Weihnachten allein in der Ferne

Ich habe im Vorfeld nicht viel über Weihnachten nachgedacht. In Korea ist dieses Fest keine große Sache. Jetzt ist es aber da und es ist schon irgendwie komisch. Ein Weihnachtstagebuch.

Viertes Adventwochenende (22. und 23. Dezember)

Ich habe nach Wochen wieder einmal zwei freie Tage in Folge und genieße das jeweils mit einem Tagesausflug. Am Samstag zieht es mich in die südlich von Seoul gelegene Großstadt Suwon und am Sonntag erkunde ich die kleine Insel Muuido nahe des Flughafens Seoul-Incheon. Es sind zwei ganz großartige Ausflüge, über die ich bei Gelegenheit eigene Artikel veröffentlichen werde.

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Aussicht auf Suwon

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Sonnenuntergang in Incheon

Heiliger Abend

Der Tag binnt nicht atemberaubend. Nach einer überraschend unruhigen Nacht begebe ich mich in die Arbeit und unterrichte den letzten Kurstag meines Nachmittagskurses. Es war einer der seltenen Kurse in denen ich nie Zugang zu den Teilnehmenden fand. Somit bin ich auch froh, dass es vorbei ist.

Am späteren Nachmittag – mittlerweile zu Hause angekommen – fährt mir der Geist von Weihnachten ein … in Form eines akuten Putzrausches. Meine Wohnung ist in einem derart verwahrlosten Zustand, dass meine Psyche schon darunter leidet. Es ist Zeit, an beiden Orten aufzuräumen. In einer Miniwohnung geht’s immerhin schnell.

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Festsaal der Katholischen Gemeinde

Schlag 18:30 Uhr mache ich mich auf in die Kirche. Es gibt heute keine deutschsprachige Mette, aber immerhin eine englischsprachige für alle „Filialen“ der Internationalen Katholischen Gemeinde Seoul. Um 20 Uhr geht’s los und ich stehe leicht neben mir. Es gibt nämlich nicht wie erhofft eine visuelle Unterstützung für jene, die im Englischen nicht bibelfest sind. Einst in Wien habe ich auch öfter eine internationale Gemeinde besucht, aber dort wurden als Hilfe alle Texte und Gesänge auf eine Leinwand projiziert. Das erleichterte das Mitmachen enorm. Schwamm drüber, es ist trotzdem schön. Einen italienischen Priester in einer Fremdsprache mitzuerleben ist auch ein schönes Erlebnis – inklusive akuter Giovanni Trappattoni-Déjà vus!

Mehr Infos zur Kirche gibt es im Blogartikel „Deutschsprachige Katholische Gemeinde Seoul„.

Das kargste aller koreanischen Mahle

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Tokkmanduguk mit Kimchi

Am Heimweg stellt sich ein leichtes Hungergefühl ein und ich überlege mir das kargste Mahl der koreanischen Küche. Ganz im Geiste des Heiligen Abends. Was ist das koreanische Äquivalent zu Würstelsuppe? Kalkuksu wahrscheinlich, eine einfache Nudelsuppe. Korea ist aber ohnehin ein Paradies der einfachen Gerichte: Kimchieintopf, Reiskuchensuppe, Nudelsuppe, alles keine Hexerei. Im Endeffekt mache ich dann Tokkmanduguk (떡만두국), eine Suppe mit Reiskuchen und Mandu (koreanische Dim Sum).

Auch der Gedanke an ein einsames Mahl unter Einsamen in der 24-Stunden-Kaschemme meines Vertrauens kommt mir in den Sinn, aber zu Hause kochen ist definitiv weihnachtlicher, als auswärts essen.

 

Christtag

Früh aufgestanden und zurück in die Kirche zum deutschssprachigen Weihnachtshochamt. Ja, zwei Messen innerhalb von 24 Stunden sind wirklich exzessiv, aber nachdem ich fast vier Monate sonntags unterrichtet habe und nicht in die Kirche gehen konnte, spüre ich ein kleines Defizit.

Es versammelt sich gerade einmal eine gute Dutzendschaft in der Kapelle – viele sind für das Weihnachtsfest gen Heimat geflogen. Wegen des geringen Andrangs habe ich danach im Pfarrcafe die Möglichkeit, mit dem Priester über Gott und die Welt und über einen eventuellen Wiedereintritt zu sprechen. Mit Anfang zwanzig bin ich einstmals als Kirchensteuerflüchtling offiziell aus der Kirche ausgetreten – psychisch schon mit dreizehn durch meine Flucht aus der etwas seltsamen Firmvorbereitung. Jetzt vielleicht wieder zurückt? Wer weiß. Solche Geschichten schreibt das Leben …

Der Priester ist übrigens Koreaner, Theologieprofessor mit Fachgebiet Dogmatik und lehrte bereits in verschiedenen Städten Deutschlands, aber auch in Innsbruck. Sehr interessante Laufbahn, wie ich finde :-).

Nachdem nichts die Zeit so schnell vertreibt, wie eine Diskussion über Gott und die Welt, schlägt es unbemerkt Mittag und ehe ich mich’s versehe sitze ich an einem reich gedeckten Esstisch und bestaune und beschmecke die Kochkünste von Pfarrreferentin Jutta. Braten, zweierlei Knödel, Rotkraut, Sauerkraut – ein Best-Of-Mitteleuropa Weihnachtsschmaus der Extraklasse. Was für ein Genuss, nach einem Jahr Pause wieder an einem guten Knödel herumzukauen …

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Mjamjamjam … 🙂

Nach vielen interessanten Unterhaltungen verabschiede ich mich gegen fünfzehn Uhr.

 

Stefanitag

Der 26. Dezember ist kein Feiertag in Korea und ich gehe somit wieder unter die Werktätigen.

 

 

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