Koreas Expressbus-Universum

Im letzten Artikel habe ich das Motel-Universum besprochen. Heute ist es Zeit für ein anderes (Parallel-)Universum: Expressbusse und ihre Terminals.

Preise und Komfort

Korea kann sich zwar ein sehr gutes Netzwerk an Hochgeschwindigkeitszügen an die Fahnen heften (Seoul-Busan, Seoul-Mokpo, Seoul-Gangneung), allerdings ist dieses noch relativ jung. Die Honam-Line zwischen Seoul und Gwangju bzw. Mokpo wurde 2016 eröffnet, die Strecke nach Gangneung sogar erst im Rahmen der Olympischen Winterspiele 2018. Der Zug ist zwar ein äußerst beliebtes Transportmittel geworden, doch bis vor kurzem haben Expressbusse den Großteil der Arbeit verrichtet. Diese Infrastruktur existiert nach wie vor und ist durch den günstigen Preis immer noch stark nachgefragt. Einige Preisvergleiche (Stand Jänner 2019):

  1. Seoul-Gangneung
    1. KTX Hochgeschwindigkeitszug (Fahrtzeit knapp zwei Stunden)
      • 38.600 Won (1. Kl.), 27.600 Won (2. Kl.), 26.200 Won (Stehplatz).
      • 11 Abfahrten pro Tag
    2. Expressbus (direkt, Fahrtzeit min. zwei Stunden und fünfzig Minuten)
      • 23.700 Won (Premium), 21.500 Won (Excellent), 14.600 Won (Economy)
      • 34 Abfahrten pro Tag
  2. Seoul-Busan
    1. KTX Hochgeschwindigkeitszug (Fahrtzeit knapp drei Stunden)
      • 83.700 Won (1. Kl.), 59.800 Won (2. Kl.), 56.800 Won (Stehplatz)
      • 52 Abfahrten pro Tag (plus 21 langsamere Direktverbindungen)
    2. Expressbus (direkt, Fahrtzeit mindestens vier Stunden und fünfzehn Minuten)
      • 37.700 Won (Premium), 34.200 Won (Excellent), 23.000 Won (Economy), plus 10 % für Late-Night-Busse.
      • 48 Abfahrten pro Tag inclusive „Late-Night“

Auf den Strecken nach Busan bzw. Gwangju/Mokpo ist der Geschwindigkeitsvorteil der Bahn am deutlichsten. Dementsprechend gibt es dort auch mehr Verbindungen mit der Bahn, als mit dem Expressbus. Bei allen anderen Destinationen ist man mit dem Bus vielleicht immer noch etwas langsamer, aber deutlich flexibler. Insbesondere wenn man sich an der Economy-Kategorie nicht stört, wird man immer innerhalb einer Stunde nach Ticketkauf abfahren können. Premium und Excellent Tickets sind schneller ausverkauft.

Komfortkategorien

  1. Economy: Ein gewöhnlicher Reisebus. Dementsprechend eingeschränkte Beinfreiheit.
  2. Premium & Excellent: Beide Kategorien haben schöne gepolsterte Sitze, nur drei Sitze pro Reihe und wesentlich mehr Beinfreiheit, als Economy. Menschen mit europäischer Durchschnittsgröße ist diese Kategorie ab einer Stunde Fahrtzeit nahezulegen.

Seoul Express Bus Terminal

Ich kann nicht sagen wie viele Hotels, Einkaufszentren und möglicherweise Bürogebäude dieser Komplex umfasst. Der unvorbereitete Besucher bekommt aber definitiv leicht einen Komplex.

Der Seoul Express Bus Terminal sind bereits zwei Terminals – jene für die Fahrtrichtungen Ost und Südost. Der Central City Busterminal für Fahrtrichtung Südwest (Honam Line) ist eigentlich im gleichen Areal, trägt aber dennoch einen anderen Namen. Zu diesen jeweils bereits ausladenden und menschdurchfluteten Terminals, kommen noch ein gigantisches Untergrund-Einkaufszentrum und ein Department Store samt Luxushotel.

Dem unerfahrenen Reisenden kann ich nur empfehlen, etwas Extrazeit einzuplanen. Selbst wenn’s nur zum Leute beobachten ist … es lohnt sich. Die Wegweiser sind sehr hilfreich, allerdings sind hauptsächlich die Streckennamen angeschrieben: Honam Line (Jeonju, Gwangju usw.), Gyeongbu Line (Daegu, Busan usw.), sowie Yeondong Line (Gangneung, Sokcho usw.). Man muss unbedingt bei der Reiseplanung schauen, auf welcher Linie die gewünschte Destination liegt, sonst wird die Orientierung zur Horrorshow.

Bilder vom (sehr modernen) Central City Terminal in Seoul.

Außerhalb von Seoul sind die Terminals meistens stressfrei und überschaubar.

Tickets kaufen

Mir bekannte Möglichkeiten mit internationaler Kreditkarte ein Ticket im Voraus zu kaufen: NULL. Tut mir leid. Immerhin kann man aber auf Englisch die Verbindungen recherchieren: https://www.kobus.co.kr/spexp/main.do

Chance auf Englisch sprechendes Personal beim Ticketkauf am Schalter: 50/50. Chance auf einen Ticketautomaten, der Englisch spricht: in Seoul 100 Prozent, außerhalb gegen Null. Kreditkarten werden überall genommen, internationale Karten funktionieren eventuell nur am Schalter.

Happy Traveling! 🙂

Die Fahrt

Am Terminal begibt man sich 10-15 Minuten vor Abfahrt zum „Gate“. Jedes Gate hat fixe Destinationen, das heißt die Verwechslungs- und Verlaufsgefahr geht gegen null. Man kann kommentarlos in seinen Bus einsteigen (Ziel und Fahrtnummer an der Frontanzeige prüfen!). Beim Einsteigen muss man allerdings den Ticketstrichcode an der entsprechenden Maschine neben dem Fahrersitz scannen. Wie in allen Reisebussen gibt es eine (kleine) Taschenablage über den Sitzen, sowie für jeden Passagier Sitzgurt, Minilüftung und Lesefunsen (= Lämpchen). Der Bus fährt definitiv pünktlich ab.

Wer großes Gepäck mitbringt, kann das problemlos vom Fahrer im Gepäckraum verstauen lassen.

Der Raststopp

Die Expressbusse machen keine Zwischenhalte, aber fünfzehnminütige Raststopps. Meiner Erfahrung nach macht der Bus etwa alle neunzig Minuten Fahrtzeit einen Zwischenstopp an einer Autobahnraststation. Und ebendiese sind einer der Hauptgründe, den Bus der Bahn vorzuziehen, denn die Raststätten haben ein bisschen was von Disneyland. Es gibt jede Menge Cafés, Restaurants, Fast Food-Stände und meistens eine Spielgelegenheit für die Kleinen.

Nachträgliche Ergänzungen:

  1. Am Raststopp nicht länger als fünfzehn Minuten herumeiern – da gibt’s vom Busfahrer eher kein Pardon.
  2. In den Bussen selbst gibt es keine Toiletten.

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