. Tempel in Korea sind nicht so spektakulär wie in Japan, haben aber durch ihre blumige Bemalung einen ganz eigenen Charme.

Auf zum Strand

Nach einer überteuerten aber durch die spektakuläre Hafenbrücke samt herrlicher Aussicht über das riesige Hafenareal doch lohnenden Rundfahrt mit einem Touristenbus machte ich mich auf zum bekanntesten Stadtviertel Busans: Haeundae. Mit seinem schönen Strandabschnitt und den direkt davor türmenden Wolkenkratzern gehört dieser Ortsteil zu den beliebtesten und bekanntesten Fotomotiven Südkoreas.

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Höhenrekordjagd direkt am Strand. Noch gar nicht fertig und doch schon beeindruckend.

Und siehe da: so oft man von Touristenmagneten letztlich enttäuscht wird, so wenig ist das in Haeundae Beach der Fall. Für mich hat dieser Ort alles gehalten und sogar übertroffen, was über ihn berichtet und geschwärmt wird: einzigartige Skyline, schöner Sandstrand, herrlicher Sonnenuntergang und gar nicht so viele Menschen wie befürchtet. Richtig schön!

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Stadtangeln mit Stil

Tja, und nach einem längeren Abendspaziergang war es auch schon wieder Zeit zu gehen.

 

 

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